Nach dem Remis gegen Mainz kritisieren die Bayer-Verantwortlichen die Schiedsrichter-Leistung. Geschäftsführer Fernando Carro holt zum Rundumschlag aus.
„Wo ist Stieler, der Blödmann?“Bayer 04 schiebt Schiri-Frust nach 1:1 gegen Mainz

Die Leverkusener hatten viel Diskussionsbedarf im Spiel gegen Mainz 05.
Copyright: IMAGO/Nordphoto
In der 67. Minute flog ein Leverkusener Eckball in den Mainzer Strafraum. Was dann geschah, ist eine der Szenen, über die sich Fußballfachleute stundenlang streiten können: Erst ging Jarell Quansah nach einem Zweikampf mit dem Mainzer Stefan Posch zu Boden, dann schlangen sich die Arme von Dominik Kohr um Leverkusens Patrik Schick – und die des Tschechen um den Mainzer. Beide fielen – und während sich die Werkself-Profis noch beim Unparteiischen Tobias Stieler beschwerten, war der Ball bereits auf dem Weg nach vorne.
Mainz 05 mit blitzsauberen Konter
Mainz-Keeper Finn Batz schlug ihn weit auf Paul Nebel, Ibrahim Maza verlor das Laufduell – auch weil er zu langsam nachrückte –, Nebel flankte unbedrängt von der Seite, Sheraldo Becker verwandelte sehenswert per Volley zum 1:0 für Mainz. Die Führung ging in Ordnung. Denn Bayer 04 Leverkusen war am 24. Spieltag eine Mannschaft, die ihre eigenen Qualitäten sorgfältig verbarg. Keine Tiefenläufe, kaum Distanzversuche, wenig Kreativität, viele Pässe ohne Ertrag. Spieler wie Exequiel Palacios oder Alejandro Grimaldo hängen in der Formkrise und zeigen nur in seltenen Momenten, was sie eigentlich können.
Passend zum mauen Auftritt blendete die TV-Regie einen Leverkusen-Fan ein, der in der ersten Hälfte schlief – ein Bild, das mehr aussagte als jede Statistik. Und zu allem Überfluss verletzte sich Leverkusens Arthur kurz vor dem Halbzeitpfiff schwer. Der Brasilianer blieb im Rasen hängen, verdrehte sich das linke Knie und wurde unter lautstarken „Arthur“-Sprechchören – mit Tränen im Gesicht – auf einer Trage abtransportiert. Er wird der Werkself voraussichtlich monatelang fehlen. Der Schock saß tief. Erst in den Schlussminuten erwachte Leverkusen.
Alles zum Thema Fußball-Bundesliga
- Fußball-Bundesliga Sprunggelenksverletzung: Leverkusen wochenlang ohne Arthur
- Prominente FC-Fans besorgt „Tristesse“ bei Stadionsprecher, Botschafter kritisiert Trainer
- „Wo ist Stieler, der Blödmann?“ Bayer 04 schiebt Schiri-Frust nach 1:1 gegen Mainz
- Fußball-Bundesliga Gladbachs Matchwinner Diks supercool: „Er pinkelt Eiswürfel“
- Fußball-Bundesliga Für die Rettung: Werder-Fans und Spieler finden zusammen
- Aufstiegskampf 2. Liga Thriller um die Bundesliga: Schneckenrennen eines Quintetts
- Dortmund gegen Bayern Bundesliga-Topspiel: Verletzte bei Pyro-Show und Krawallen
Martin Terrier legte auf Patrik Schick ab, der zu Christian Kofane weiterspielte. Der zog das Tempo an, passte quer auf den mitgelaufenen Quansah – und der Verteidiger verwandelte in bester Stürmer-Manier ins untere Eck zum 1:1. Was folgte, war vergebliches Drücken; Mainz ließ sich tief fallen, hielt aber gegen die Leverkusener Schlussoffensive stand und atmete am Ende auf.
Bayer 04 mit Schiri-Frust
Für Bayer 04 war das Unentschieden hingegen eher eine Niederlage und das dritte Spiel in Folge ohne Sieg. Und die Frage ist: Warum zeigen die Leverkusener das Tempo und die Intensität der letzten Viertelstunde nicht von Beginn an?
Zur Beantwortung dieser Frage fehlte Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro zunächst die Ruhe. Kurz nach Abpfiff stürmte er aus der Spielerkabine, stapfte durch die Interviewzone und fragte: „Wo ist Stieler, der Blödmann?“ Der Schiedsrichter habe der Werkself einen klaren Elfmeter verwehrt, empfand Carro: „Ich habe mir die Szene nochmal angeschaut. Da lagen zwei von uns auf dem Boden. Quansah fällt erst, und Schick versucht, sich in den Raum zu bewegen. Der Mainzer stoppt ihn und bringt ihn zu Fall. Für mich ist das ein klarer Elfmeter.“
Auch Trainer Kasper Hjulmand schloss sich an: „Es ist das erste Mal, dass ich hier über eine Schiedsrichter-Entscheidung spreche. Wenn das kein klarer Elfmeter ist, dann kenne ich die Regeln nicht.“ Beide wussten jedoch, dass die strittige Szene nicht der eigentliche Grund für den schwachen Auftritt war. Carro brachte es am Ende selbst auf den Punkt: „Ich habe den Spielern auf Spanisch gesagt: Ihr müsst aufwachen. Wir haben keine gute Leistung gezeigt. Ich würde ausflippen, wenn ich in der Kabine wäre.“
Hjulmand, der nach den letzten Spielen jeweils Besserung in Aussicht gestellt hatte, tat es auch diesmal: „Wir sind wieder nicht zufrieden mit der Leistung. Es fehlt Rhythmus und Intensität. Mit den neuen Spielern kam mehr Energie, dann haben wir verdient den Ausgleich gemacht. Dennoch war unsere eigene Leistung zu wenig.“ Und weiter: „Ich habe vielleicht Argumente. Aber das wirkt wie eine Entschuldigung. Und die haben wir nicht. Wir müssen Lösungen finden, nicht nur strukturelle, sondern auch in unserer Qualität im Eins gegen Eins. Wenn der Gegner so tief steht, hatten wir zu wenig Seitenverlagerungen, zu wenige und zu langsame Pässe, um Räume in der Tiefe zu öffnen.“
Am Mittwoch gegen den HSV
Am Mittwoch gastiert Leverkusen beim Hamburger SV, danach beim SC Freiburg. Zwei Partien, in denen Punkte dringend nötig sind – das Saisonziel Champions-League-Qualifikation rückt mit jedem weiteren Ausrutscher ein Stück weiter in die Ferne. Torhüter Janis Blaswich gab sich ebenso ernüchtert: „Die Dinge, die wir intern besprechen, bleiben intern. Aber Sie können sich vorstellen, wie die Stimmung in der Kabine war. Gegen Hamburg müssen wir es besser machen.“
Einfach wird das nicht. Der HSV hat seit Oktober kein Bundesliga-Heimspiel mehr verloren. Leverkusen dürfte großes Interesse daran haben, das zu ändern – und noch größeres daran, endlich wieder den Eindruck einer Mannschaft zu vermitteln, die um die Champions League mitspielen will.


