Der Höhenberger Drittligist ist am Samstag zu Gast in Essen. Verteidiger Eisenhuth freut sich auf die RWE-„Kanten“.
Viktoria KölnWie Tobias Eisenhuth vom Aussortierten zum Abwehrchef wurde

Überzeugender Auftritt beim 4:1 über Münster: Viktorias Tobias Eisenhuth (r.)
Copyright: IMAGO/DeFodi Images
Eine erstaunliche Wandlung hat Tobias Eisenhuth beim FC Viktoria Köln in den vergangenen Monaten vollzogen: vom Aussortierten zum Abwehrchef. Ende der vergangenen Saison hatte sich der Höhenberger Drittligist zunächst gegen eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags entschieden – der meist im Mittelfeld eingesetzte Defensiv-Allrounder verfügt einfach nicht über die für das anspruchsvolle Spiel der Kölner benötigte Wendigkeit und Schnelligkeit. So gab es vor dem letzten Liga-Heimspiel der vergangenen Saison einen Händedruck und eine Fotocollage für Eisenhuth. Beim 24 Jahre alten Berliner sah es kurzzeitig nach einem sportlichen Neuanfang aus.
Lars Dietz hinterließ mit Abschied eine Lücke
Doch dann änderten sich die Dinge in Höhenberg. Kapitän Christoph Greger hatte weiter mit den Auswirkungen seiner Sprunggelenks- und Rückenprobleme zu kämpfen. Und Stellvertreter Lars Dietz schlug ein Verlängerungsangebot aus und wechselte zum belgischen Zweitligisten Patro Eisden. Plötzlich stand die Viktoria ohne Abwehrchef da. Doch Trainer Marian Wilhelm hatte Eisenhuths stärkste Auftritte nicht vergessen – die hatte er in der letzten Linie gezeigt. Es folgten Gespräche, um den 24-Jährigen von einer Rückkehr in neuer Rolle zu überzeugen. „Man sieht schon in den ersten Spielen, dass es die richtige Entscheidung war und wir großes Vertrauen in ihn haben“, sagt Trainer Wilhelm kurz nach dem Start in die neue Saison.
Zunächst war der Eindruck jedoch ein anderer: Beim 2:5 gegen Jahn Regensburg zum Auftakt war Eisenhuth mit der Mannschaft untergegangen, ihm war fast jeder denkbare Fehler unterlaufen. Doch Wilhelm hielt an seinem neuen Abwehrchef fest. „Das erste Spiel hat uns die Augen geöffnet, dass uns nichts geschenkt wird in dieser Liga“, sagt Eisenhuth. „Dann haben wir eine sehr gute Reaktion gezeigt und von der Art und Weise den Fußball gespielt, den wir zeigen möchten.“ Und auch der in Cottbus ausgebildete Verteidiger ging von Spiel zu Spiel immer besser in seiner neuen Rolle als zentraler Mann der Dreierkette auf. „Es ist eine Position, die mir liegt, weil ich sehr viel vor mir habe und sehr viel sehe, mit Ball und gegen den Ball“, sagt Eisenhuth. „Mir macht es sehr viel Spaß, die Jungs von hinten anzuleiten und Verantwortung zu übernehmen.“
„Das Herzstück unseres Spiels“
Coach Wilhelm spricht von einer „Fantasie“, die er mit Eisenhuth als Chef der Defensive hatte. „Gerade im deutschen Fußball geht der Innenverteidiger so ab 1,90 Meter los. Das ist Eise nicht“, sagt der Trainer. „Aber er hat viele Qualitäten, die uns helfen.“ Der 24-Jährige sei mobil und konsequent in Zweikämpfen, dominant in der Luft und habe dennoch die fußballerische Qualität, „die unser Spiel braucht“. Die Kombination sei nicht so leicht zu finden, „weshalb wir ihm den Positionswechsel auch noch einmal ans Herz gelegt“ hätten. „Zu Recht“, wie Eisenhuth heute sagt. „Auch wenn wir gerne Fußball spielen, ist die stabile Defensive das Herzstück unseres Spiels“, meint Wilhelm.
Am Samstag könnte Viktorias Abwehr vor wortwörtlich große Herausforderungen gestellt werden. Die Höhenberger sind zu Gast an der Hafenstraße bei Rot-Weiss Essen (16.30 Uhr). Mit dem dritten Drittliga-Sieg in Folge könnte sich die Viktoria im oberen Tabellenbereich festsetzen. Doch auch RWE um Trainer Uwe Koschinat hat große Ambitionen – und wuchtige Angreifer: Marek Janssen (1,95 Meter), Semir Telalovic (1,87 Meter), Jaka Potocnik (1,89 Meter). „Es wird ein absolut körperliches Spiel gegen die Kanten da vorne drin“, prophezeit Eisenhuth mit einem großen Schuss Vorfreude.

