Köln – Die NFL hat es geschafft: Trotz der Corona-Pandemie kann der Super Bowl wie geplant an diesem Sonntag Ortszeit (MEZ Montag, 00.30 Uhr, ProSieben/Dazn) in Tampa stattfinden. Als wäre das nicht spektakulär genug, kommt es dabei auch noch zum spannendsten Quarterback-Duell der letzten Jahre. Tom Brady, der Beste aller Zeiten auf seiner Position, trifft auf Patrick Mahomes, seinen designierten Nachfolger – die Tampa Bay Buccaneers treffen auf die Kansas City Chiefs.
Es ist die Frage, die Brady-Fans und -Kritiker seit Jahren diskutieren – ist Tom Brady der G.O.A.T.? Der Greatest of all time im American Football? Bereits sechsmal hat der inzwischen 43-jährige Star-Spielmacher den Super Bowl gewonnen. So oft wie kein anderer Spieler. Alle seine Titel holte der Spielmacher mit den New England Patriots. Oft hieß es daher, Brady sei nur ein System-Quarterback. Doch spätestens nach dem, was der Spielmacher in dieser NFL-Saison gezeigt hat, sollte auch der letzte Kritiker verstanden haben, wie außergewöhnlich Brady ist.
In einem für den Sport extrem hohen Alter wechselt Brady nach 20 Jahren das Team, übernimmt die Buccaneers in einer Offseason, in der wegen der Pandemie kein herkömmlicher Trainingsbetrieb möglich ist, und führt die Mannschaft ins Endspiel um den Titel, das auch noch im eigenen Stadion stattfindet. Vor heimischer Kulisse konnte bisher kein anderes Team um die Vince Lombardi Trophy spielen. Ja, die Offensive um ihn herum ähnelt einem All-Star-Team. Und ja, die starke Defensive hat ihren Teil dazu beigetragen. Aber Brady war der entscheidende Faktor hinter dem Erfolg.
Mahomes ist phänomenal
Nun aber wartet Titelverteidiger Kansas City auf Brady und die Buccaneers. Die werden angeführt von Patrick Mahomes. Dem Quarterback, dem zugetraut wird, Bradys Rekorde zu brechen. Mahomes ist ein Phänomen. Der 25-Jährige zeigt auf dem Spielfeld Dinge, die selbst abgebrühte Football-Experten staunen lassen. Und er hat ebenfalls eine vor Explosivität strotzende Offensive um sich herum.
Eine von Mahomes’ zwei liebsten Anspielstationen ist Wide Receiver Tyreek Hill. Der Passempfänger zählt zu den schnellsten Spielern der Liga und ist kaum zu decken. Wie gut er sein kann, hat er bereits in Woche zwölf der regulären Saison bewiesen, als beide Teams schon einmal aufeinander trafen. Die Chiefs gewannen 27 zu 24, Hill fing drei Touchdowns und Pässe für 269 Yards.
Brady hat starke Passempfänger
Anspielstation Nummer zwei ist Tight End Travis Kelce, der beste auf seiner Position. Mit 1416 Yards stellte Kelce in der regulären Saison einen Tight-End-Rekord auf, in den Playoffs knüpft er nahtlos an diese Leistung an.
Doch auch Brady hat seine Waffen um sich herum. Die Wide-Receiver-Gruppe der Buccaneers ist namentlich wohl die beste der Liga. Mike Evans, Chris Godwin, Scott Miller und – falls er fit ist – Antonio Brown. Diese Breite bereitet jedem Defensiv-Koordinator in der NFL Kopfzerbrechen.
Gronkowski wird wichtig
Die Pass-Verteidigung der Chiefs war in der regulären Saison allerdings die zweitbeste gegen Wide Receiver. Evans und Co. werden es also schwer haben. Umso mehr wird es im Passspiel der Buccaneers auch auf die Tight Ends Rob Gronkowski und Cameron Brate ankommen. Denn gegen Tight Ends tut sich die Kansas-Verteidigung schwer. Das Duo „Gronk“ und Brate zu stoppen, wird ein Schlüsselfaktor für den Titelverteidiger sein.
Tampa muss defensiv auf den Pass Rush setzen. Das heißt, sie müssen Mahomes in Drucksituationen bringen und ihn zum Improvisieren zwingen. Wie gut Tampa das kann, bekamen die Green Bay Packers im letzten Spiel zu spüren. Je weniger Druck Tampa auf Mahomes ausüben kann, desto mehr Zeit haben Hill und Kelce, sich freizulaufen. Und dann werden die Buccaneers-Passverteidiger große Probleme bekommen.
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Auf das Laufspiel setzen beide Teams nicht primär, doch liegt der Vorteil in dieser Hinsicht bei Tampa. Denn die Laufverteidigung der Buccaneers war in der regulären Saison die beste der Liga, während die der Chiefs im hinteren Mittelfeld zu finden war. Und wer es schafft, den Lauf zu etablieren, hat automatisch größere Chancen im Passspiel. Denn dann muss sich die gegnerische Verteidigung auch darauf einstellen.
25.000 Fans werden das Spiel live im Raymond James Stadium verfolgen, rund 66.000 Plätze hätten ohne die Pandemie vergeben werden können. 7500 Karten gingen als Dank von der NFL kostenlos an Pflegekräfte. Das Endspiel im vergangenen Jahr sahen rund 100 Millionen Amerikaner im TV. Für dieses Jahr ist eine Steigerung denkbar, die Quoten in der zurückliegenden Runde waren die besten seit 2017.



