Spitzenreiter Bayer Leverkusen kann personell aus dem Vollen schöpfen. Xabi Alonso muss Spieler aus dem Kader streichen.
Bayer 04 vor dem Duell in WolfsburgSchick-Comeback sorgt für Härtefälle bei Kaderauswahl

Leverkusens Trainer Xabi Alonso (l) tröstet im März Leverkusens Patrik Schick. Am Samstag könnte der Tscheche sein Comeback geben.
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Xabi Alonso wollte die drängendste Frage vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) einfach nicht beantworten. Steht Patrik Schick endlich wieder im Kader der Werkself, oder nicht? „Wir werden sehen. Die Spieler sollen es zuerst erfahren“, sagte der Coach von Bayer Leverkusen am Freitagmittag und grinste verschmitzt. Erst nach dem Training am Freitagnachmittag wollte Alonso die endgültige Entscheidung treffen. Es würde indes schon sehr verwundern, stünde der tschechische Nationalstürmer nicht im Spieltagskader.
Dass er dabei ist, sei „total realistisch“, erklärte Alonso, schließlich habe Schick in den vergangenen zwei Wochen fast komplett mittrainiert. Die Rückkehr in den Kader wäre das Ende einer sehr langen Leidenszeit für den Stürmer, der sich in der Bundesliga-Torjägerliste 2021/22 mit 24 Treffern nur Robert Lewandowski (35) geschlagen geben musste.
Die Folgesaison bestand dann hingegen aus einer Verletzungsodyssee mit Irrungen und Wirrungen. Vor etwa genau einem Jahr spürte Schick bei einem Torschuss im Training einen Schmerz in seiner Leistengegend. „Ich wusste direkt, irgendwas ist passiert“, erzählte er im Juli, als er auf Krücken im Trainingslager in Österreich dabei war. Auf den MRT-Bildern war aber nichts Eindeutiges zu erkennen gewesen. Plan A war die konservative Behandlung, was auch Schick zu dieser Zeit befürwortete.
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Startelf kommt für Patrik Schick zu früh
Doch auch im Februar und März sei es nicht wirklich besser gewesen, obwohl er wieder ins Training eingestiegen war und sechs Kurzeinsätze hatte. Im Juni wurde dann Plan B, eine Operation, schließlich unausweichlich. Jetzt steht das Comeback kurz bevor. Ein Startelfeinsatz komme aber natürlich noch zu früh. „Ob er dann 15 Minuten spielt oder vielleicht 20, werden wir sehen. Das Wichtigste ist, dass man sehen kann, dass er glücklich ist mit der Situation. Er ist wieder auf dem Platz und wir sehen seine Qualität in jedem Training. Wir brauchen seine Tore, seine Qualität und seine Persönlichkeit“, sagt der Trainer.
Für Alonso bedeutet die Schick-Rückkehr auf der einen Seite eine Option mehr im Sturmzentrum, andererseits muss für den schlaksigen Torjäger ein anderer Spieler aus dem 20er-Spieltagskader weichen. Was die Sache erschwert: Die anderen Offensivoptionen auf der Bank hatten zuletzt mächtig Eigenwerbung betrieben – sei es in der Startelf in der Europa League bei Molde FK (2:1) oder als Einwechselspieler beim 3:0 gegen den 1. FC Köln vor der Länderspielpause. „Es sind harte Entscheidungen, aber es ist besser, wenn es so ist. Wenn es für einen Trainer einfach ist, ist es nicht gut“, betont Alonso mit Blick auf die Härtefälle im Kader, zu denen dann vor allem Nathan Tella, Amine Adli oder Adam Hlozek gehören. „Nathan, Amine und Adam haben uns gegen Köln eine neue Energie gegeben. Es ist ein großes Ziel von uns, das hohe Tempo über 90 Minuten zu halten.“
Eine andere Möglichkeit ist, Nadiem Amiri und Noah Mbamba oder Gustavo Puerta auf die Tribüne zu setzen. Dann hätte Alonso aber eine Möglichkeit für das Mittelfeld weniger auf der Bank. Die anderen Spieler, die zuletzt etwas hinten dran waren, sind Piero Hincapie, Josip Stanisic und Robert Andrich. Schwer vorstellbar, dass Alonso auf einen dieser Akteure verzichten wird. Noch enger wird es bei der Auswahl, wenn bald auch wieder das brasilianische Außenverteidiger-Talent Arthur (Sehnenverletzung im Oberschenkel) fit ist.
Die Herausforderung für den Spitzenreiter beim Auswärtsspiel in Niedersachsen am Samstag wird aber nicht nur die Spielerauswahl sein, sondern auch, wie die Akteure die teils kräftezehrenden Länderspielreisen nach Südamerika oder Afrika verkraftet haben.
Nur beim FC Bayern mit Punktverlust
Alonso bleibt in dieser Hinsicht aber optimistisch: „Nach der Länderspiel-Pause im September haben wir in München gespielt, und da hatten wir vorher auch nur einen Tag zusammen. Es gibt keine Ausreden für morgen.“ Beim FC Bayern gab es den bisher einzigen Punktverlust in dieser Spielzeit mit einem 2:2. Die restlichen neun Pflichtspiele hat die Werkself allesamt gewonnen.
Vor Wolfsburg hat Alonso allerdings großen Respekt. „Das wird eine echte Herausforderung“, sagt er. „Alle Mannschaften von Niko Kovac, der ein Super-Trainer ist, sind stark, gut mit dem Ball, spielen intensiv. Sie haben gute neue Spieler mit Qualität geholt.“
Ein Spieler auf Leverkusener Seite, der dafür sorgen soll, dass die tolle Serie nicht reißt, ist Florian Wirtz, der unter Julian Nagelsmann zweimal in der DFB-Startelf stand. „Für Flo ist es wichtig, dass er sich auf höchstem Niveau bewegt. Wir wollen ihm helfen, diese Rolle auch in der Nationalmannschaft beizubehalten. Ich freue mich sehr, dass Julian diese Entscheidung so getroffen hat“, betont Alonso, der immer in Etappen bis zur nächsten Länderspielpause denkt. Die nächste Unterbrechung ist Mitte November. Alonso: „Es sind bis dahin sieben Spiele in Liga, Pokal und Europa League. Wir erwarten eine sehr intensive Phase.“



