Köln – Antonio Rüdiger nahm seine Aufgabe ernst am Dienstag in Amsterdam, daran konnte kein Zweifel sein. Einmal sprang er vor Mark Flekken herum und tobte und brüllte, um den niederländischen Torhüter nach einem Eckball davon abzuhalten, einen schnellen Gegenangriff einzuleiten und einmal mehr die Räume im Rücken der deutschen Abwehr zu entblößen.
Und es war auch Antonio Rüdiger, der Oranjes Starspieler Memphis Depay an den Grenzen der Legalität bekämpfte. Rüdiger hat mit Chelsea zuletzt Titel um Titel gewonnen, es sollte daher nicht weiter überraschen, dass er sich mit allen bekannten Mitteln in seine Aufgaben verbeißt. Umso bemerkenswerter, dass er nach der Partie zu sehen war, wie er sich mit seinen Kollegen in den Armen lag – vor allem mit den niederländischen, knuddelnd und scherzend.
Ein großes Spiel
Es war auf vielen Ebenen ein großes Spiel. Ausverkauftes Haus in Amsterdam, die Johan-Cruyff-Arena pfiff die deutsche Hymne aus und bedachte die Gästefans mit den üblichen Schmähungen, die sich selbstverständlich nicht gehören. Die aber in ihrer Folklore an den langen Weg erinnerten, den das deutsch-niederländische Verhältnis zurückgelegt hat. Denn während auf den Tribünen zünftig geschimpft und gepfiffen wurde, fand auf dem Rasen ein intensiv geführter Wettstreit statt. Und am Ende lachten alle miteinander, wie beseelt von der Intensität der Emotionen, die nur ein ausverkauftes Fußballstadion bescheren kann. Es war ein Fußballabend, der auch ein Beispiel dafür bot, was über die Jahrzehnte aus einer Feindschaft unter Nachbarn werden kann: Ein gutes Miteinander.
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50 000 Zuschauer im Stadion und bemerkenswerte 8,8 Millionen an den deutschen TV-Geräten erlebten sportlich eine Partie, in der Jamal Musiala verzückte, Müller satt mit links traf und die DFB-Auswahlspieler unter Beweis stellten, dass sie die in Löws Endphase verloren gegangenen Ambitionen unter Hansi Flick wiederentdeckt haben.
Schweinsteigers bizarrer Auftritt
Und obgleich Bastian Schweinsteiger als TV-Experte einmal mehr ein Ehemaligentreffen inszenierte, statt das Spiel zu analysieren und sogar Geschenke an seinen ehemaligen Trainer verteilte, an Bondscoach Luis van Gaal, trugen sogar diese Momente zur Wärme des Abends bei, an dem erbitterte Feinde von einst eine Basis fanden. Ein Freundschaftsspiel im besten Sinne. Auch das kann Fußball.



