Nach dem 1:3 beim direkten Konkurrenten VfB Stuttgart hat Leverkusens Kapitän Klartext gesprochen und Missstände in der Mannschaft aufgezeigt.
„Zu wenig Leute, die zusammen einstehen“Schonungslose Abrechnung von Robert Andrich mit Bayer 04

Robert Andrich (Bayer Leverkusen) reagiert nach dem Spiel unzufrieden. Das Spiel endete 3:1.
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Bayer 04 Leverkusen hat nach dem pomadigen Auftritt beim 1:3 beim VfB Stuttgart nur noch minimale Chancen auf die Champions League. Kapitän Robert Andrich äußerte sich nach der Partie in Stuttgart bemerkenswert klar zu den Problemen der Werkself in diesem Spiel - und der gesamten Saison. Andrich über...
...die Niederlage beim direkten Konkurrenten: „Wenn ich ehrlich bin, sind wir einfach über 90 Minuten einfach nicht ansatzweise an eine Leistung gekommen, dass du Stuttgart hier besiegen kannst. Wir können uns bei Mark (Flekken, Anm. d. Red.) noch bedanken, dass er drei, vier gut gehalten hat. Heute ist es brutal enttäuschend, auch weil man gemerkt hat, dass die anderen besser waren. Das ist traurig, aber wenn man sich das wirklich ehrlich eingesteht, kann man damit besser umgehen, als wenn man sagt, wir hätten doch hier eigentlich gewinnen können. Heute wurde uns einfach klar aufgezeigt, dass Stuttgart einfach besser war und warum sie besser waren.“
...Rückschlüsse auf die Saison: „Ich finde es ist einfach ein Sinnbild für die ganze Saison. Und ich finde es ist das Schlechteste, was wir jetzt machen können, wenn wir sagen: Wir hätten hier gewinnen können. Wenn du ehrlich bist: Diese ganze Saison, unabhängig davon, dass 58 Punkte trotzdem eine gute Punktzahl sind – wenn wir wirklich ganz ehrlich mit uns sind, reicht es dann einfach nicht für die Champions League dieses Jahr. Das ist ein Aspekt, den wir uns eingestehen müssen, den wir uns alle im Verein eingestehen müssen, dass wir einfach für gewisse Sachen einfach nicht gut genug waren. Und heute war wieder so ein Spiel. Das ist meiner Meinung nach ein Sinnbild für die ganze Saison.“
...Zweikämpfe und Einstellung: „Leipzig war alles toll, der Ball läuft, wir haben Räume, wir können uns alle durchspielen. Aber heute, wo es drauf ankam – wir haben es zumindest gut gemacht, dass wir das Pressing schnell überspielt haben. Aber wenn du es dann überspielt hast, dann brauchst du halt auch Aggressivität gegen den Ball. Und die haben wir heute – ich müsste die Statistik mal sehen, aber ich würde jetzt mal sagen: 70 Prozent der zweiten Bälle sind bei Stuttgart gelandet. Und daraus sind die ganzen Chancen resultiert.“
...Einstellung zum Spiel: „Ich glaube, wir haben viele Charaktere, die ziemlich viel mit sich selbst ausmachen, und ich glaube, gerade in diesen schwierigen Situationen – vor allem wenn du jetzt hier nach der Halbzeit ein Gegentor kriegst, dass zurückgenommen wird – da haben wir zu wenig Leute, die dann zusammen einstehen. Das hört sich jetzt auch wieder schlimm an. Ich bin jetzt wahrscheinlich auch nach dem Spiel ein bisschen zu negativ, weil ich enttäuscht bin, dass wir das Spiel verloren haben.“
...seine eigene Leistung: „Es soll jetzt auch nicht heißen, dass ich ein Topspiel gemacht habe. Ich habe gehört: Demirovic hat neun Abschlüsse – das ist auch definitiv zu viel. So ehrlich bin ich mit mir selber auch. Das 3:1: Es ist eine Sache, die klar geregelt ist. Ich bin in dem Moment der freie Mann. Jarell (Quansah, Anm. d. Red.) müsste Manndeckung machen. Wir stehen beide so halb halb. Ich sehe Scheiße aus, er sieht Scheiße aus. Und ja, die Flanke ist am Ende gut. Das ist jetzt die nackte Wahrheit. Aber grundsätzlich ist eine Boxverteidigung klar geregelt bei uns und in dem Fall haben wir es dann nicht gut gemacht. Egal, ob der vorher noch abgefälscht war.“
...die kleine Chance auf die Champions League: „Ich hake nie was ab, aber ich bin ein Typ, der ehrlich die Leistungen einzuordnen versucht. Dass wir jetzt sagen: Wir hätten das Spiel gewinnen können - meiner Meinung nach Bullshit – aber ja, deswegen ist die Enttäuschung riesig, aber trotzdem müssen die anderen zwei Mannschaften (Hoffenheim und Stuttgart, Anm. d Red.) auch noch ihr Spiel spielen und von daher: Hoffnung habe ich trotzdem immer noch.“
...Aussicht auf die kommende Saison: „Ich bin da der falsche Ansprechpartner. Also ich als Spieler werde mir nicht anmaßen, über einen Kader zu sprechen, weil das steht mir nicht zu. Da geht es um den Trainer, da geht es um Simon (Rolfes, Anm. d. Red.), da gibt es um Fernando (Carro, Anm. d. Red.). Die haben das zu entscheiden. Ich glaube schon, dass Simon und alle die Saison schon nüchtern und ehrlich analysieren und dann werden wir schauen, in welche Richtung es geht. Ich glaube schon, dass wir Veränderungen reinkriegen müssen, um da wieder hinzukommen, wo wir hinwollen.“


