Seit der Verletzung des Stammkeepers avancierte Janis Blaswich zum sicheren Leverkusener Rückhalt. Über einen Konkurrenzkampf macht er sich aber keine Gedanken.
Konkurrenzkampf im TorBayers Blaswich überzeugt als Flekken-Vertreter – doch wie geht es weiter?

Leverkusens Janis Blaswich im Training vor dem Spiel gegen Olympiakos Piräus.
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Im Sommer 2025 verpflichtete Bayer 04 Leverkusen Torhüter Janis Blaswich vom Ligarivalen RB Leipzig – für eine geringe Ablösesumme von zwei Millionen Euro. Gedacht war der 34-Jährige als klare Nummer zwei hinter dem niederländischen Torhüter Mark Flekken, also als verlässliche und erfahrene Randfigur. Spielminuten gab es folgerichtig keine. Bis Januar: Flekken verletzte sich bei der 0:1-Niederlage in Sinsheim, und plötzlich stand Blaswich im Tor – mit einer bis dato starken Bilanz: Zehn Pflichtspiele, fünf Gegentore, sechsmal zu null.
Blaswich plötzlich Herausforderer
Der 1,93-Meter große Schlussmann strahlt Ruhe aus, und Ruhe ist im Zweifel die unterschätzteste Form von Autorität. Er sucht seltener das Risiko als Flekken, er wählt häufiger die sichere Lösung – auch wenn das heißt, den Ball einmal hoch und weit zu klären. Beim 2:0 gegen Olympiakos Piräus vergangene Woche, als die Leverkusener Abwehr mit einer aggressiven Pressing-Maschine konfrontiert war, verschaffte Blaswich seiner Mannschaft somit Momente zum Durchatmen. Nur stellt sich damit folgende Frage: Was, wenn Flekken von seiner Verletzung zurückkehrt und seinen Anspruch anmeldet, während Blaswich weiter liefert? „So weit in die Zukunft denke ich noch nicht“, erklärt Blaswich vor dem Playoff-Rückspiel gegen Piräus. „Ich konzentriere mich zuerstmal auf die kommenden Wochen. Ich bin kein Typ, der sich Gedanken über Sachen macht, die im Fußball nicht vorhersehbar sind. Mein Fokus liegt hier, ich möchte der Mannschaft helfen, das will ich unterstreichen. Dafür bin ich hier.“
Am liebsten würde Blaswich auch am Dienstag (Bay-Arena, 21 Uhr) ohne Gegentor bleiben. Dennoch passt es zur Lage, insbesondere nach der 0:1-Niederlage bei Union Berlin, dass sich Leverkusen auf der komfortablen Zwei-Tore-Führung nicht ausruhen darf. „Es ist ganz wichtig, dass wir das Spiel so angehen wie immer. Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir werden nicht in den Köpfen haben, wie das Hinspiel ausgegangen ist“, sagt Blaswich – und lenkt den Blick auf Piräus Stärke bei ruhenden Bällen: „Standards gehören zum Spiel dazu, aber wir werden uns in den Zweikämpfen nicht zurückziehen. Dennoch dürfen wir uns nicht dumm anstellen. Die haben schon ein paar Monster, die sich auch mal gerne mit einem Turban um den Kopf reinschmeißen und Tore erzielen. Wir haben sicherlich auch Größe in der Mannschaft, das können wir defensiv und offensiv auszunutzen. Ganz verhindern können wir manche Dinge aber nicht.“
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Blaswich und Hjulmand wissen, wie teuer Standards sein können. Wettbewerbsübergreifend kassierte Bayer 04 bislang 15 Gegentore nach solchen Situationen. Seit dem ersten Aufeinandertreffen mit Olympiakos in der Gruppenphase der Champions League aber blieb Leverkusen bei Standards ohne weiteren Treffer gegen sich – selbst am Samstag in Berlin, wo Union aus ruhenden Bällen gern eine erfolgreiche Disziplin macht. „Wir haben über die Standards gesprochen. Wir haben es besser gemacht. Die Standards sind die Prioritäten vom Gegner, daher dürfen wir nicht zu viele verursachen,“ resümiert Hjulmand, der derweil einen Einsatz von Mittelfeldakteur Malik Tillman offen lässt.
Dreierpack gegen Bayern München?
Unions Stanley Nsoki erwischte den US-Amerikaner nach drei Minuten mit offener Sohle, Hjulmand sprach von einer eindeutigen „Roten Karte“, Nsoki erhielt Gelb. Am Montag fehlte Leverkusens Rekordzugang im Training, die Entscheidung soll am Dienstag fallen. „Wir glauben an eine nicht schlimmere Verletzung, aber ein Einsatz wird schwierig“, sagt der dänische Trainer. An der Favoritenrolle der Werkself sollte das wenig ändern, auch wenn 2000 Zuschauer aus der fanatischen griechischen Anhängerschaft erwartet werden.
Wenn Leverkusen das Achtelfinale erreicht, wartet der FC Arsenal oder der FC Bayern. Gegen die Münchner spielt Bayer 04 bereits im Halbfinale im DFB-Pokal; sollte es auch in der Champions League gegen die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany gehen, droht ein Bayern-Block im März mit drei Spielen direkt nacheinander – und im April noch einmal. „Wir müssen zuerstmal weiterkommen. Aber eine solche Konstellation hatte ich als Profi noch nie. Auf diese Herausforderung würde ich mich aber sehr freuen“, sagt Blaswich.
Bayer 04 Leverkusen: Blaswich – Quansah, Andrich, Tapsoba – Vazquez, Palacios, Garcia, Grimaldo – Poku, Maza – Schick. – Piräus: Tzolakis – Rodinei, Retsos, Pirola, Ortega – Mouzakitis, Hezze – Martins, Chiquinho, Podence – Taremi. – Schiedsrichter: Oliver (England).

