Mit 23 Jahren hat Jan Thielmann mit René Wagner beim 1. FC Köln bereits seinen siebten Cheftrainer erlebt und formuliert einen Appell.
Wunsch nach mehr KonstanzJan Thielmann: mit 23 schon sieben FC-Trainer

Jan Thielmann in dieser Woche im FC-Training
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Mit 23 Jahren hat Jan Thielmann beim 1. FC Köln bereits seinen siebten Cheftrainer erlebt – eine Bilanz, die mehr über den Verein aussagt als über den Spieler. Nicht einmal eingerechnet ist, dass Friedhelm Funkel den FC gleich zweimal kurzzeitig übernommen hatte. Thielmann, seit rund neun Jahren im Klub, hat sich trotz seines jungen Alters Gelassenheit im Umgang mit der institutionellen Unruhe bewahrt. Es ist keine neue Situation: Mal wieder steckt der FC im Bundesliga-Abstiegskampf. Vor dem wichtigen Spiel bei Eintracht Frankfurt (Sonntag, 17.30 Uhr) äußerte sich der Angreifer zum jüngsten Wechsel auf der Trainerbank – von Lukas Kwasniok zu dessen bisherigem Assistenten René Wagner – und fand dabei auch kritische Worte.
Die Häufigkeit der Trainerwechsel wertet Thielmann ausdrücklich als strukturelles Problem – und nimmt dabei auch die Öffentlichkeit in die Pflicht: „Sieben Trainer in der kurzen Zeit spricht nicht gerade für Qualität. Da seid ihr aber auch nicht ganz unbeteiligt“, sagte der Offensivspieler in Richtung der Medienvertreter. Auch wenn noch kein Medium je einen Trainer entließ und es dafür stets Verantwortliche im Verein braucht – Thielmanns Appell hat eine eigene Logik: „Wir würden alle gut daran tun, den Cheftrainer mal machen zu lassen und ein gewisses Vertrauen in ihn zu haben. Das wünsche ich mir bei René, hätte ich mir bei anderen Trainern aber auch gewünscht.“
Wir würden alle gut daran tun, den Cheftrainer mal machen zu lassen und ein gewisses Vertrauen in ihn zu haben. Das wünsche ich mir bei René, hätte ich mir bei anderen Trainern aber auch gewünscht.
Dass Kontinuität der entscheidende Faktor sein kann, sieht er durch Beispiele aus der Bundesliga belegt: „Man sieht bei anderen Vereinen, dass Trainer Erfolg haben können, wenn sie lange da sind.“ Auch wenn es eine Binse ist: Von einem Trainerwechsel erhoffen sich Vereine neuen Schwung – und gerade Spielern, die beim Vorgänger einen schweren Stand hatten, bietet sich eine neue Möglichkeit, sich zu empfehlen. „Deswegen ist man ein bisschen sensibler, jeder bietet sich an. Die Trainingsqualität ist gut und ich sehe eine gute Reaktion“, sagte Thielmann.

Thielmann mit dem zum FC-Cheftrainer beförderten René Wagner
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Den Übergang beschreibt er als reibungslos. Kein Wunder, Wagner, der langjährige Assistent von Ex-FC-Coach Steffen Baumgart, ist vielen Profis vertraut. Mit dem neuen Trainerteam habe man sich rasch gefunden, die Einheiten seien gut gewesen. Seinen neuen Cheftrainer schildert Thielmann als herzlich und zugänglich, mit offenem Ohr für jeden im Kader. „Sowohl als Co- als auch als Cheftrainer kommt er gut an die Mannschaft heran. Er hat auch einen guten Draht zu den erfahrenen Spielern. Er wird eine gute Mischung finden aus Spielern, die neu dabei sind, und dem alten Stamm.“
Frische Impulse versprechen sich die Kölner auch von den beiden neuen Co-Trainern. Der 66-jährige Armin Reutershahn bringe eine reiche Erfahrung mit, Ex-FC-Profi Lukas Sinkiewicz Temperament und Leidenschaft. „Es macht Spaß, beide ergänzen sich sehr gut“, befand Thielmann. Dass Wagner als vereinsinterner Aufsteiger neue Akzente setzen kann, bezweifelt er nicht: „Sowohl externe als auch interne Menschen können Impulse geben. Wenn man in eine Führungsrolle hineinkommt, hat man eine andere Verantwortung.“
Die sportliche Lage lässt wenig Spielraum für Experimente. Mit 26 Punkten belegt der FC den 15. Tabellenplatz und hat nur zwei Zählern Vorsprung auf den FC St. Pauli auf dem Relegationsplatz. Sieben Spieltage vor Saisonende ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos: Mainz und der HSV liegen auf den Plätzen elf und zwölf mit je 30 Punkten in Reichweite. Die Tabellensituation bewertet Thielmann nüchtern, nicht alarmistisch: „Wir müssen schauen, dass wir schnell ins Punkten kommen. Ich hoffe nicht, dass wir dann noch einen Feuerwehrmann brauchen.“ Taktisch schwebt Thielmann keine Revolution vor, sondern behutsame Justierung: „Man muss natürlich schauen, dass Sachen verändert oder angepasst werden, ohne den großen Schnitt zu machen. Wir wollen uns aber auch von Spiel zu Spiel dem Gegner ein wenig anpassen.“
Thielmann fühlt sich fit und bereit
Auch für sich selbst meldet Thielmann Bereitschaft an: „Durch die lange Länderspielpause bin ich sehr fit und wäre eine Option für die Startelf.“ Den Konkurrenzkampf, den die Rückkehr zahlreicher Nationalspieler mit sich bringt, empfindet er als Ansporn: „Ich bin ein Freund vom Konkurrenzkampf. Es macht unfassbar viel Spaß, wieder mit mehr Jungs auf dem Platz zu stehen.“
Das Spiel in Frankfurt stuft Thielmann als wegweisend ein – auch mit Blick auf die anschließenden direkten Duelle mit Konkurrenten im Tabellenkeller (Bremen, 12. April; St. Pauli, 17. April): „Da können wir noch einmal ein Ausrufezeichen setzen. Wenn wir mit Punkten zurückkehren, würde es uns das Leben in den Sechs-Punkte-Spielen danach deutlich leichter machen.“ Den spielerischen Anspruch ordnet er dem Pragmatismus unter: „Wir brauchen Punkte. Wir müssen nicht schön spielen, müssen keine Preise für die schönsten Tore gewinnen – auch wenn Ragys Tor (Aches Fallrückzieher -Tor beim 2:2 gegen Hoffenheim, d. Red.) sehr geil war. Wir müssen abgeklärter spielen und Siege über die Ziellinie bringen.“
Auch Krauß zurück im Training
Für René Wagner verdichten sich vor seinem Einstand als Cheftrainer die erfreulichen Nachrichten. Am Dienstag stieg Tom Krauß ins Mannschaftstraining ein und komplettiert eine Reihe von Rückkehrern, die dem neuen Coach mehr personelle Optionen bereits für das Spiel in Frankfurt verschaffen. Bereits am Montag waren Alessio Castro-Montes und Joel Schmied in den Kreis der Mannschaft zurückgekehrt, bei einzelnen Übungen jedoch noch geschont worden. Je nach Reaktion auf die gesteigerte Belastung könnte das Trio am Sonntag wieder zur Verfügung stehen – und Wagner bei seinem Debüt nahezu aus dem Vollen schöpfen lassen. Einzig Eric Martel fehlt wegen einer Gelb-Rot-Sperre. Als längerfristige Ausfälle bleiben damit Luca Kilian und Timo Hübers, deren Rückkehr in dieser Saison nicht mehr zu erwarten ist.

