Der Fifa-Präsident wird den Fußball so lange nach seinem Willen formen, bis ihm jemand Einhalt gebietet.
Widerstand gegen InfantinoDie Uefa ist keine klassische Heldin, trägt aber nun die Hoffnungen


Uefa-Chef Aleksander Čeferin (links) und Fifa-Präsident Gianni Infantino
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Gianni Infantino will Investoren aus dem familiären Umfeld Donald Trumps Anteile einer Gesellschaft verkaufen, die künftige Fußball-Weltmeisterschaften kontrolliert. Um noch mehr Geld zu scheffeln, seine Macht zu festigen und sich womöglich für seine Post-Fifa-Zeit ein gutbezahltes Plätzchen an der Spitze jener Gesellschaft zu sichern. Die Pläne hat der Schweizer offenbar still und heimlich im Alleingang vorangetrieben, um die Fußballwelt vor vollendete Tatsachen zu stellen – bis zum 19. September sollen die Fifa-Mitgliedsverbände seinem Plan zustimmen, ein „Ja“ wird vom Chef fürstlich belohnt.
Logische Weiterentwicklung von Sepp Blatters Fifa
So moralisch verwerflich Infantinos Vorgehen einmal mehr ist, so wenig darf es überraschen. Der Sonnenkönig macht, solange ihn niemand daran hindert, was er will. Es ist die logische Weiterentwicklung des Weltverbands, die unter seinem im Vergleich beinahe moralisch integer wirkenden Vorgänger Sepp Blatter mit der WM-Vergabe nach Russland und Katar begann. Infantino hat nur zwei Gänge hochgeschaltet und sämtlichen Schein, auch nur im Ansatz auf die Vermischung von Sport und Politik zu verzichten, abgelegt. Der Fifa-Präsident sucht die Nähe zur Macht – egal wie korrupt oder brutal sie zelebriert wird: Vladimir Putin 2018, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani 2022, Donald Trump 2026. Infantino bietet eine gewaltige Show und Ablenkung, die Gastgeber können unbeschwert Sportswashing betreiben und bleiben im Anschluss Verbündete des Schweizers. Infantino hatte sich trotz des anhaltenden Angriffskriegs gegen die Ukraine wiederholt für eine Rückkehr russischer Teams in internationale Wettbewerbe ausgesprochen. Und das Fundament seiner Investoren-Pläne ist augenscheinlich die freundschaftliche Verbindung ins Trump-Lager.
Parallel wird die WM-Kommerzialisierungs-Schraube bis zum Anschlag gedreht: Mehr Teams, mehr Spiele, teurere Tickets, mehr Werbung („Hydration-Breaks“). Logisch wäre nur, dass eine von Rendite-getriebenen Investoren mitkontrollierte WM-Gesellschaft das Turnier künftig noch weiter aufblasen und in einem schnelleren Rhythmus austragen lassen würde. Vorstellbar ist in Infantinos Welt inzwischen alles. Der 56-Jährige verkauft seinen Plan als „Demokratisierung des Fußballs“, wobei das Demokratie-Verständnis des Schweizers eindeutig ist: Für „Ja“-Stimmen wird Geld in Aussicht gestellt. Und das können kleine Nationalverbände, die auf die großzügigen Zuwendungen der Fifa angewiesen sind, kaum ablehnen.
Europa braucht eine vereinte Front aus Verbänden, Klubs und Profis
Anders ist die Lage bei der Uefa und den europäischen Nationalverbänden. Sie hängen nicht am Tropf der Fifa und haben in der Theorie das Zeug zu Anführern eines organisierten Widerstands gegen Infantino. Markige Worte in Richtung Weltverband und Sorgen um den Ausverkauf des Fußballs äußerten jüngst unter anderem Uefa-Chef Aleksander Čeferin, DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Multi-Funktionär Hans-Joachim Watzke und Bayern-Boss Max Eberl. Sie alle stehen nicht im Verdacht, den Fußball grundsätzlich zu romantisieren. Wenn selbst sie rote Linien überschritten sehen, ist klar, in welchen Sphären sich Infantino bewegt.
Wenn sich der Fußball nicht weiter dem Fifa-Alleinherrscher ausliefern möchte, müssen die Europäer ihren Worten endlich Taten folgen lassen – als vereinte Front aus Verbänden, Klubs und Profis. In Europa sind die größten Vereine und spektakulärsten Fußballer beheimatet. Es ist Zeit, dieses Druckmittel gegen Infantino einzusetzen, einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahl 2027 aufzustellen und, wie am Donnerstag angekündigt, mit einem Boykott von Fifa-Turnieren zu drohen.
Erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit gibt es: Als die DFL 2024 Investoren ins Boot holen wollte, rebellierten die deutschen Fußballfans mit Tennisbällen, 2021 hatten sich weite Teile der Europäer mit einer Stimme und Erfolg gegen die von zwölf Spitzenklubs geplante Super League gestellt. Nun liegt die Hoffnung auf der Uefa. Keine klassische Heldin, aber immerhin vertrauenswürdiger als Infantinos Fifa.


