Oft gering geschätzt, ist die Conference League für viele kleinere Vereine ein finanzieller und sportlicher Segen.
Mehr als nur TrostpreisWarum die Conference League für kleine Clubs ein Segen ist

Ganz nah am Halbfinale: Mainz war bisher das beste deutsche Team in der Conference League. (Archivbild)
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Häufig wird der dritte europäische Wettbewerb gering geschätzt. Für zahlreiche Fußballvereine stellt die Conference League jedoch eine bedeutende Aufwertung dar. Eine Analyse der bisherigen Auswirkungen.
Beim Thema Conference League geriet Oliver Glasner, der Coach von Crystal Palace, ins Schwärmen. „Wir sind wirklich quer durch Europa. Von Fredrikstad nach Florenz, von Lublin bis Shelbourne. Wir haben das vom ersten Spiel an genossen“, äußerte er. Am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL Nitro) steht für seinen Londoner Verein das fünfte Finale dieses Turniers gegen Rayo Vallecano an. Welche Bilanz lässt sich für den Wettbewerb ziehen, der mitunter als „Verlierer-Cup“ abgetan wird?
Das Konzept der UEFA für die Conference League zielte darauf ab, die Mitwirkung im europäischen Fußball für eine größere Anzahl von Klubs zu öffnen. Es war vorgesehen, dass mindestens 34 nationale Verbände auf internationaler Ebene repräsentiert sein sollten. Dieses Vorhaben war erfolgreich: An der Gruppenphase der letzten Spielzeit beteiligten sich 29 unterschiedliche Länder, einschließlich erstmaliger Vertreter aus Wales und Nordirland. „Wenn man regelmäßig Champions League spielt, ist es nicht der attraktivste Wettbewerb“, urteilte Glasner. „Aber wenn du zum ersten Mal überhaupt europäisch spielst, ist das einfach herausragend.“
Wirtschaftlicher Nutzen besonders für kleinere Klubs
In finanzieller Hinsicht ist das Turnier für die Top-Klubs von geringer Bedeutung. Als Gewinner des Vorjahres erhielt der FC Chelsea circa 22 Millionen Euro – was nur unwesentlich über dem Betrag liegt, den ein Teilnehmer der Champions League nur für die Teilnahmeberechtigung bekommt. Die Kalkulation stellt sich für Mannschaften mit geringeren Mitteln allerdings anders dar. „Für einen Verein unserer Größenordnung waren die Einnahmen aus den UEFA-Prämien ein wirtschaftlich relevanter Faktor“, erläuterte Holger Sanwald, der als Geschäftsführer des 1. FC Heidenheim fungiert.
Ein Klub bekam ausschließlich für die Gruppenphase 3,17 Millionen Euro. Für einen Erfolg gab es obendrein 400.000 Euro und für ein Remis 133.000 Euro. In der Spielzeit 2024/25 schied Heidenheim zwar in der Playoff-Runde gegen Kopenhagen aus, konnte aber trotzdem Einnahmen von etwa fünf Millionen Euro verbuchen. Djurgardens IF aus Schweden schaffte es sogar bis ins Halbfinale und bekam insgesamt 13 Millionen Euro – ein Betrag, der bei zahlreichen Klubs der schwedischen Liga über 50 Prozent des jährlichen Etats darstellt.

Die Mainzer Fans mit einer Choreografie beim Conference-Viertelfinale. (Archivbild)
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Zusätzlich zu den Prämien fließen weitere Einkünfte aus dem Spielbetrieb, den TV-Rechten, Fanartikeln und Sponsorenverträgen. Solche Finanzmittel erlauben es kleineren Vereinen, ihre Leistungsträger zu binden und Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. „Wir haben die Einnahmen genutzt, um den FCH wirtschaftlich weiter zu festigen“, so Sanwald.
Nicht nur Finanzen: Professionalität und Außenwirkung
Obwohl in jeder Saison der Conference League ein englischer Klub und viermal ein italienisches Team zumindest das Halbfinale erreichten, sorgte Djurgardens IF für die bislang größte Überraschung. Die Auswirkungen auf kleinere Klubs sind aber nicht allein auf sportliche Triumphe und Prämien begrenzt. Die Mitwirkung im Europapokal beeinflusst die Professionalisierung unmittelbar. „Diese Erfahrungen haben unsere Strukturen nachhaltig professionalisiert und weiterentwickelt“, konstatierte Sanwald und nannte die Teilnahme einen Meilenstein.
Die internationale Präsenz stellt einen weiteren bedeutenden Aspekt dar. „Unsere Reichweiten auf den Social-Media-Kanälen sind spürbar gewachsen“, teilte Sanwald mit Blick auf den 1. FC Heidenheim mit. Vergleichbares wurde von den Verantwortlichen bei Djurgarden berichtet. „Betis, Florenz, Chelsea und Djurgarden im Halbfinale - das ist doch total unglaublich“, sagte Sportchef Bosse Andersson. Presseinformationen zufolge erhöhte sich der Bekanntheitsgrad der Marke des schwedischen Vereins um mehrere Dutzend Prozent.
Großer Zuspruch durch die Anhänger
Wenngleich die sportliche Bilanz deutscher Mannschaften in der Conference League mit dem Erreichen des Viertelfinales durch Mainz als bestem Resultat bislang überschaubar blieb, zog das Turnier die Fans stark an. Sämtliche deutschen Teilnehmer konnten sich über hohe Besucherzahlen freuen. „Wenn man sieht, wie viele Heidenheimer uns zu den Auswärtsspielen quer durch Europa begleitet haben, kriege ich heute noch Gänsehaut“, sagte Heidenheim-Manager Sanwald. „In Edinburgh waren es beispielsweise 1.000 mitgereiste FCH-Fans an einem Donnerstagabend.“

Großer Auftritt gegen Chelsea: Heidenheim profitierte von der Conference-Saison. (Archivbild)
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Die Besucherzahlen bei den Finalpartien erhöhten sich ebenfalls beinahe jährlich. Während das erste Endspiel 2022 in Tirana zwischen der AS Rom und Feyenoord Rotterdam von etwa 22.000 Anhängern verfolgt wurde, zählte man im Vorjahr in Breslau beim Triumph von Chelsea über Betis fast 40.000. Für das Endspiel in Leipzig rechnet man ebenso mit deutlich über 30.000 Besuchern.
Einfluss auf die Performance im nationalen Wettbewerb
Die Annahme, dass die dreifache Belastung für Mannschaften ohne internationale Erfahrung problematisch sei, kann im Hinblick auf die Bundesliga nur eingeschränkt belegt werden. In seiner Conference-Saison erzielte Union Berlin ein besseres Ergebnis als in der vorherigen Spielzeit. Im Gegensatz dazu fanden sich Heidenheim und Mainz im Kampf gegen den Abstieg wieder.

Royaler Besuch: Villa-Fan Prince William sah ein Conference-League-Spiel. (Archivbild)
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„Natürlich war die körperliche und mentale Belastung durch die englischen Wochen extrem hoch, zumal die Bundesliga für uns immer oberste Priorität hatte“, sagte Sanwald. Er hob allerdings ebenfalls hervor, dass die Partien auf internationaler Ebene die Entwicklung der Spieler gefördert hätten. Christian Heidel, der Manager von Mainz, welcher dem Turnier zu Beginn skeptisch begegnete, zog eine positive Bilanz: „Ich war kompletter Gegner des neuen Systems. Aber ich muss Abbitte leisten. Jetzt, nachdem wir selber mitgespielt haben, finde ich das überragend.“ (dpa/red)
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