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LeverkusenBosz spielt in der Berliner Ödnis um seine nahe Zukunft bei Bayer 04

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Bosz Berlin

Peter Bosz steht unter Druck

Das leere Berliner Olympiastadion ist kein Ort, an den die Leute von Bayer 04 Leverkusen gern zurückdenken. Dort haben sie im vergangenen Sommer innerhalb weniger Wochen zwei Saisonziele verspielt. Am 20. Juni den Einzug in die Champions League durch eine 0:2-Niederlage bei Hertha BSC. Am 4. Juli gegen den FC Bayern München den Sieg im DFB-Pokal durch eine 2:4-Niederlage. Genau an diesem Ort, der ganz ohne Zuschauer eine spektakuläre Tristesse vermittelt, muss der Werksklub gut acht Monate später den Totalschaden in der Folgesaison verhindern.

Nach der 1:2-Niederlage gegen Arminia Bielefeld hat Rudi Völler ungewohnt deutliche Worte gefunden und dem Trainer sogar taktische Ratschläge für das Spiel bei Hertha BSC (Sonntag, 15.30 Uhr) gegeben. Die Doppelspitze der Mittelstürmer Schick und Alario, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung, habe nicht sehr gut funktioniert. Und ohne Florian Wirtz fehle der Mannschaft die Unbekümmertheit, die sie für ihren Ballbesitzfußball braucht.

Rolfes: "Unser Anspruch ist der Europapokal"

Das Saisonziel Champions-League-Einzug hat durch die katastrophale Leistung gegen den Abstiegskandidaten aus Ostwestfalen einen schweren Schlag erlitten. In den letzten neun Spielen aus dem Trio Dortmund-Frankfurt-Wolfsburg noch mindestens zwei Klubs zu überholen, erscheint in der momentanen Verfassung kaum möglich. Deshalb beharrt Bayer 04 auf das Minimalziel. „Mit einem Kader wie diesem muss es der klare Anspruch sein, uns wieder für den Europapokal zu qualifizieren. Eine andere Denkweise kommt für uns nicht infrage“, sagt Sportdirektor Simon Rolfes dieser Zeitung.

Allerdings trifft Bayer 04 auf einen Gegner, der seine eigentliche Ziele längst verloren hat und nun verzweifelt um sein eigenes Überleben in der Erstklassigkeit kämpft. Nirgendwo ist der Unterschied zwischen Anspruch und Realität größer als bei Hertha BSC, wo die Millionen des Investors Lars Windhorst einen Zusammenbruch statt eines Aufbruchs bewirkt haben.

In der Vorstellung der Macher, die nach dem gescheiterten Experiment mit Jürgen Klinsmann und dem Aus von Trainer Bruno Labbadia auch den langjährigen Manager Michael Preetz rausgeschmissen haben, müsste Hertha mindestens da stehen, wo Bayer 04 jetzt steht: auf Platz sechs, mit Fantasie nach oben. Tatsächlich ist der Big-City-Club auf den Relegationsplatz 16 gerutscht. Pal Dardai, der seit seiner Rückkehr auf die Trainerbank nur eine von sieben Partien gewonnen hat, erklärt: „Jetzt kommen die Spiele, die man gewinnen muss.“ Besonders das gegen Leverkusen: „Das ist ein Heimspiel. Das musst du gewinnen.“

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Hoffnung macht die Rückkehr von Matheus Cunha nach überstandener Oberschenkelverletzung. In Leverkusen spielt diese Rolle der 17-jährige Florian Wirtz, dessen Covid-Erkrankung endgültig überwunden scheint, sodass dem Kurz-Einsatz gegen Bielefeld die Nominierung gegen Berlin von Beginn an folgen kann. Wenn schon Routiniers wie die Bender-Zwillinge ausfallen – Abwehrchef Sven kann allenfalls auf der Bank Platz nehmen – müssen es andere richten. Und dass der Jüngste dabei unverzichtbar geworden ist, mutet wie ein Armutszeugnis für die anderen Mittelfeldspieler an. Vor allem Rekord-Transfer Kerem Demirbay, der 2019 für 32 Millionen Euro aus Hoffenheim kam, hat es nie geschafft, dauerhaft als Führungsfigur aufzutreten. Dass Spieler wie er Niederlagen gegen Außenseiter einfach über sich ergehen lassen, irritiert extrem. Wenn Bosz in Leverkusen scheitern sollte, wäre er auch an ihnen gescheitert. Aber so weit ist es noch nicht. Ein Sieg in Berlin gäbe allen Zeit und Luft, eine Niederlage würde es allen nehmen.