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Bernard Dietz wird 75Warum „Ennatz“ seine Geburtstagsfeier verschiebt

Lesezeit 3 Minuten
Bernard Dietz, Spitzname „Ennatz“, Kapitän der Fußball EM-Mannschaft von 1980 vor seinem Haus.

Bernard Dietz, Spitzname „Ennatz“, Kapitän der Fußball EM-Mannschaft von 1980 vor seinem Haus.

Bernard Dietz hat Geburtstag - gefeiert wird aber erst am Sonntag. Die MSV-Legende hat einen anderen wichtigen Termin.

Bernard Dietz redet noch nicht lange, aber er vermittelt schon vom ersten Augenblick an den Eindruck, dass man sich schon ein Leben lang kennt. Er umarmt mit Worten, nimmt den Gesprächspartner wie selbstverständlich mit auf den Parcours seines Lebens, kameradschaftlich, gesellig, lustig, das Zuhören ist eine Freude.

An diesem Mittwoch wird Dietz, eine Institution des MSV Duisburg und der Bundesliga, 75 Jahre alt. Und hat ein Problem: Feiern wird schwierig, weil der MSV seine Jahreshauptversammlung abhält, „und da muss ich hin, ich bin ja Mitglied“. Die Geburtstagsfeier hat er auf den Sonntag gelegt, aber die Zahl 75 möchte er nicht groß zelebrieren, „nur die Familie und ein paar Bekannte“ sollen kommen, sagt er.

Ennatz Dietz: 394 Spiele für den MSV Duisburg

Dietz und der MSV Duisburg sind weiterhin eine Einheit. 394 Spiele hat er für den Klub bestritten und dabei 70 Tore geschossen, als Außenverteidiger, der ständig unterwegs war, vorne wie hinten. Viel gewonnen hat die Mannschaft damals nicht, aber zumindest bis 1982 den Abstieg vermieden, was auch ein Verdienst des Kapitäns mit dem riesigen Einsatz war. Danach wechselte Dietz, damals schon 34 Jahre alt, zum FC Schalke 04, blieb fünf Jahre, davon eines in der Zweiten Liga. 495 Bundesliga-Spiele sind es insgesamt geworden, dazu 77 Tore – bis heute ein Rekord für einen Abwehrspieler in der höchsten deutschen Spielklasse.

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Bernard nennt Dietz aber niemand, der ihn kennt, er wird stattdessen „Ennatz“ gerufen, weil in seiner Jugend das Nachbarkind Erika seinen Vornamen nicht aussprechen konnte. Sie nannte ihn „Ennatz“, was sich gehalten hat. Und genau so, „Ennatz“, heißt auch das Zebra-Maskottchen des MSV Duisburg. Kapitän war Dietz auch in Schalke und bei der Nationalelf.

Kapitän der Europameister 1980

1976 bei der EM in Jugoslawien war er schon dabei, damals aber führte noch Franz Beckenbauer die Nationalelf aufs Feld. Heraus kam Rang zwei. Zwei Jahre später war Dietz ebenfalls Stammspieler bei der WM 1978 in Argentinien, wo mit dem Kapitän Sepp Maier nichts zusammenlief, „da waren wir keine Mannschaft.“ Am Ende stand das Aus in der Zweiten Finalrunde nach einem 2:3 zum Abschluss gegen Österreich in Cordoba. Ein Spiel, das unter dem Label „Schande von Cordoba“ in der DFB-Historie archiviert ist.

Zwei Jahre später, Maier musste 1979 wegen einer Verletzung seine Karriere beenden, war Dietz Kapitän der Nationalelf, die in Rom Europameister wurde. Dietz hatte dazu mit Bundestrainer Jupp Derwall ein Ritual entwickelt: „Ich gab dem Jupp die Binde, er zog sie mir über. Das hat den Teamgeist gefördert – und in Italien waren wir tatsächlich eine harmonische Gruppe.“ Gegner im Finale war Belgien und bei der Siegerehrung hatte Dietz die belgische Königin nicht erkannt: „Sie hat mir die Hand gereicht. Ich bin da vorbeigelaufen. Das habe ich erst später in einer Aufzeichnung gesehen. Da habe ich mich geschämt.“

Ennatz Dietz: Knie-OP und Herzinfarkt

Unschön war das Ende im Kreis der DFB-Auswahl nach 53 Länderspielen (ohne Tor) nur ein Jahr später. Paul Breitner war inzwischen zurückgekehrt, die Stimmung habe sich laut Dietz danach dramatisch verschlechtert – „die Gruppenbildung war wieder da“. Und Dietz, der einstige Kapitän, wurde nicht mehr gebraucht. Dass er draußen war, erfuhr er aus dem Fernsehen – sein Name fehlte bei der Bekanntgabe des Aufgebots im „Aktuellen Sportstudio“.

Es spricht für die menschlichen Qualitäten des gelernten Schmieds aus Bockum-Hövel in der Nähe von Hamm, dass er Derwall diesen Faux-Pas schnell verzeihen konnte. Bei seinem Abschiedsspiel 1988 war auch Jupp Derwall dabei – „na klar“.

Gesundheitlich geht es Dietz wieder gut, nach einer Knieoperation und einem Herzinfarkt vor viereinhalb Jahren. Seit vier Jahren ist er auch nicht mehr Vorstandsmitglied des MSV, „jetzt bin ich einfach Rentner. Und MSV-Fan.“ Bei den Heimspielen in der Dritten Liga ist Bernard Dietz, der Mensch gewordene MSV, immer vor Ort anzutreffen.

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