Leverkusen – Man kann nicht behaupten, dass es die Fußball-Bundesliga Gerardo Seoane mit der Eingewöhnung schwer machen würde. In seinem ersten Spiel bei Union Berlin (1:1) traf der Schweizer mit Bayer 04 Leverkusen auf seinen erfahrenen Landsmann und früheren Züricher Meistertrainer Urs Fischer. In Spiel zwei am Samstagabend gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr/Sky) trifft er auf den Kollegen Adi Hütter, der bei Young Boys Bern sein Vorgänger war und 2018 mit einer Meisterschaft die Basis legte für die drei Meisterschaften, die Seoane nach ihm holte.
Der Kontakt zwischen den beiden Fußball-Lehrern ist nie abgerissen. „Adi hat einen fantastischen Job in Bern gemacht, das gleiche auch in Frankfurt. Sein Werdegang sagt aus, was für ein exzellenter Fachmann er ist“, sagt Seoane (42). Hütter schaffe es, „immer wieder Mannschaften auf Topniveau zu bringen“ Hin und wieder, verrät Seoane, gab es „einen Glückwunsch oder eine SMS“ zwischen beiden.
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Der Österreicher Hütter reicht die Komplimente gewissermaßen an Seoane zurück: „Er hat meine Arbeit in Bern sehr erfolgreich fortgeführt und einmal sogar das Double geholt. Damit hat er es sich auch verdient, in der Bundesliga zu arbeiten.“ Vor der Partie wird der Kontakt jedoch ruhen, denn es treffen hier zwei harte Konkurrenten der Bundesliga aufeinander. Mit ähnlichen Mitteln, identischen Zielen und demselben Ehrgeiz. Weil er das weiß und seinen Kollegen Hütter kennt, erwartet Seoane „viel mehr Gegenwehr und viel mehr Schwierigkeiten“ als beim ordentlichen 1:1 in Berlin. Wie sie Gegner wehtun können haben die Gladbacher im Auftaktspiel gegen den FC Bayern gezeigt, als der Rekordmeister trotz zeitweiliger spielerischer Überlegenheit mehrmals am Rande einer Niederlage war. Kompaktes Umschaltspiel mit blitzschnellen Pässen in die Spitze ist die Formel, mit der Hütter Erfolg hat.
Bei seinem eigenen Team haben Seoane in Berlin die Lösungen im letzten Drittel gefehlt. Der Leverkusener Trainer will das nach dem Verkauf von Leon Bailey (für 32 Millionen Euro zu Aston Villa) nicht an mangelnder Sturm-Besetzung festmachen, verweist aber schon auf den Substanzverlust. „Wir wissen, dass wir in der Offensive Scorerpunkte verloren haben“, sagt Seoane, der einerseits auf die Entwicklung eines Spielers wie Paulinho, andererseits auf weitere Bewegung auf dem Transfermarkt hofft. „Die Offensive ist der Bereich, in dem wir den Markt sondieren“, verrät der Schweizer. Da die Ziele hoch bleiben und das Transferkonto stand jetzt ausgeglichen ist für das laufende Jahr wäre angesichts des hohen Überschusses aus der Vorsaison (mehr als 40 Millionen Euro) noch einiges möglich.
Erst einmal freut sich Seoane jedoch über die Verpflichtungen von Robert Andrich (kam für 6,5 Millionen Euro von Union Berlin) und Piero Hincapie (knapp sieben Millionen Euro/Talleres), die für Alternativen im Mittelfeld und der Abwehr sorgen. „Möglicherweise sind beide schon im Kader gegen Mönchengladbach“, erklärt der Trainer, der auch auf den Einsatz von Florian Wirtz und Jeremy Frimpong hofft. Beide haben nach dem Abklingen ihrer Leistenbeschwerden zuletzt mittrainiert.
Darüber, wie viele Minuten sie gegen Mönchengladbach spielen, wird auch die Einschätzung der medizinischen Abteilung entscheiden. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger Hannes Wolf, den in Leverkusen nie ein Fan als Bayer-04-Trainer bei einem Spiel direkt zu Gesicht bekommen hat, wird Gerardo Seoane am Samstagabend mit den eigenen Fans zusammentreffen. Die 15 105 Plätze werden wie vorgesehen an geimpfte Dauerkartenbesitzer und 1000 getestete Kinder und Jugendliche vergeben. Tageskassen werden nicht mehr öffnen.