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Franziska Schuster„Das ist in meinem Kopf nicht angekommen - ich dachte, es wäre ein Traum“

3 min
25.07.2026, Nordrhein-Westfalen, Bochum: Leichtathletik: Deutsche Meisterschaft im Lohrheidestadion, Frauen, 100 Meter Hürden, Finale, Franziska Schuster reagiert. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Franziska Schuster vom TSV Bayer Leverkusen nach ihrem DM-Titel im Hürdensprint. 

Die Hürdensprinterin des TSV Bayer Leverkusen spricht im Interview über ihren DM-Titel und ihre Ambitionen bei den Europameisterschaften in Birmingham.

Frau Schuster, haben Sie mal darüber nachgedacht, ein Bild des Wattenscheider Lohrheidestadions in Ihrer Wohnung aufzuhängen? Immerhin sind Sie dort im vergangenen Jahr im Halbfinale der Universiade persönliche Bestzeit gelaufen und nun haben Sie bei den Deutschen Meisterschaften in einer Fabelzeit den Titel gewonnen.

Franziska Schuster: Es wäre sicherlich witzig, wenn hier ein Bild vom Lohrheidestadion hängen würde. Aber ich glaube eher nicht, dass das passieren wird. Ich bin nicht der Typ, der Bilder von der Leichtathletik aufhängt, außerdem wohne ich in einer WG. Wir haben überhaupt nur ein Bild an der Wand und das hat nichts mit mir oder Leichtathletik zu tun. Übrigens hat nicht nur das Stadion einen besonderen Stellenwert, sondern auch der Zeitpunkt. Die beiden Rennen haben exakt am selben Tag des Jahres stattgefunden. Das ist mir später aufgefallen. Dass ich das Lohrheidestadion kannte, hat mir bei der DM auf jeden Fall geholfen. Ich konnte mich gut auf die Atmosphäre und Gegebenheiten einstellen.

Nach dem Blick auf die Anzeigetafel wirkte es so, als könnte Sie selbst kaum glauben, was Ihnen gerade gelungen ist. Was waren Ihre ersten Gedanken?

Ich wusste, dass ich gewonnen hatte. Als ich die Zeit von 12,69 Sekunden gesehen habe, habe ich aber überhaupt nichts mehr verstanden. Das ist in meinem Kopf erstmal nicht richtig angekommen. Ich musste mich kurz auf den Boden legen und das Geschehen verarbeiten. Dann bin ich losgelaufen, um meinen Vater zu suchen. Ich habe ihn schnell auf der Tribüne gefunden und dann kamen auch schon die ersten Gratulanten. Es war alles verrückt. Ich dachte, es wäre ein Traum und gleich käme jemand, um mich aufzuwecken.

Gerade im Hürdensprint ist die Konkurrenz einfach riesig – national und international. Wir sind alle fast gleich stark. Es kommt nur auf den Kopf und Willen an. Man darf sich keine Fehler erlauben
Franziska Schuster

Es war aber kein Traum. Sie hatten den Meisterschaftsrekord von Pamela Dutkiewicz aus dem Jahr 2018 eingestellt und die Tür für die EM-Teilnahme in Birmingham aufgestoßen, während es für Ihre Leverkusener Vereinskollegin Marlene Meier Fünfte wurde. Mussten Sie Ihre Trainingspartnerin trösten?

So brutal ist der Leistungssport, da liegen Glück und Leid sehr nah beieinander. Ich habe die Situation ja auch schon umgekehrt erlebt. Gerade im Hürdensprint ist die Konkurrenz einfach riesig – national und international. Wir sind alle fast gleich stark. Es kommt nur auf den Kopf und Willen an. Man darf sich keine Fehler erlauben. Andererseits muss man sagen, ohne diese Konkurrenz entstehen diese Zeiten nicht. Jeder muss seinen Weg finden, mit dem Druck umzugehen.

Mit welchen Ambitionen brechen Sie nach Birmingham auf?

Zunächst einmal freue mich sehr auf die EM. Nach der Deutschen Meisterschaft musste ich erstmal Ruhe in mich und meinen Körper bringen. Und ich habe mich gefragt, wie ich dort an den Wettkampf herangegangen bin und was ich von diesen Erlebnissen mitnehmen kann. Einiges habe ich schon verstanden. Ich muss versuchen, einfach Spaß zu haben und einfach machen. Dann schaue ich, was herauskommt. So habe ich es auch bei der DM gemacht.

Nach der Universiade 2025 haben Sie gesagt, es habe sich unfassbar gut angefühlt, im Deutschland-Trikot auf die Bahn zu gehen. Ist allein das Dabeisein das harte Training wert?

Dabei zu sein, ist nicht immer alles. Aber Chancen entstehen eben erst, wenn man dabei ist. Es ist also der erste Schritt. Mit der Universiade war ich sportlich nicht zufrieden. Im Finale war von Platz eins bis sechs alles drin – ich bin Sechste geworden. Aus den Erfahrungen von damals muss ich lernen.

Wie wichtig ist eine EM-Teilnahme, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und vielleicht für Sponsoren interessant zu werden?

Dort zu starten, kann schon wichtig sein, aber ich mache mir deswegen keinen Druck. Ich kann nur mein Bestes geben und schauen, ob es für weiteres Interesse reicht. Die Bühne ist gegeben, die Gedanken an Sponsoren und Ausrüster dürfen jedoch nicht zu sehr im Kopf sein.

Welche Ziele verfolgen Sie in diesem Jahr nach der EM noch?

Am 29. August werde ich auf jeden Fall beim Istaf in Berlin laufen. Danach ist dann wohl Schluss. In Berlin will ich Spaß haben und einen guten Abschluss finden. Ich denke aber von Tag zu Tag – da ist das Istaf noch ziemlich weit weg.