Nach drei Siegen in Folge hat Bayer 04 Leverkusen vor der langen Winterpause die Abstiegssorgen hinter sich gelassen, der Europapokal ist sogar in Sichtweite. Simon Rolfes ist erleichtert - und äußert Bedauern für Moussa Diaby.
Drei Siege in FolgeWie sich Bayer 04 zum Jahres-Abschluss die Wende erkämpfte

Moussa Diaby leitete den 2:0-Sieg gegen Stuttgart mit einem herausragenden Solo ein.
Copyright: Jörg Schüler/Bayer 04 Leverkusen
Nach einer ausgiebigen Ehrenrunde durch die Bay-Arena blieb den Leverkusener Profis am Samstagabend nicht mehr viel Zeit, um ihre perfekte englische Woche mit neun Punkten aus drei Spielen zu feiern. Denn direkt im Anschluss an das 2:0 gegen den VfB Stuttgart, dem souveränsten Auftritt der bisherigen Saison, reisten Geschäftsführung, sportliche Leitung, Trainerteam und 17 Profis nach Frankfurt. Von dort aus ging es am Sonntag zur fünftägigen US-Tour nach St. Louis. Auf ihrem Transatlantikflug hatten Spieler und Verantwortliche dann genug Zeit, um das Vergangene zu reflektieren.
Die Werkself ist nach dem völlig verkorksten Saisonstart samt Aus in DFB-Pokal und Champions League sowie dem Trainerwechsel dank der vergangenen Woche dem Totalschaden knapp entkommen. Der Abstiegskampf sollte nach den drei Siegen keine Rolle mehr spielen, Bayer 04 überwintert sogar in Schlagdistanz zum unteren internationalen Geschäft: Conference-League-Platz sieben ist nur fünf Punkte entfernt.
„Das Teilziel war, bis zur WM-Pause ins Mittelfeld der Tabelle zu kommen. Das haben wir geschafft“, sagte Simon Rolfes. „Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns, wir wollen weiter nach oben.“ Auf die Nachfrage „wie weit?“ entgegnete Leverkusens Sport-Geschäftsführer: „Das werden wir dann sehen. Erst einmal Schritt für Schritt.“
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Das 2:0 gegen Stuttgart am Samstag war ein wichtiger Sieg, der raus aus der Krise führen kann: Bayer 04 ist unter Xabi Alonso die Kehrtwende geglückt. Beim 5:0 gegen Union und beim 2:1 gegen den 1. FC Köln hatte Leverkusen jeweils nach fürchterlicher erster Halbzeit dank Glück und Effizienz noch Siege errungen. Gegen die Schwaben bot Bayer 04 hingegen vom Anpfiff weg einen vor allem defensiv konzentrierten Auftritt. „Es war wichtig, dass wir defensiv diszipliniert standen und auch Standards gut verteidigt haben. Beim Thema Stabilität haben wir als Mannschaft enorme Fortschritte gemacht. Darauf können wir aufbauen“, lobte Rolfes.
Ein Geniestreich von Moussa Diaby
Ein Geniestreich von Moussa Diaby führte nach einer halben Stunde zur verdienten Leverkusener Führung. Der Außenstürmer hatte an der Mittellinie Tempo aufgenommen und gleich vier Stuttgarter Verteidiger wie Hobbyfußballer aussehen lassen – dass sich zwei VfB-Profis aufgrund von Diabys Geschwindigkeit noch gegenseitig umgrätschten, erhöht den Wiedererkennungswert des Dribblings. Beim Abschluss von der Strafraumkante war etwas Glück dabei: Der Ball wurde doppelt abgefälscht und landete mittig im Tor. „Er hat diesen Willen, Tore zu schießen. Der war uns am Anfang der Saison etwas abhandengekommen“, sagte Rolfes.
Dass Diaby trotz seiner herausragenden Qualitäten nicht ins französische WM-Aufgebot berufen wurde, bedauert Leverkusens Sport-Geschäftsführer. „Moussa wäre wohl für jede andere Nationalelf der Welt nominiert worden und würde in der Startelf stehen. Aber die Franzosen haben natürlich eine unglaubliche Qualität, massenhaft Weltklassespieler. Deswegen ist es schade für ihn“, sagte Rolfes: „Aber auch nochmal ein Anreiz. Wenn er sich da durchsetzt, hat er nochmal einen Riesenschritt gemacht.“
Vier Bayer-Profis werden nach Katar reisen: Piero Hincapie (Ecuador), Exequiel Palacios (Argentinien), Jeremie Frimpong (Niederlande) und Sardar Azmoun (Iran).
Versöhnliches Jahres-Ende für Jonathan Tah
Für Jonathan Tah hatte es nach einer schwachen Hinrunde erwartungsgemäß nicht für den DFB-Kader gereicht. Doch endete auch für den Innenverteidiger das Bundesliga-Jahr 2022 versöhnlich. Gegen Stuttgart erzielte Tah im Anschluss an einen Eckball vor Kerem Demirbay und eine Kopfballverlängerung von Exequiel Palacios in Stürmermanier das 2:0 (82.). „Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Aber darum geht es im Moment auch noch nicht. Die Entwicklung ist gut“, lobte Rolfes.

