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„Jeder soll im Herzen Kapitän sein“Tapsoba will mit Bayer 04 viele Trophäen in die Luft stemmen

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WIESBADEN, GERMANY - AUGUST 22: Edmond Tapsoba Bayer 04 Leverkusen, 12 is challenged by Moritz Flotho SV Wehen Wiesbaden, 28 during the first-round match between SV Wehen Wiesbaden vs. Bayer 04 Leverkusen at Brita Arena of the German Cup on August 22, 2026 in Wiesbaden, Germany. DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. Hessen Germany Copyright: xStephanxHahnex

Edmond Tapsoba in seinem ersten Spiel als offizieller Kapitän von Bayer 04 Leverkusen im DFB-Pokal bei SV Wehen Wiesbaden.

Edmond Tapsoba spricht über seine neue Kapitänsrolle bei Bayer 04 Leverkusen und seine Ziele. Ernest Poku vor Wechsel in die Türkei.

Es sei schon einmal eine gute Übung gewesen, sagt Edmond Tapsoba lachend und deutet mit dem rechten Zeigefinger auf seinen linken Bizeps. In der vergangenen Woche gewann Bayer 04 den so getauften „Visit Malta Cup“ nach dem 2:1-Sieg im Testspiel bei Newcastle United. Eine der Werbeausgeburten des kommerzialisierten Fußballs. „Wir wussten zunächst gar nicht, dass es eine Trophäe gab. Am Ende haben wir die erste gewonnen. Das hat uns angespornt, noch mehr gewinnen zu wollen. Also machen wir weiter“, betont Tapsoba, der die Silbertrophäe im St James“ Park in die Luft reckte.

Die Mannschaft feierte mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Zu diesem Zeitpunkt war der 27-Jährige noch Interimskapitän, in der Woche darauf machte ihn der neue Trainer Carles Martínez zum offiziellen Spielführer der Werkself. Der 4:0-Erfolg beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden im DFB-Pokal war sein erstes Pflichtspiel als Kapitän der Leverkusener.

„Für mich ist es zunächst ein Vergnügen, aber auch eine sehr, sehr große Aufgabe und Motivation. Es bedeutet mir viel, zu wissen, dass der Klub an mich glaubt und mich hier langfristig sieht“, sagt Tapsoba, der immer noch einen engen Draht zu seinem früheren Leverkusener Meisterkameraden und heutigen Münchner Jonathan Tah pflegt. Tah gratulierte ihm genauso wie seine Mutter aus Burkina Faso. Der 1,94 Meter große Tapsoba strahlt nach dem Training am Dienstag und sagt fast staatstragend: „Kapitän dieser fantastischen Mannschaft zu sein, ist etwas Unglaubliches für mich. Ich hoffe, dass ich uns an die Spitze führen kann.“

Schwer wiegt das Amt

Dass das Amt aber auch schwer wiegen kann, zeigte die jüngere Vergangenheit bei Bayer 04. Sein Vorgänger Robert Andrich, der den Verein verlassen darf, hatte in der vergangenen Saison nach seiner Ernennung zum Spielführer der Werkself Probleme mit der neuen Verantwortung: „Ich wollte anfangs als Kapitän irgendwie alles in die Hand nehmen. Meine Leistung hat darunter gelitten“, sagte er und führte mit Blick auf seine beiden Roten Karten gegen Frankfurt und Paris in der Frühphase der Spielzeit aus: „Wahrscheinlich werden solche Sachen wie die Platzverweise etwas anders bewertet, wenn man die Binde trägt. Vielleicht wirkt es nach außen so, dass es mir zu viel sein könnte.“ Mit ähnlichen Worten zur Bürde des Kapitänsamtes hatte sich Lukas Hradecky nach seiner Ernennung 2022 geäußert.

Tapsoba macht sich über diese Eventualitäten keine Gedanken. „Ich werde einfach meine Arbeit weitermachen. Ich will weiter das tun, was ich bisher gut gemacht habe. Natürlich werde ich mich noch stärker auf die Mannschaft konzentrieren, aber auch auf mich selbst“, betont er. Auf die Unterstützung der erfahrenen Spieler, die ebenfalls Verantwortung übernehmen wollen, könne er zählen. „Wir werden die Rollen und die Verantwortung teilen, damit alle Freude daran haben. Unsere Mannschaft ist fantastisch. Wir helfen einander. Und wenn jemand vom Weg abkommt, bringen wir ihn zurück auf den richtigen Weg.“

Patrik Schick ist sein Co-Kapitän. Mark Flekken, Aleix García und der noch junge Ibrahim Maza gelten als Führungsspieler auf und neben dem Platz. „Am Ende zählt das Team – nicht der Kapitän. Jeder sollte in seinem Herzen ein Kapitän sein. Jeder weiß, was er zu tun hat: den jungen Spielern zu helfen und die neuen Spieler willkommen zu heißen“, betont Tapsoba, der im Januar 2020 nach Leverkusen kam und nach Niklas Lomb und Exequiel Palacios der dienstälteste Spieler im Kader ist.

Überraschende Verlängerung bis 2031

Dabei war im Frühjahr keineswegs klar, ob Tapsoba überhaupt über den Sommer hinaus in Leverkusen bleiben würde. Die Verlockungen der Premier League waren groß, zugleich gab es Gerüchte über einen Transfer. Ein Wechsel galt als relativ wahrscheinlich. Doch „Eddie“ – wie er im gesamten Klub gerufen wird – überraschte alle und verlängerte seinen Vertrag bis 2031. „Die Entscheidung kam aus meinem Kopf und aus meinem Herzen. Dieser Klub ist für mich wie eine Familie. Als sie auf mich zukamen und sagten, dass sie meinen Vertrag verlängern wollten, hatte ich keinen Zweifel“, sagt er rückblickend. „Für mich war klar, dass ich den nächsten Schritt machen möchte. Dieser nächste Schritt besteht darin, den Spielern, die bereits hier sind und bleiben, etwas zurückzugeben.“

An ein Karriereende bei Bayer 04 will er jedoch noch keinen Gedanken verschwenden und bei den Fans keine falschen Hoffnungen schüren. Man dürfe niemals nie sagen. „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt – vielleicht in naher Zukunft, vielleicht in ferner Zukunft“, betont er. Sein Ziel ist jedenfalls zunächst, noch mehr und deutlich wert- und sinnvollere Trophäen für Bayer 04 in den Himmel zu recken. Der Bizeps ist bereit dafür.

Ernest Poku reiste am Dienstag zu medizinischen Untersuchungen nach Istanbul. Der 22-jährige Flügelspieler steht vor einem Wechsel zu Besiktas. Eine Leihe mit Kaufpflicht für rund 25 Millionen Euro ist verhandelt. Eliesse Ben Seghir absolvierte nach fünfwöchiger Verletzungspause wieder Teile des Teamtrainings. Robert Andrich machte komplett mit. Es fehlten neben Poku die verletzten Martin Terrier, Kennet Eichhorn und Montrell Culbreath.