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NationalmannschaftHansi Flick könnte die Lösung sein

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Demnächst womöglich wieder in einem Team – Hansi Flick (l.) und Joachim Löw 

Frankfurt – Es dringen zwar keine konkreten Informationen aus dem Deutschen Fußball-Bund ins Land, aber es verdichten sich Spekulationen, dass Joachim Löw trotz des enttäuschenden Abschneidens bei der Weltmeisterschaft seinen Job nicht quittieren wird. Allgemein darf wohl erwartet werden, dass der DFB und der Bundestrainer aus ihrer vielfach misslungenen Kommunikationspolitik vor und während der WM zumindest gelernt haben, die vertraglich ohnehin fixierte Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht bloß als Pressemitteilung zu vermelden. Sondern sich der Öffentlichkeit zu stellen und zu erklären, welche Fehlerkette letztlich aus ihrer Sicht dazu geführt hat, dass Weltmeister Deutschland in drei Spielen nicht mehr WM-Tore erzielte als Panama oder Costa Rica, nämlich zwei; und zudem zu erläutern, an welchen Stellschrauben gedreht werden soll, um die Nationalmannschaft wieder zukunftsfähig aufzustellen.

Löw, so hört man, habe es durchaus positiv registriert, dass das DFB-Präsidium ihm offenbar als eine Art echten Herzenswunsches der meisten Beteiligten Rückendeckung gibt und auf eine weitere Zusammenarbeit geradezu drängt. Eine Telefonkonferenz hat darüber Einigkeit erzielt, auch Manager Oliver Bierhoff stützt den Bundestrainer, hatte aber auch kritischen Gesprächsbedarf, der offenbar bereits in Teilen befriedigt worden ist. Auch die öffentliche und veröffentlichte Meinung hat Löw bestärkt, ursprünglich seriös gehegte Rücktrittsabsichten zu überdenken. Möglich, dass der Überlegungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen ist. Das ist üblich bei Löw, wird in diesen unruhigen Tagen aber von mehr Druck begleitet.

Flick als Klebstoff zwischen allen Parteien

Der DFB erwartet eine  Entscheidung noch in dieser Woche. Löw – beileibe kein Freund der Funktionäre, deren regelmäßige Besuche er auch bei dieser WM keinesfalls goutierte – muss sich dem beugen. Seine Machtfülle ist geschrumpft. 

In der Analyse gibt es interessante Aspekte, etwa jenen, dass der Abschied von Assistent Hansi Flick nach der WM 2014 als Klebstoff zwischen Bundestrainer, Spielern und dem sogenannten „Team hinter dem Team“  eine viel größere Lücke gerissen hat, als alle Beteiligten das bisher  zugeben mochten. Flick wirkte offenbar an vielen kleinen Feuerstellen als Korrektiv. So unsicher der derzeit arbeitslose Ex-Co-Trainer bei öffentlichen Auftritten wirkte, so konkret  und meinungsstark nahm er Einfluss auf interne Abläufe – etwa auch auf eine fließende Kommunikation zwischen Fitnesstrainern und Chefcoach.

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Die Zukunft von Joachim Löw ist offen.

Dass das WM-Aus auch teilweise nachlässigen Trainingssteuerung und daraus resultierenden fehlenden Fitness geschuldet sein dürfte, ist Konsens unter den Athletiktrainern, deren wissenschaftlich fundierte Vorgaben mehrfach aus dem Bauch heraus kassiert wurden. Könnte es also eine Rückkehr von Hansi Flick in den Kreis der Nationalmannschaft geben, womöglich auch, um neben der Rolle als Ratgeber von Löw auch Manager und Elitedirektor Oliver Bierhoff zu entlasten?

Ausgeschlossen erscheint ein solches „Zurück in die Zukunft“ jedenfalls nicht, nachdem Flick weder als DFB-Sportdirektor noch als Geschäftsführer Sport bei 1899 Hoffenheim glücklich wurde.

Unterdessen  steht man auch in der Fußball-Bundesliga nahezu geschlossen an Löws Seite. „Ich bin pro Jogi Löw“, sagte der neue Bayern-Coach Niko Kovac am Montag bei seiner Vorstellung. „Ich bin überzeugt, dass er der Richtige ist, um das wieder aufzubauen. Er wisse selbst, was es heiße, Nationaltrainer zu sein, sagte der frühere Kroatien-Coach  – und auch, was es bedeute, „wenn man nicht erfolgreich ist. Dann hauen alle auf einen Menschen drauf, das ist nicht richtig. An Erfolg und Misserfolg haben alle Anteil, nicht nur einer.“ In der Bundesliga gebe es genug starke Spieler für die Zukunft, ergänzte er.

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Joachim Löw

Auch Julian Nagelsmann sprang Löw ungeachtet des historischen Vorrunden-K.-o.’s zur Seite. „Ich weiß nicht, warum es so eine große Diskussion gibt. Jogi Löw war nicht alleine in Russland, so etwas passiert immer im Team“, sagte der Trainer von 1899 Hoffenheim.

Weltmeister-Coach Löw habe „so viel“ für den deutschen Fußball geleistet, betonte Nagelsmann, „da muss man ihm auch mal zugestehen, dass irgendetwas, was er anpackt, nicht sofort Gold wird und vielleicht mal in die Hose geht – wie jetzt die WM.“ (mit sid)