Nach dem 2:5 gegen Jahn Regensburg zum Drittliga-Auftakt übt Franz Wunderlich deutliche Kritik am Team.
Viktoria Köln„Das war bodenlos, so kannst du nicht verteidigen“

Erwischten keine guten Tage gegen Regensburg: Viktorias Abwehrspieler Tobias Eisenhuth (oben) und Tim Kloss
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Im Sportpark Höhenberg lief am Samstagnachmittag zum Saisonstart aus Sicht des FC Viktoria Köln alles schief, was nur schieflaufen konnte. Die eigene Defensive präsentierte sich löchrig wie lange nicht. Beim SSV Jahn Regensburg galt das Motto: jeder Schuss ein Treffer. Schiedsrichter Lennart Kernchen erwischte einen fürchterlichen Tag. Und Viktorias Königstransfer Pascal Fallmann verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners vermutlich schwer am Sprunggelenk. Entsprechend wütend war Franz Wunderlich nach der Kölner 2:5 (0:2)-Heimpleite zum Drittliga-Auftakt.
„Das war bodenlos. Wenn du so gegen den Ball spielst wie wir, dann hast du keine Chance“, ärgerte sich Viktorias Sportvorstand. Seine Mannschaft habe sich die Niederlage, trotz aller externer Einflüsse, komplett selbst zuzuschreiben. „Wie wir dann die Tore bekommen – ganz ehrlich: So kannst du nicht verteidigen, bei aller Liebe. Das ärgert mich maßlos, wir verschenken die Gegentore.“ Wunderlich fühlte sich in einer dunkeln Vorahnung bestätigt: „Wenn du so eine Vorbereitung spielst, mit diesen Leistungen und diesen guten Ergebnissen – du hast immer wieder Spieler dabei, die damit nicht umgehen können. Das hat das Spiel heute wieder bewiesen.“
Niklas Castelle vergibt Großchance zum 1:0
Dabei hatte in den ersten Minuten nichts auf ein Heimdebakel hingedeutet – im Gegenteil. Die Viktoria war gut ins Spiel gekommen und hätte durch Niklas Castelle, der einen Rückpass erahnte, den Regensburger Keeper umkurvte und aufs leere Tor zulief, in Führung gehen müssen. Doch der Neuzugang zögerte zu lange und scheiterte am blockierenden Leopold Wurm (5.). Nach der anschließenden Ecke hätte es Elfmeter für Köln geben müssen, doch Kernchens Pfeife blieb trotz eines Fouls an Lucas Wolf stumm.
Nach einer Trinkpause, die laut Viktoria-Angaben nach einer Absprache mit Schiedsrichter Kernchen eigentlich nicht für eine Taktikbesprechung hätte genutzt werden dürfen, Jahn-Coach Sascha Hildmann aber genau das tat, gingen die Gäste in Führung: Die Kölner hatten einen Einwurf nicht verteidigt bekommen, Lucas Hermes tankte sich durch und schloss flach und trocken ab (28.). Wenig später hätte der bereits verwarnte Erik Majetschak nach einem Foul mit Gelb-Rot vom Platz gestellt werden müssen, doch Kernchen ließ Gnade vor Recht walten und erlaubte Hildmann, seinen Profi auszuwechseln. In der 38. Minute war Hermes dann auf der linken Seite unterwegs, Viktorias an diesem Tag nur körperlich anwesender Verteidiger Tobias Eisenhuth verweigerte den Zweikampf – der nächste Flachschuss schlug zum 2:0 ein (38.).
Pascal Fallmann nach Verletzung bepöbelt
Kurz vor dem Pausenpfiff verletzte sich dann Fallmann an der Außenlinie beim verunglückten Versuch, den Ball zu stoppen. „Das ist noch schmerzhafter als die Niederlage“, meinte Kapitän David Otto. Wie lange der rechte Flügelspieler ausfällt, war am Sonntag noch unklar. Eine MRT-Untersuchung am Montag soll Aufschluss über das Ausmaß der Verletzung bringen. Dass es Fallmann schlimm erwischt hatte, war sofort klar – dennoch ließ sich ein Regensburger Profi zu Beschimpfungen hinreißen, was zu einer Rudelbildung vor der Viktoria-Bank führte.
Ein Wachrüttler? Diesen Eindruck hätte man zu Beginn der zweiten Halbzeit bekommen können. Castelle brachte die Viktoria in der 53. Minute per Abstauber zurück ins Spiel. Doch die Zuversicht wurde umgehend vom abermals schlimmen Kölner Defensivverhalten in Trümmer gelegt. Mittelfeldspieler Adrian Fein durfte, unbehelligt von Viktoria-Routinier Taylan Duman, einen Angriff initiieren und ihn nach schöner Kombination zum 3:1 abschließen (58.). Der Ex-Viktorianer David Philipp erhöhte nach erneut katastrophalem Zweikampfverhalten von Eisenhuth auf 4:1 (66.). Einen Elfmeter, in dessen Entstehung Tim Kloss eine Hand ins Gesicht bekam, verwandelte Fein zum 5:1 (74.) – das Debakel nahm Formen an. Immerhin gab sich die Viktoria nicht auf, gerade die Joker brachten noch einmal frischen Wind. In der 82. Minute markierte der eingewechselte Noah Maboulou auf Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Alexander Prokopenko den 2:5-Endstand. Weitere Großchancen ließen die Kölner in der Schlussphase ungenutzt.
Sportvorstand Wunderlich hofft auf einen schnell einsetzenden Lerneffekt: „Wir bekommen lieber jetzt mal einen auf die Schnauze und ziehen dafür unsere Lehren daraus.“
Viktoria Köln: Schulz - Sponsel, Eisenhuth, Kloss (89. Boboy) - Fallmann (46. Gueye), Duman (65. Maboulou), Swider, Jakob - Castelle (65. Prokopenko), Wolf (83. Jahn) - Otto. – Zuschauer: 3267. – Tore: 0:1 Hermes (28.), 0:2 Hermes (38.), 1:2 Castelle (53.), 1:3 Fein (58.), 1:4 D. L. Philipp (66.), 1:5 Fein (74./Foulelfmeter), 2:5 Maboulou (82.).

