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DEL-PlayoffsWas die Kölner Haie auszeichnet und wo Luft nach oben ist

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v.l.n.r. Brady Austin Koelner Haie Boaz Bassen Schwenninger Wild Wings Schwenninger Wild Wings gegen Koelner Haie, DEL, PlayOff Viertelfinale, Spiel 3, Saison 2025/2026, 20260329 Schwenninger Wild Wings gegen Koelner Haie, DEL, PlayOff Viertelfinale, Spiel 3, Saison 2025/2026, 20260329 Schwenningen *** f l n r Brady Austin Koelner Haie Boaz Bassen Schwenninger Wild Wings Schwenninger Wild Wings vs Koelner Haie, DEL, PlayOff Quarterfinals, Game 3, Season 2025 2026, 20260329 Schwenninger Wild Wings vs Koelner Haie, DEL, PlayOff Quarterfinals, Game 3, Season 2025 2026, 20260329 Schwenningen Copyright: xEibner-Pressefoto/SvenxLaeglerx EP_SVL

Kölns Brady Austin gegen Boaz Bassen von den Schwenninger Wild Wings.

Die Kölner Haie können mit einem Heimieg gegen Schwenningen ihrem Traum von der Eishockeymeisterschaft näher kommen.

Die Playoff-Zeit ist im Eishockey nicht nur die beste Zeit des Jahres, sondern auch die, in der besonders gern Weisheiten des Sports zum Besten gegeben werden. Das letzte Spiel einer Serie sei immer das schwerste, heißt es zum Beispiel. Natürlich gilt das am Dienstag (19.30 Uhr), wenn die Haie in Spiel vier des Playoff-Viertelfinals in der Lanxess-Arena gegen Schwenningen antreten – und aufgrund ihrer 3:0-Führung in der Serie mit einem weiteren Sieg bereits ins Halbfinale einzögen.  Haie-Stürmer Dominik Bokk bemerkte: „Schwenningen wird uns einmal mehr alles abverlangen, ich erwarte ein enges Duell mit vielen Zweikämpfen auf dem Eis.“ Anders ausgedrückt: Wer nachlässt, verliert. 

Was zeichnet die Haie bisher aus? Ihre Defensive, taktische Disziplin und ihr geduldiges Spiel. In den drei Duellen mit den Wild Wings, die 1:0, 4:2 und 4:2 endeten, kassierten die Kölner erst vier Gegentore, was einem Schnitt von 1,33 entspricht – und dafür spricht, dass Haie-Torhüter Janne Juvonen in diesem Monat zurecht als DEL-Goalie und Spieler des Jahres ausgezeichnet worden ist. Für den KEC spricht außerdem: Zwei der Siege gelangen auswärts, also auf der ungewohnt schmalen Eisfläche in Schwenningen, die 26 statt der üblichen 30 Meter breit ist. In Unterzahl haben die Haie noch keinen Gegentreffer kassiert. Auch ihre Zweikampfquote von 52,09 Prozent ist ansehnlich. Dabei ist Schwenningen ein diszipliniert spielender Gegner, verfügt mit Joacim Eriksson über einen guten Torhüter und hat auch im Sturm Potenzial, etwa mit den kanadischen Spink-Zwillingen.

KEC-Sportdirektor Matthias Baldys resümierte: „Wir haben in den ersten drei Spielen sehr stabil gespielt, mit wenig Schwankungen und Fehlern. Dazu laufen die Special Teams gut und wir haben mit Janne Juvonen einen sehr sicheren Rückhalt im Tor. Es gefällt mir außerdem, dass wir sehr geschlossen als Mannschaft spielen, jeder zum Teamerfolg beiträgt und wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, auch nicht nach Rückständen.“ Schon dreimal lagen die Haie in der Serie zurück – und holten jeweils wieder auf. Genauso wollen sie Spiel vier angehen: „Wir müssen unsere Linie weiterfahren“, meinte Baldys. Die Arena wird am Dienstag mit 18.600 Besuchern ausverkauft sein, zum 17. Mal in der DEL-Saison 2025/26.

Wo ist Raum nach oben? In der Offensive. Die Haie müssen momentan hart für ihre Tore arbeiten, das Momentum, das kleine Stück, das vieles leichter macht, ist noch nicht bei ihnen angekommen. Ihre Schusseffizienz liegt bei 10,23 Prozent. Das ist solide, aber nicht überragend. Der Kölner Topmittelstürmer Gregor MacLeod spielt mit Vollvisier – er soll im Training einen Schuss ins Gesicht bekommen haben. Es scheint ihn zu behindern, jedenfalls ist er noch nicht recht in Schwung gekommen. Ähnlich ergeht es seinem Reihenkollegen Patrick Russell, der sein Potenzial ebenfalls nicht ausschöpft. Das schlägt sich auch im Powerplay nieder, in dem die Kölner in der Hauptrunde auf eine Quote von 31,21 Prozent kamen, derzeit aber bei 12,5 Prozent liegen. Kein Grund zur Beunruhigung, meinte Baldys: „Am Ende ist es entscheidend, dass wir diszipliniert sind und defensiv denken. Wir wollen kreieren, aber wir dürfen keine Fehler machen und nicht ins offene Messer laufen.“ Zudem warfen sich die Stürmer der vierten Reihe um Dominik Uher, Robin van Calster und Parker Tuomie stark in die Partie. Letzterer bereitete am Sonntag beim 4:2 in Schwenningen zwei Treffer vor. Und ohnehin gilt in den Playoffs: Offense wins games, defense wins championships: Angriff gewinnt Spiele, Verteidigung gewinnt Meisterschaften.

Wie könnte es weitergehen? Sollten die Haie schon am Dienstag den Halbfinaleinzug schaffen und Schwenningen aus dem Wettbewerb fegen, hätten sie anschließend acht Tage spielfrei. Das Halbfinale beginnt am 8. April, die Heimspiele in Köln würden am 10. und 15. April stattfinden. Es wäre eine lange Pause – die jedoch helfen könnte, wichtige Spieler fit zu bekommen. Etwa den finnischen Playoff-Kämpfer Juhani Tyrväinen, der angeschlagen ist. In Viertelfinalspiel eins in Schwenningen war er, nachdem Keeper Eriksson ihn gefoult hatte, in die Bande geprallt. Auch Ryan MacInnis, Mittelstürmer der vierten Reihe, könnte zurückkehren; er hatte sich im Training verletzt.

Mit wem es die Haie in der Runde der letzten vier zu tun bekommen, ist noch offen. Fest steht nur, dass die Kölner als Hauptrundenerster auf das in der Tabelle am niedrigsten platzierte Team treffen werden. Möglich wäre ein Duell mit den Eisbären Berlin, dem Tabellensechsten und Titelverteidiger, sofern sie sich in der Serie gegen den Dritten Straubing Tigers durchsetzen. Und Mannheim (Zweiter) gleichzeitig Bremerhaven (Siebter) besiegt, wonach es aussieht, da die Adler in der Serie 3:0 führen.  Den Haien wäre ein Wiedersehen mit Berlin wohl recht: Im vergangenen Jahr verloren sie mit einem durch Verletzungen dezimierten Kader das Playoff-Finale gegen die Eisbären - und würden sich dafür gern revanchieren.