Angeführt von Runderneuerer Schindler und Trainer-Ikone Sigurdsson kann der VfL zuversichtlich in die Zukunft blicken, sagt unser Gastautor Kai Wandschneider.
Gastbeitrag von Kai WandschneiderDer VfL Gummersbach macht Lust auf mehr!

Ellidi Snaer Vidarsson, Kreisläufer des VfL Gummersbach, in Aktion
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Der Trabant, aus der Vogelperspektive ein blau-weißer Pinselstrich, der auf dem feingewobenen Klangteppich einer Bluesgitarre zu schweben scheint, kreuzt durch das satte Grün des Oberbergischen Landes. „Wie lange soll ich dich eigentlich noch mitschleppen?“, brummt der Fahrer in seinen Bart. „Du, bis 2029 habe ich eigentlich noch gar nicht so viel geplant“, antwortet die Ray-Ban vom Beifahrersitz knapp und trocken. „Na dann“, zuckt der Einsilbige mit den Schultern. Und die Kamera macht auf, und in der Totalen leuchtet über den Wipfeln der Wälder in Großbuchstaben: „GOGGI BLEIBT“. Was für ein mitreißendes Stück Understatement!
Im Stil eines Roadmovies schreiben der VfL Gummersbach und sein kreativer Kopf und Runderneuerer Christoph Schindler die lang ersehnte Vertragsverlängerung ihrer Trainer-Ikone Gudjon Valur Sigurdsson, angetrieben von der „Kraft der zwei Kerzen“, einträchtig im Zweitakt, fast schon beiläufig an den Himmel. Am Sonntag dann, als es auch in der „Heimat des Handballs“ wieder ernst wurde und die Handball-Bundesliga in ihre 61. Saison startete, wurde der isländische Trainer beim Einzug in die bereits zum 48. Mal in Folge ausverkaufte Schwalbe-Arena schon vor dem Anpfiff gegen Meister Magdeburg mit „Goggi“-Sprechchören gefeiert.
Gummersbach ist der Sponsoren-Champion
Zu Beginn der siebten gemeinsamen Saison weiß der Gummersbacher Anhang nach dem bitteren Abstieg 2019 und drei Jahren in der 2. Bundesliga ganz genau, wer einer der beiden Alchemisten der wundersamen Verwandlung des in der Asche liegenden Traditionsklubs zum Phönix der Liga ist. Laut „Handball-Inside“ liegt der Durchschnitt der Sponsorenerlöse der Top sechs der Handball-Bundesliga bei 7,8 Millionen Euro. VfL-Geschäftsführer Schindler aber ist das Kunststück gelungen, die höchsten Sponsoreneinnahmen unter allen 18 Bundesligisten zu akquirieren und so das Kapazitätshandicap der Heimstätte zu einem beträchtlichen Teil zu kompensieren. „Kreativ handeln“ nennt der Selfmade-Ökonom sein Rezept für den „State of the Art“ des Sportmarketings, mit dem er jetzt schon Maßstäbe in der besten Liga der Welt gesetzt hat.
Auf dem Feld lag der VfL gegen die Eins-gegen-eins-Maschine Magdeburg schnell mit 3:8 zurück. Das 20-jährige Juwel Nikola Roganovic zahlte bei seinem Bundesliga-Debüt Lehrgeld, und Coach Sigurdsson war Ermutigungsbeauftragter und taktischer Pfadfinder, Monitor und Mentor zugleich. Die Einwechslung von Torwartzugang Biosca, zwei Empty-Net-Goals und nicht zuletzt die Topleistungen des Führungstrios Schluroff, Smits und Vidarsson ließen die Halle nach dem 13:13-Ausgleich explodieren und träumen. Wäre da nur nicht Magdeburgs Methusalem Musche gewesen, der, trocken wie der Sand der Börde, die Siebenmeter wie eine Strafe ins VfL-Tor legte, und der „Luftgeist“ Gisli Kristjansson, der immer, wenn man glaubte, ihn (fest-)gestellt zu haben, schon ganz woanders war. Nach ähnlichem Muster waren es vor der Pause zwei, drei überhastete Angriffsaktionen zu viel; in der Crunchtime ging das Strafwurfkalkül (1/4) endgültig nicht auf, als Vujovic nur die Latte traf. Mit „VfL, VfL“-Rufen honorierte das Publikum nach dem Abpfiff die Nehmerqualitäten der Gummersbacher „Stehaufmännchen“.
Auftritt macht Lust auf mehr
Die nächsten Gegner, Rhein-Neckar Löwen und Melsungen, haben keine „Luftgeister“ und „Sandmänner vom Siebener“ in ihren Reihen. Das Wichtigste aber: Die „Kraft der zwei Kerzen“ hat sich längst auf die Fan- und Spielerherzen übertragen. Einsatz und Wille, Arbeit und Struktur haben gestimmt und machen Lust auf mehr. Und Hoffnung auf noch ein bisschen mehr. „Na dann!“

Kai Wandschneider
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Der Autor: Kai Wandschneider (66), wohnhaft in Köln, wurde 2013 und 2017 zum „Trainer der Saison“ in der Handball-Bundesliga gewählt. Er trainierte von 2012 bis 2021 die HSG Wetzlar und entwickelte den Klub zur Überraschungsmannschaft der Liga.


