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Jules Schwadorf im Interview
„Das größte Problem ist die Infrastruktur von Fortuna Köln“

Ein Fußballspieler läuft über den Platz und hat den Ball vor sich im Blick.

Jules Schwadorf kam im vergangenen Sommer von Preußen Münster zum SC Fortuna Köln.

Der Mittelfeldspieler äußert sich zu der schwachen Hinrunde und zu Perspektiven für die verbleibenden Regionalligaspiele.

Herr Schwadorf, in etwa zwei Wochen geht es für Fortuna Köln in der Fußball-Regionalliga West weiter. Wie weit ist Ihr Team?

Jules Schwadorf: Grundsätzlich war die Winterpause sehr kurz. Darum sind wir mit der körperlichen Fitness nicht so weit runtergefahren. Es galt, den Zustand zu halten und nun punktuell etwas nachzulegen. An den Stellen, an denen es uns in der Hinrunde vielleicht gefehlt hat – sodass alle auf einem guten Fitness-Niveau sind.

Sie stehen seit letztem Sommer bei der Fortuna unter Vertrag. Allerdings haben Sie die gesamte Vorbereitung und Teile der Hinrunde verletzungsbedingt verpasst. Sind Sie inzwischen bei 100 Prozent?

Ich fühle mich jedenfalls viel besser. Die Verletzung hat mich fast sechs Monate begleitet, das fing schon in Münster an. Man sagt ja, dass man nach einer Verletzung so lange braucht, um fit zu werden, wie man ausgefallen ist. Ich sehe mich da auf einem guten Weg, die Dinge im Training und in den Spielen klappen schon wieder besser. Spielzeit ist aktuell das, was mir guttut. Ich bin bei den 100 Prozent, die mein Fitnesszustand zulässt. Der Laktattest war jetzt auch schon wieder viel besser.

Porträt eines Fußballspielers auf dem Platz mit konzentriertem Blick.

Jules Schwadorf hatte lange mit einer Verletzung zu kämpfen.

Das Team hatte mit vielen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Taugt das als Erklärung für die schwache Hinrunde?

Natürlich waren die Verletzungen ein Problem, die Ausfälle waren herbe Verluste. Es aber nur auf verletzte Spieler zu schieben, wäre zu einfach. Es waren viele Faktoren, die eine Rolle gespielt haben.

Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Wir mussten uns als Team finden: neue Spieler, neuer Trainer, ein neues System. Das ist ein Prozess, und dem muss man Zeit geben. Jetzt sind wir ein halbes Jahr zusammen. Jetzt sollten wir eine bessere Rückrunde mit besserer Punkteausbeute spielen.

Über den Aufstieg brauchen wir nicht zu reden, das wäre vermessen. Das weiß auch jeder
Jules Schwadorf über die Perspektive in den verbleibenden Saisonspielen

Bis zum letzten Spiel des Jahres 2022 hatte die Fortuna nur drei verschiedene Torschützen.

Ja, das war auch für mich etwas Neues. Aber auch das würde ich mit unserer Findungsphase erklären. Die Spieler, die getroffen haben, sind gut eingeschlagen, wie Lars Lokotsch und zeitweise Dustin Willms. Sascha Marquet hat es auch gut gemacht. Dass es nur drei Torschützen waren, ist natürlich außergewöhnlich – in der Rückrunde wird es anders laufen, da bin ich sicher. Gerade bei Standards müssen wir gefährlicher werden.

In jenem letzten Spiel haben dann auch Sie getroffen. Eine Erlösung?

Es war natürlich schön, eine schöne Aktion, ein schöner Moment. Aber mir ist es letztlich nicht so wichtig; ich muss nicht Torschützenkönig oder Vorlagenkönig sein. Meine allgemeine Performance muss stimmen und die Leistung der Mannschaft. Wenn ich dem Team das gebe, was ich kann – und das sind nicht nur Tore und Vorlagen, sondern auch viele andere Sachen – dann bin ich zufrieden.

Was ist für die Fortuna in der Rückrunde noch möglich?

Manchmal wünsche ich mir, dass vielleicht mehr Unterstützung der Stadt Köln in Sachen Infrastruktur bei der Fortuna gegeben ist.
Jules Schwadorf

Über den Aufstieg brauchen wir nicht zu reden, das wäre vermessen. Das weiß auch jeder. Es gilt, eine bessere Rückrunde zu spielen. Wir haben teilweise gute Spiele gemacht, in denen man unser Potenzial gesehen hat. Aber die Konstanz hat gefehlt. Es wird darum gehen, viele Punkte zu sammeln, gute Leistungen zu zeigen und sich für die nächste Saison einzuspielen.

Die Rückrunde als eine Art lange Vorbereitung auf die kommende Saison?

Ja, das glaube ich. Jeder kann sich noch einmal präsentieren. Wir wollen uns als Team entwickeln, unsere Abläufe besser abstimmen.

In der vergangenen Saison haben Ihnen und Preußen Münster vier Tore zur Meisterschaft und zum Aufstieg gefehlt. Ist Ihr Ex-Klub in dieser Saison noch aufzuhalten?

Ich glaube nicht. Sie wirken sehr stabil. Ich fand uns letzte Saison auch schon sehr stabil – da gab es nur leider noch Rot-Weiss Essen, die auch sehr stabil waren. Wenn du an der Tordifferenz scheiterst, ist das sehr bitter. Zur aktuellen Saison hat Münster seinen Kader noch einmal punktuell verbessert. Darum glaube ich, dass sie aufsteigen werden.

Sie sind in Köln geboren und waren im Laufe Ihrer Karriere für fast jeden großen Verein im Rheinland aktiv. Was macht den SC Fortuna aus?

Ich habe sehr große Sympathien für den Verein, er hat ein enormes Potenzial und eine gute Jugendarbeit. Und dann der Standort im Kölner Süden. Es ist einfach ein geiler Klub mit viel Flair.

Woran fehlt es der Fortuna?

Das größte Problem ist die Infrastruktur der Fortuna. Sie ist soweit vorhanden, aber nicht gut genug, um ganz, ganz professionell zu arbeiten. Aber das sind nun einmal die Gegebenheiten, wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Manchmal wünsche ich mir trotzdem, dass vielleicht mehr Unterstützung der Stadt Köln in Sachen Infrastruktur bei der Fortuna gegeben ist. 

Testspiel-Gala von Jules Schwadorf

Jules Schwadorf (30) sind beim souveränen 6:0 (5:0)-Testspielerfolg des SC Fortuna Köln gegen den Oberligisten KFC Uerdingen gleich vier teils sehr sehenswerte Tore gelungen (15./38./41./60). Die anderen beiden Treffer erzielten am Freitag Timo Hölscher (10.) und Stürmer Lars Lokotsch (28.). (ckr)

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