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„Wir werden wärmer“Bayers Andrich spricht über Verhältnis zu Martínez

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UEFA Europa League: Bayer 04 Leverkusen - NK Celje 16.09.2026 Robert Andrich Bayer 04 Leverkusen, 8 UEFA Europa League 1. Spieltag: Bayer 04 Leverkusen - NK Celje BayArena, Leverkusen 16.09.2026 *** UEFA Europa League: Bayer 04 Leverkusen vs. NK Celje, September 16, 2026 Robert Andrich Bayer 04 Leverkusen, Matchday 1 of the UEFA Europa League: Bayer 04 Leverkusen vs. NK Celje at BayArena, Leverkusen, September 16, 2026 Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/Buriakovx

Leverkusens Robert Andrich im Spiel gegen NK Celje.

Rober Andrich sollte Bayer Leverkusen im Sommer verlassen, beim 2:0 gegen Celje stand er wieder in der Startelf. Der 31-Jährige will sich durchsetzen.

Jürgen Klopp hat am Donnerstag seinen ersten Kader als Bundestrainer bekannt gegeben. 44 Spieler gehören zu seinem Aufgebot, verteilt auf zwei Kader. Robert Andrich ist nicht dabei. Der 31-Jährige war bei der Heim-EM 2024 noch Stammspieler. Inzwischen liegt eine Rückkehr in die Nationalmannschaft in weiter Ferne.

Am Mittwochabend stand Andrich in der Bay-Arena immerhin wieder dort, wo er sich am liebsten sieht: auf dem Platz, von Beginn an. Nach dem zähen 2:0 gegen den slowenischen Meister NK Celje zum Auftakt der Europa League steht vor allem eine Frage im Raum: Welche Rolle kann Robert Andrich in Leverkusen noch spielen?

Die Antwort fällt vorerst vorsichtig aus. Andrich absolvierte gegen Celje seinen ersten Startelfeinsatz dieser Saison und spielte 90 Minuten. Es war kein makelloses Comeback. In der zweiten Halbzeit unterlief ihm ein Fehler im Aufbau, der den Gästen eine gute Möglichkeit eröffnete. Man merkte ihm die fehlende Spielpraxis an. „Es war schön. Ich habe mich darauf gefreut“, sagte er nach dem Spiel. „Natürlich arbeitet man immer darauf hin, wieder von Anfang an spielen zu dürfen, und versucht, sich im Training dafür reinzuhauen.“ Ein paar Körner hätten ihm noch gefehlt, räumte Andrich ein. Zugleich habe man einige Dinge gesehen, „die mich ganz gut auszeichnen“.

Palacios-Abgang änderte Situation

Das ist der Kern seiner gegenwärtigen Lage. Andrich muss sich nicht neu erfinden, wohl aber neu positionieren. Im vergangenen Sommer hatte Bayer 04 ihm mitgeteilt, dass seine Chancen auf regelmäßige Einsätze unter dem neuen Trainer Carles Martínez gering seien. Martínez will mit einer Viererkette arbeiten, Andrich hatte in der vergangenen Saison meist im Zentrum einer Dreierabwehr gespielt. Auf der Sechs konkurrierte Andrich mit Exequiel Palacios, Aleix García, Equi Fernández und dem Talent Kennet Eichhorn. Der Klub legte ihm einen Wechsel nahe. Andrich und sein Berater sondierten den Markt. Zudem verlor Andrich die Kapitänsbinde. Edmond Tapsoba folgte auf Andrich, Patrik Schick wurde sein Stellvertreter.

Es kam anders als zunächst erwartet: Ein passendes Angebot blieb aus, Exequiel Palacios wechselte nach England, und Andrich blieb in Leverkusen. Aus dem Spieler, dem man einen Abschied nahegelegt hatte, wurde nicht wieder automatisch eine Stammkraft. Andrich ist nun ein Profi, den Bayer 04 braucht – nur nicht mehr unter den alten Bedingungen. „Wenn der Verein einem nahelegt zu wechseln, dann schaut man sich natürlich intensiv um. Das ist ja ganz klar“, sagte Andrich nach dem Celje-Spiel. Aber: „Ich bin ja hier.“ Der Satz beschreibt den pragmatischen Umgang eines Spielers, der die Regeln des Geschäfts kennt.

Andrich kam 2021 von Union Berlin nach Leverkusen, wurde Meister und Pokalsieger, Führungs- und Nationalspieler. Sein Vertrag läuft bis 2028. Nach dem Double und der EM 2024 verlief Andrichs Karriere nicht mehr geradlinig. Andrich selbst bewertete vor allem die vergangene Saison im Sommer kritisch. Er habe zu viele schwächere Spiele gezeigt, sagte er, und müsse zu jener Konstanz zurückfinden, die ihn früher ausgezeichnet habe. Seine Einsätze in der letzten Linie halfen ihm dabei nicht. Wenn eine Mannschaft unkompakt verteidige, sehe ein Innenverteidiger oft schlechter aus, als er tatsächlich spiele, erklärte Andrich. Im Mittelfeld fühle er sich wohler, weil er dort mehr eingreifen, Räume zulaufen und in Zweikämpfe kommen könne.

Nun bekommt er diese Möglichkeit wieder. Geschenkt wird sie ihm nicht. „Ich nehme es sportlich, weil mir im Grunde genommen nichts anderes übrig bleibt“, sagte Andrich. „Ich muss im Training zeigen, dass ich rein will.“ „In den letzten zwei, drei Wochen, seit der Transfermarkt zu ist, habe ich, denke ich, sehr, sehr viel Gutes gemacht.“ Das ist die Sprache eines Spielers, der seinen Status verloren hat, aber nicht seinen Anspruch. Simon Rolfes bestätigte nach dem Spiel, dass die Personalentscheidung im Sommer Andrichs Perspektive nicht abschließend bestimmt. Es habe Gespräche mit ihm gegeben, sagte der Sport-Geschäftsführer. „Er hat alle Möglichkeiten, sich auch in die Mannschaft zu kämpfen, zu spielen, und er hat eine wichtige Rolle für die Mannschaft – und die wird er auch mit Sicherheit die Saison spielen.“ Rolfes lobte Andrichs Auftritt gegen Celje. Wie bei den anderen Spielern, die erstmals seit längerer Zeit wieder länger zum Einsatz kamen, sei bei ihm aber auch die fehlende Spielpraxis in der Intensität zu erkennen gewesen.

Martínez sagte: „Robert hat zuvor nicht viel gespielt, deshalb war es wichtig, dass er spielen konnte.“ Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler scheint sich zu entspannen. Andrich sagte: „Wir werden wärmer.“ Leicht ironisch fügte er hinzu, dass seine „Berliner Schnauze“ nicht ganz einfach sei. Rolfes beschrieb die Gespräche mit Andrich als gut. Das klingt nicht nach großer Versöhnung, eher nach professioneller Normalität. Im Fußball ist das oft die belastbarere Form des Friedens.

Für Andrich bedeutet das: Der Sommer ist nicht vergessen, die Sache ist aber vorerst besprochen. Seine Rückkehr in die Startelf gegen Celje war kein Beweis, dass er wieder gesetzt ist. Sie zeigte, dass Bayer 04 seine Fähigkeiten gebrauchen kann – gerade in einer Mannschaft, die gegen den Ball noch zu häufig passiv wird und in entscheidenden Phasen die Kontrolle verliert. Andrich hat sich in Leverkusen zurückgemeldet. Ob daraus eine tragende Rolle wird, entscheidet sich nicht an einem Abend gegen Celje, sondern in den vielen Spielen, in denen Bayer jene Härte, Klarheit und Verlässlichkeit braucht, die der Klub im Sommer offenbar nicht mehr uneingeschränkt in ihm sah.