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Kommentar zum Fußball
Der Traditionsverlust wird der Bundesliga schaden

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2 min
Leipzigs Spieler Christopher Nkunku und Augsburgs Elvis Rexhbecaj und Julian Baumgartlinger kämpfen um den Ball.

RB Leipzig gegen FC Augsburg in der Red Bull Arena. Leipzigs Spieler Christopher Nkunku (M.) und Augsburgs Elvis Rexhbecaj (l.) und Julian Baumgartlinger kämpfen um den Ball.

Der Bundesliga droht erneut der Verlust von Traditionsklubs ins Unterhaus. Das wird dem Produkt wehtun.

So könnte das Fußball-Bundesliga-Programm an einem Samstag in der Saison 2023/2024 aussehen: RB Leipzig - Mainz 05, VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim - FC Augsburg, SV Darmstadt - 1. FC Heidenheim. Sagen wir mal so: Die Einschaltquote in der Sky-Konferenz dürfte zumindest keinen großen Ausschlag nach oben erfahren.

In der zweiten Liga könnten dafür die Begegnungen lauten: Hamburger SV - FC Schalke 04, VfB Stuttgart - 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Nürnberg - Karlsruher SC, Fortuna Düsseldorf - FC St. Pauli. Nicht nur vor den Fernsehern und Tablets wären bei diesen Spielen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr Zuschauer, sondern natürlich vor allem auch im Stadion.

Tradition zieht eben immer noch, wie man erst wieder am vergangenen Samstag beim Zweitliga-Topspiel zwischen Kaiserslautern und dem HSV gesehen hat, das nach wenigen Sekunden ausverkauft war und mit Choreos und bester Stimmung die knapp 50.000 Fans auf den Rängen unterhielt.

Diese beiden Bundesliga-Kultklubs haben auch im Unterhaus im Schnitt die deutlich besseren Besucherzahlen (HSV 52.789, FCK 39.729) als zum Beispiel Wolfsburg (26.028) oder Augsburg (27.448). Die TSG Hoffenheim brachte am Bundesliga-Spieltag zuvor gar das Kunststück fertig, im eigenen Stadion weniger Fans dabei zu haben als der angereiste FC Schalke 04. Die Schalker waren mit mehr als 16.000 Anhängern vor Ort - das waren mehr als Hoffenheim in der gesamten Spielzeit auswärts mitgebracht hat.

Nun ist es sicherlich Fakt, dass viele Traditionsvereine - allen voran die Lauterer und Hamburger - über Jahre so klägliche Misswirtschaft und sportliche Fehlplanung betrieben haben, dass sie sich den Platz unterhalb der besten 18 Teams redlich verdient haben. Dennoch darf man diesen Zustand als Fußballfan bedauern.

Das ist auch keine Geringschätzung der Arbeit von Vereinen wie Darmstadt oder Heidenheim, die aufgrund toller Arbeit auf dem Platz und hinter den Kulissen mit Recht auf der Pole Position im Aufstiegskampf stehen. Es ist einfach nur die Zustandsbeschreibung des deutschen Fußballs in dieser Zeit.

Das lässt die Frage aufkommen, ob es so weitergehen kann. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ist derzeit auf der Suche nach einem Investor. Da werden die Zugpferde FC Bayern München und Borussia Dortmund vielleicht nicht ausreichen, um den gewünschten Preis zu erreichen. Die Zusammensetzung der Beletage des deutschen Fußballs kann nicht im Sinne des Profiligen-Verbands sein. Die DFL sollte diesen Umstand berücksichtigen, wenn es darum geht, wie das TV-Geld in Zukunft verteilt werden soll.