Der 43 Jahre alte Sportdirektor des KEC hat das aktuelle Kölner Team konzipiert, das in der DEL von Sieg zu Sieg eilt.
KEC-Manager Matthias BaldysDer Architekt des Haie-Erfolgs

Matthias Baldys, Sportdirektor der Kölner Haie
Copyright: Arton Krasniqi
Es läuft bei den Kölner Haien sportlich gerade so gut, dass es fast unheimlich wirkt. Seit zehn Spielen sind die KEC-Profis ungeschlagen, seit Mitte November punkteten sie in jeder Partie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Mit 83 Punkten aus 37 Spielen sind sie Tabellenführer.
Haie-Sportdirektor Matthias Baldys (42), Architekt dieses erfolgreichen Teams, ordnet die Situation nüchtern ein: „Unsere aktuelle Lage ist eine schöne Momentaufnahme, auf die wir ein Stück weit stolz sein können. Mehr aber auch nicht.“ Das ist folgerichtig, denn im Eishockey geht es nicht darum, im Januar Erster zu sein. Entscheidend ist, die Form kontinuierlich weiterzuentwickeln – und nach 52 Hauptrundenspielen im März bestmöglich in die Playoffs zu gehen.
Dennoch steuert Baldys schon jetzt auf den inoffiziellen Titel des DEL-Managers des Jahres zu. Die Haie-Mannschaft, trainiert vom Finnen Kari Jalonen, wirkt so gefestigt, dass ein krasser Leistungseinbruch unwahrscheinlich erscheint. Sämtliche Transfers haben gesessen: Die elf neuen Profis, die vor oder während der DEL-Saison 2025/26 nach Köln kamen, haben sich ohne Ausnahme bewährt. Enttäuschungen gab es keine. Manche Zugänge sind Eckpfeiler des Erfolgs – wie der dänische Torjäger Patrick Russell oder der finnische Torhüter Janne Juvonen.
Alles zum Thema Deutsche Eishockey Liga
- KEC-Manager Matthias Baldys Der Architekt des Haie-Erfolgs
- DEL-Winter Game Belohnung Winter Game: Ost-Eishockey lebt trotz Misere
- Eishockey Quartett der Kölner Haie darf sich auf Olympia freuen
- Eishockey bei Olympia NHL-Stars im Olympia-Kader: DEL-Topscorer bleiben zu Hause
- Zehnter Sieg in Serie Kölner Haie beschenken Coach Jalonen mit 4:2 in Nürnberg
- Vertrag verlängert MacLeod bleibt Eishockey-Bundestrainer über Olympia hinaus
- KEC mit 80 Punkten nach 36 Spielen Kölner Haie üben sich trotz Rekord in Zurückhaltung
Wie gelang es Baldys, so treffsicher zu scouten? „Wir nutzen ein breites Netzwerk, national und international, in Nordamerika, Skandinavien, der Schweiz, Tschechien oder auch der Slowakei“, sagt er. „Dazu kommen interne Experten im Klub. Am Ende trage ich die Verantwortung, aber Entscheidungen entstehen auf Basis vieler Informationen.“ Das Thema Kaderplanung sei komplex: „Viele Spieler identifiziert man selbst, andere werden über Berater angeboten.“
Auch persönliche Kontakte helfen bei der Kaderplanung
Oder über persönliche Kontakte. Der kanadische Mittelstürmer Nate Schnarr wurde Baldys zum Beispiel schon vor ein paar Jahren von Marco Sturm empfohlen, dem heutigen Coach der Boston Bruins in der NHL. Als Schnarr dann auf den Markt kam, schlug Baldys zu.
Auch der Trainer ist eingebunden, bei den Haien insbesondere bei Transfers finnischer Profis. So setzte sich Jalonen für die Verpflichtung seines Landsmanns, Torhüter Juvonen, ein, als im Oktober ein Goalie gesucht wurde. „Es gibt Fälle, in denen Trainer Hinweise geben oder gezielt nach Spielern fragen. Grundsätzlich liegt der Fokus aber darauf, den Markt aktiv zu beobachten und vorbereitet zu sein“, sagt Baldys.
Seit der Spielzeit 2021/22 ist er bei den Haien angestellt. Zunächst firmierte er unter dem Titel „Direktor Hockey Operations“, im April 2024 wurde er zum Sportdirektor des KEC befördert. Geboren wurde Baldys im oberschlesischen Siemianowice Śląskie in Polen. Im Alter von fünf Jahren kam er mit seinen Eltern als Spätaussiedler nach Deutschland, in den Kreis Wesel. Dort begann er, Eishockey zu spielen.
Als Jugendlicher bei den Junghaien
Mit 14 Jahren wechselte er zu den Junghaien. Als Erwachsener spielte er in der Oberliga unter anderem für Grefrath und Bad Nauheim. Parallel dazu absolvierte er an der Deutschen Sporthochschule Köln ein Diplomstudium der Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ökonomie und Management. Bevor er zu den Haien kam, arbeitete er neun Jahre als Teammanager und später als Sportdirektor des EC Bad Nauheim, überwiegend in der Zweiten Liga.

Torjubel des Finnen Valtteri Kemilainen nach einem Treffer gegen Frankfurt
Copyright: IMAGO/Eibner
Da Baldys keine Erfahrung in der DEL hatte, gingen die Haie mit seiner Verpflichtung ein Wagnis ein. In seiner Anfangszeit stand er im Schatten von Trainer Uwe Krupp. Nach dessen Entlassung nach der Saison 2023/24 entschied sich Baldys für den Finnen Jalonen – seine bisher wohl wichtigste Entscheidung. Der strenge Systemcoach an der Bande und Baldys, der unermüdlich nach Spielern für die Haie sucht, ergänzen sich ausgezeichnet. Noch, muss man sagen.
Denn Jalonen wird den KEC nach der Saison verlassen und als Coach von Tappara Tampere arbeiten. Es beginnt damit ein neues Kapitel beim KEC. Wahrscheinlich mit dem schwedischen Trainer Thomas Berglund, den Baldys bereits verpflichtet haben soll, wie zuerst in Schweden berichtet wurde. Baldys sagt dazu bislang nichts – außer: „Kein Kommentar.“

