Im Juni startet die Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Jetzt mehren sich Stimmen, die von einem Besuch abraten.
WM 2026 trotz Trumps Kurs?Auswärtiges Amt passt Reisehinweise für USA an – Ex-FIFA-Boss rät von Reisen ab

US-Präsident Donald Trump lächelt, nachdem er bei der Auslosung einen Zettel mit dem Wort „USA“ aus einem Topf gezogen hat.
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Die beiden jüngst in Minneapolis durch ICE-Agenten erschossenen US-Amerikaner dürften nicht der letzte Vorfall dieser Art in den USA gewesen sein: Seit Präsident Donald Trump Bundesbeamte auf der Jagd nach illegalen Einwanderern in zumeist demokratisch regierte Städte schickt, mehren sich die Stimmen, die die Lage in den USA als unsicher einstufen.
Am Montag hat auch das Auswärtige Amt reagiert und die Reisehinweise für die USA angepasst. Auf der Website des Ministeriums heißt es jetzt: „In Minneapolis und in anderen Städten kommt es bei Demonstrationen teils zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Migrations- und Sicherheitsbehörden.“
Reisenden in die betreffenden Regionen der USA rät das Auswärtige Amt, wachsam zu sein und sich von Menschenansammlungen, etwa Demonstrationen, „in deren Umfeld es möglicherweise zu Gewalt kommen könnte“, fernzuhalten. Es gelte, sich ruhig zu verhalten und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden Folge zu leisten. Außerdem sollten Reisende ihren Reisepass stets bei sich tragen.
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Blatter rät von Reisen in die USA ab
In Hinblick auf die im Juni beginnende Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird ob der angespannten Lage in den Vereinigten Staaten auch ein Fernbleiben von dem Turnier diskutiert.Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst X zu Wort. Dort schrieb der Schweizer: „Für die Fans gibt es nur einen Ratschlag: Bleibt den USA fern.“

US-Präsident Donald Trump (l.) erhält den FIFA-Friedenspreis von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der Verband hatte den Preis eigens für Trump geschaffen.
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Genau das wird die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Bettina Lugk, offenbar tun. Sie werde die Fußballweltmeisterschaft nicht besuchen, wird Lugk im „Spiegel“ zitiert. Von einem allgemeinen Boykott halte sie jedoch nichts, hätte sich aber vom DFB als Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen, etwa den von der FIFA geschaffenen und an Trump überreichten Friedenspreis, eine kritischere Begleitung gewünscht, heißt es weiter von Lugk.
Deutsche Parteien lehnen Boykott der Weltmeisterschaft ab
Innerhalb der deutschen Parteieinlandschaft gibt es zwar vereinzelte Stimmen, die einen Boykott der WM durch die deutsche Fußballnationalmannschaft fordern, eine Mehrheit jedoch findet sich für die Idee in keiner Partei. Manche, etwa CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt, knüpfen eine Debatte über einen Boykott an die weitere Entwicklung in den USA. Dabei geht es nicht nur um die ICE-Einsätze im Inneren, sondern auch um Trumps Außenpolitik – etwa bezogen auf Grönland.
Hardt könne sich nicht vorstellen, sagte er dem Deutschlandfunk, dass man im Sommer friedlich in den USA feiere, sollte Trump vorher die Insel völkerrechtswidrig annektiert haben. Dann, so Hardt, müsse man prüfen, „ob man an solchen Spielen teilnehmen kann“.

Ein Kärtchen mit Bildern von Renée Good und Alex Pretti liegt zwischen Blumen und anderen Erinnerungsstücken an einem Mahnmal in Minneapolis. Am 24. Januar hatten Bundesagenten Alex Pretti, einen 37-jährigen Intensivpfleger, auf einer vereisten Straße in Minneapolis bei einem Zusammenstoß erschossen, nur wenige Wochen nachdem ein Einwanderungsbeamter ebenfalls eine 37-jährige Frau, Renée Good, in ihrem Auto getötet hatte.
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„Ein WM-Boykott ist eine Schnapsidee“, sagte hingegen Hardts Parteifreund, der Hamburger Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß, dem „Spiegel“. Auch in der SPD, bei den Grünen oder den Linken stößt die Idee eines Boykotts der Nationalmannschaft bisher nicht auf breite Zustimmung. Vielmehr müsse es eine Strategie geben, mit der Deutschland Trumps Politik wirksam entgegentreten könne, heißt es dort unisono.
Der Grünen-Abgeordnete Boris Mijatovic brachte zudem einen politischen Boykott als möglichen Teil einer Gesamtstrategie gegenüber Trump ins Spiel: „Das Fernbleiben deutscher Regierungsvertreter bei den deutschen WM-Spielen in den USA kann dann natürlich ein Teil dieser Strategie sein“, sagte der Grünen-Außenpolitiker dem RND.
Göttlich mit Vorstoß – Neuendorf reagiert ungehalten
„Ich persönlich würde raten, nicht zu fahren, aufgrund der jetzigen Situation, wie sie sich jetzt in dem Land darstellt“, sagte derweil Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und Vizepräsident des DFB, der auch im Liga-Vorstand sitzt, am Samstagabend in der Sportschau.
DFB-Präsident Bernd Neundorf reagierte umgehend: „Es ist eine Stellungnahme eines einzelnen Vertreters, in der Tat aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden.“ Göttlich sprach in einer Reaktion unterdessen davon, keinen Boykott gefordert zu haben, sondern eine Debatte anstoßen zu wollen – und diese müsse der DFB aushalten. (kgoo)

