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Kommentar

Bundesliga-Kolumne
Ärger an der Spitze, während im Keller die Party ausbricht

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4 min
Thomas Tuchel hat mit dem FC Bayern nach dem Pokal-Aus und vor dem Aus in der Champions League 1:1 gegen die TSG Hoffenheim gespielt.

Thomas Tuchel hat mit dem FC Bayern nach dem Pokal-Aus und vor dem Aus in der Champions League 1:1 gegen die TSG Hoffenheim gespielt. 

Der FC Bayern punktet deutlich schlechter als in den Vorjahren, doch Borussia Dortmund nutzt das nicht aus.

Die Laune an der Tabellenspitze ist in diesen Tagen im Keller.

Klingt etwas seltsam, ist aber so. Der FC Bayern und Borussia Dortmund liefern einander einen zwar enorm unterhaltsamen Titelkampf. Allerdings beeindrucken die deutschen Spitzenklubs weniger mit fußballerischen Leistungen. Den Dortmundern jedenfalls scheint bislang kaum zu helfen, dass sie sich auf die Bundesliga konzentrieren können, nachdem sie DFB-Pokal und Champions League bereits verspielt haben. Mit Konzentration, das zeigte der Samstag in Stuttgart, ist da derzeit nämlich nicht viel.

Was war los?

Nach einer halben Stunde führte der BVB beim Abstiegskandidaten 2:0, dann flog noch in der ersten Halbzeit VfB-Verteidiger Konstantinos Mavropanos mit Gelb-Rot vom Platz. Tiefer im Spiel, es stand noch immer 2:0, wechselte Edin Terzić Brandt, Haller und Malen aus und damit das Herz seiner Offensive. Stuttgart glich daraufhin in der 77. und 84. Minute noch aus. Was ja genug Überraschung für diesen Tag gewesen wäre. Doch dann ging es erst richtig los: Gio Reyna brachte Dortmund in der Nachspielzeit 3:2 in Führung. Nochmals fünf Minuten später glich wiederum Silas zum 3:3 aus.

Klingt interessant, allerdings ist das ja nichts unbedingt Neues beim BVB.

Stimmt. Am dritten Spieltag führte Dortmund gegen Bremen in der 89. Minute 2:0 – und verlor noch 2:3. Nun also die nächste Kernschmelze. Und Edin Terzić fühlte sich selbstverständlich böse an jenen Nachmittag im August erinnert, manche Erfahrungen macht man ja am liebsten nur einmal. „Es ist schwer, Worte zu finden. Wir dachten, dass wir das Dümmste erlebt haben mit dem Bremen-Spiel. Aber das hier toppt das Ganze.“

Edin Terzić leidet derzeit an seiner Dortmunder Mannschaft.

Edin Terzić leidet derzeit an seiner Dortmunder Mannschaft.

Dann wird Borussia Dortmund also wieder nicht Meister?

Die Frage ist womöglich nachrangig, denn der FC Bayern wird ja sowieso immer Meister. Worüber man in Dortmund allerdings diskutieren muss: Es ist grundsätzlich keine Schande, nicht Meister zu werden, wenn der FC Bayern Meister wird. Das System im deutschen Profifußball belohnt die Erfolgreichen mit immer mehr Geld, was bedeutet, dass mit jedem Meistertitel des FC Bayern die nächste Meisterschaft des FC Bayern noch wahrscheinlicher wird.

Es wäre also Unsinn, zu glauben, dass es nach fünf oder zehn oder 50 Titeln nacheinander so etwas wie einen kritischen Punkt gäbe, der nach Überschreiten dazu führt, dass dann wirklich mal ein anderer dran ist. Dennoch scheinen die Gründe in diesem Jahr etwas verschoben zu liegen: Denn die Dortmunder werden in diesem Jahr nicht nicht Meister, weil die Bayern Lewandowski haben oder Neuer und Dortmund eben nicht. Sie werden nicht Meister, weil sie, jedenfalls deutet ihr Trainer das an, zu dumm sind.

Und das, wo die Bayern in diesem Jahr ja ebenfalls ohne Neuer und Lewandowski spielen!

Was ja der Grund für das ganze Durcheinander sein könnte. Vor einem Jahr hatten die Dortmunder nach dem 28. Spieltag wie in dieser Saison 57 Punkte. Als sie vor drei Jahren nach dem 28. Spieltag Zweiter waren hinter den Bayern: Ebenfalls 57. Die Bayern dagegen haben derzeit nicht ihre üblichen 65 oder 66 Punkte. Sondern nur 59. Was bedeutet: Sie sind schlechter als sonst, was die Dortmunder eben, um dann doch einmal Meister werden zu können, antreiben müsste, ein paar entscheidende Punkte besser zu sein als in anderen Jahren. Insgesamt aber ist der BVB nicht in dem Maße besser, in dem die Bayern schlechter sind. Und das ist das Problem.

Andererseits sind ja noch sechs Spieltage zu absolvieren.

Aber auch die Bayern werden sich bald ja auf nur noch einen Wettbewerb zu konzentrieren haben. Wer allerdings beim 1:1 gegen Hoffenheim Leroy Sanés geschwollene Lippe vier Tage nach Manés tätlichem Angriff sah, durfte sicher sein: Der FC Bayern hat größere Probleme als Manchester City oder den BVB.

Und Stuttgart ist jetzt gerettet?

Überhaupt nicht. Klar ist aber: Die Mannschaft hat ausreichend Qualität, um zu zehnt gegen den BVB zu bestehen. Sie scheint zudem unter ihrem neuen Trainer Sebastian Hoeneß so etwas wie Struktur und innere Führung gefunden zu haben. Aus so einem Resultat wie dem 3:3 gegen den BVB kann ein Trainer Vieles machen. Doch auch der FC Schalke geht nach dem 5:2 gegen Hertha BSC enorm gestärkt aus dem Wochenende. Die Stimmung auf den Plätzen 16 und 17 scheint glatt besser als an der Spitze. Und wenn Hertha nun sogar Pal Dardai hervorholt, um noch in den Kampf um die Relegationsspiele gegen den HSV einzugreifen, scheint der Tabellen- nun endgültig zum Partykeller zu werden.