Der Mittelfeldspieler überzeugt bei der U 19 mit seiner unspektakulären Spielweise, die mit wenigen Fehlern auskommt.
NachwuchsfußballKristiyan Irmiev ist beim 1. FC Köln der Schlüsselspieler unter dem Radar

Kristiyan Irmiev (l.) im DM-Viertelfinale gegen den 1. FC Heidenheim.
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Nach zwei beeindruckenden Auftritten vor eigenem Publikum muss sich der 1. FC Köln in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren erstmals auswärts behaupten. Im Halbfinale wartet auf den Titelverteidiger der SC Paderborn 07 (Sonntag, 11 Uhr). Bereits im Endspiel steht die TSG 1899 Hoffenheim, die sich am Freitagabend in ihrem Halbfinale gegen den FSV Mainz 05 mit 2:1 durchsetzte.
Die U19 des 1. FC Köln hat vor ziemlich genau einem Jahr in der BayArena vor mehr als 24.500 Besuchern im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in einem spektakulären Duell Bayer 04 Leverkusen mit 5:4 besiegt. Vom erneuten Einzug ins Finale und einer möglichen Wiederholung des Triumphes ist die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck nur einen Schritt entfernt. Nach den souverän herausgespielten Siegen gegen den FC Bayern München (4:0 im Achtelfinale) und den 1. FC Heidenheim (2:0 im Viertelfinale) trifft der Vorjahresmeister nun auf den SC Paderborn 07, der über die Saison hinweg in Heimspielen einzig Mainz 05 unterlegen war.
Der ehemalige Kölner Noah Ringbeck läuft seit Winter für den SC Paderborn auf
Seit Winter spielt für die Ostwestfalen Noah Ringbeck, den sich sein neuer Klub einiges kosten ließ und dem Vernehmen nach 100.000 Euro an den FC Viktoria Köln überwies. Dem 18-jährigen, hoch aufgeschossenen Angreifer mit enormem Bewegungsradius trauen sie in Paderborn einiges zu – die klare Prognose lautet Profifußball.
Derzeit steht der 1,97 Meter große Ringbeck allerdings klar im Schatten von Lasse Eickel, der in den beiden Vorschlussrunden jeweils zweimal traf und mit einem Profivertrag belohnt wurde. Im Viertelfinale war der 18-Jährige beim 2:1-Sieg gegen den VfL Bochum quasi allein für den Halbfinaleinzug verantwortlich. Ruthenbeck bezeichnet beide Akteure als „Unterschiedsspieler“. Im Achtelfinale hatte sich Paderborn gegen den VfL Wolfsburg mit 5:1 durchgesetzt.
In einem Halbfinale gibt es keine Favoriten, es sind Fifty-Fifty-Spiele. Es entscheidet das Momentum, die Tagesform
Ruthenbeck, der 54-jährige Erfolgstrainer der Kölner U19 geht – ungeachtet der Paderborner Qualitäten – mit seinem Team als Favorit in das Spiel. Dem widerspricht der FC-Coach jedoch vehement: „In einem Halbfinale gibt es keine Favoriten, es sind Fifty-Fifty-Spiele.“ Es entscheide das Momentum, die Tagesform, meint Ruthenbeck.
Für den FC spricht allerdings die Erfahrung, die in Person von Kapitän Jonathan Friemel, Siegtorschütze Luis Stapelmann, Assad Kotya-Fofana, Fynn Schenten, Arian Römers und Kristiyan Irmiev eine geballte Finalexpertise an Bord hat. Aber auch die Gewissheit, dass vor allem Jason Ponente Ramirez, Römers und Jungprofi Schenten (Marktwert: eine Million Euro) in jeder Begegnung immer für ein Tor gut sind – und in Benjamin Ley einen unermüdlichen wie torgefährlichen Antreiber haben.
Zumeist eher unbeobachtet, aber nicht minder bedeutsam bewegt sich Kristiyan Irmiev zwischen den Linien und als erster Stabilisator zwischen den Blöcken. Er ist so etwas wie der „stille Krieger“ – bescheiden, aber kompromisslos in seinem Wirken. Der 19-jährige bulgarische Junioren-Nationalspieler ist unablässiger Abräumer vor der Abwehr, Taktgeber und so etwas wie das Gehirn des Kölner Spiels. Meist wenig spektakulär, aber nahezu fehlerfrei unterwegs.
Nach seiner Ampelkarte im letzten Gruppenspiel gegen den VfB Stuttgart musste Irmiev gegen München pausieren. Ruthenbeck äußerte unmittelbar nach dem Duell sein totales Unverständnis. Die Karte sei „völlig überzogen“ und diene nicht der Weiterentwicklung. „Da verlange ich von dem Unparteiischen einfach mehr Fingerspitzengefühl“, hatte der Fußballlehrer erklärt.
1. FC Köln setzt in Paderborn auf seine bewährte Elf
Gegen das starke Heidenheim war Irmiev in die Stammformation zurückgekehrt. Ein entscheidender Schachzug des Trainers, der seinen Dauerbrenner in die Kommandozentrale beorderte und damit wieder einmal das richtige Händchen bewiesen hatte. Der Bulgare bewegt sich in der öffentlichen Wahrnehmung meist unter dem Radar. „Bei uns ist das keineswegs so. Kristiyan genießt im Klub hohe Wertschätzung. Er ist sehr hoch angesehen, da gibt es keine zwei Meinungen“, versichert Ruthenbeck. Neben seiner geringen Fehlerquote zeichne ihn sein Fleiß und sein taktisches Verständnis aus.
Personell seien im Halbfinale Korrekturen möglich. Der Trend deutet jedoch auf eine unveränderte Formation. Die ersten Alternativen dürften Alessandro Puzzo, Kevin Ekweribe und der genesene Leo Isufi sein.
DFB-Nachwuchsliga: Waldhof Mannheim – FC Viktoria Köln U17 (Samstag, 13 Uhr), Rot-Weiß Oberhausen – FC Viktoria Köln U19 (Sonntag, 11 Uhr).

