Der Italiener Andrea Kimi Antonelli hat Formel-1-Geschichte geschrieben. Mit gerade einmal 20 Jahren sicherte sich der Mercedes-Pilot in Mexiko den WM-Titel und löste damit Sebastian Vettel als jüngsten Weltmeister der Königsklasse ab. Doch wer ist der junge Rennfahrer, der eine ganze Motorsportnation begeistert?
Am Sonntag (1. November 2026) reichte Antonelli beim Großen Preis von Mexiko ein dritter Platz, um sich vorzeitig die Fahrer-Weltmeisterschaft zu sichern. „Wir haben es geschafft. Ohne Mercedes und ohne meine Familie wäre ich nicht hier. Ich bin für diesen Moment unglaublich dankbar. Es ist ein Moment, der für immer bleiben wird. Mir fehlen die Worte. Ich versuche gerade erst zu begreifen, was eben passiert ist“, sagte der Italiener nach seinem Triumph.
Vier Rennen vor Saisonende war Antonelli der Titel nicht mehr zu nehmen. Mit 20 Jahren und 68 Tagen unterbot er den bisherigen Rekord von Sebastian Vettel, der 2010 im Alter von 23 Jahren und 134 Tagen erstmals Weltmeister geworden war.
Für Italien ist der Triumph ebenfalls historisch. Seit Alberto Ascari 1953 hatte kein italienischer Fahrer mehr die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen. Antonelli beendete damit eine 73 Jahre währende Wartezeit. Dass ihm dieses Kunststück ausgerechnet als Mercedes-Pilot und nicht in einem Ferrari gelang, tat der Begeisterung in seiner Heimat keinen Abbruch.
Kimi Antonelli: Woher kommt der Formel-1-Star?
Andrea Kimi Antonelli wurde am 25. August 2006 in Bologna geboren. Der Motorsport spielte in seiner Familie schon früh eine wichtige Rolle: Sein Vater Marco Antonelli ist selbst Rennfahrer und betreibt ein eigenes Motorsportteam.
„Papa ist für mich ein Fels in der Brandung. Er hat mir die Leidenschaft für diesen Sport vermittelt. Als Kind bin ich mit ihm an die Rennstrecken gefahren, habe diese Welt aufgesogen und davon geträumt, sie eines Tages selbst zu erleben“, sagte Antonelli in einem Interview mit „La Gazzetta dello Sport“.
Wohl auch deshalb kam er bereits als Kind mit dem Rennsport in Berührung und machte sich zunächst im Kartsport einen Namen. Sein Talent blieb auch bei Mercedes nicht unbemerkt. 2019, im Alter von gerade einmal zwölf Jahren, wurde Antonelli in das Nachwuchsprogramm des deutschen Rennstalls aufgenommen. Damit begann eine Förderung, die ihn innerhalb weniger Jahre bis in die Formel 1 führen sollte.
Vom Nachwuchstalent direkt in die Formel 2
Antonellis Aufstieg verlief außergewöhnlich schnell. 2022 gewann er sowohl die italienische als auch die deutsche Formel-4-Meisterschaft. Ein Jahr später folgten Titel in der Formula Regional Middle East und der Formula Regional European Championship. Damit hatte der Italiener bereits mehrere wichtige Nachwuchsserien für sich entschieden.
Üblicherweise führt der Weg junger Rennfahrer anschließend über die Formel 3 in die Formel 2. Mercedes entschied sich jedoch für eine Abkürzung und ließ Antonelli 2024 direkt in der Formel 2 antreten. Dort überzeugte er im Saisonverlauf unter anderem mit Siegen in Silverstone und Ungarn.
In einem Interview mit „Formula 1“ sprach Antonelli über diesen ungewöhnlich schnellen Aufstieg: „Ich will nicht lügen, es ging wirklich schnell. Schon der direkte Wechsel von der Formula Regional in die Formel 2 war ein sehr großer Schritt. Ich glaube, dank Mercedes und all den Menschen um mich herum, einschließlich PREMA, habe ich ihn ganz gut bewältigt. Sie haben mir geholfen, den Sprung nicht so groß erscheinen zu lassen.“
Wie Kimi Antonelli zu Mercedes kam
Als Lewis Hamilton Anfang 2024 seinen Wechsel zu Ferrari bekannt gab, musste Mercedes-Teamchef Toto Wolff einen Nachfolger finden. Seine Wahl fiel auf den damals 17-jährigen Antonelli, dessen Verpflichtung am 31. August 2024 offiziell verkündet wurde. Mit gerade einmal 18 Jahren trat der Italiener 2025 das Erbe des siebenmaligen Weltmeisters an und wurde Teamkollege von George Russell.

Lewis Hamilton, Max Verstappen und Kimi Antonelli beim Großen Preis von Mexiko.
Copyright: IMAGO/DeFodi Images
Seine erste Saison in der Königsklasse begann 2025 mit Höhen und Tiefen. Antonelli musste sich an die deutlich leistungsstärkeren Fahrzeuge, die komplexe Technik und den enormen öffentlichen Druck gewöhnen. Dennoch gelangen ihm bereits in seinem ersten Jahr drei Podestplätze. Mit 150 Punkten beendete er die Saison auf dem siebten Platz der Fahrerwertung.
2026 folgte der große Durchbruch. Mit den neuen technischen Regeln entwickelte sich Antonelli zum dominierenden Fahrer der Saison. Bereits im März feierte er beim Großen Preis von China seinen ersten Formel-1-Sieg. Zwischen China und Monaco gewann er fünf Rennen in Folge. Weitere Erfolge folgten unter anderem in Austin. Auch im Kampf um die Weltmeisterschaft setzte er sich deutlich gegen seinen erfahrenen Teamkollegen George Russell durch.
Wie fährt Kimi Antonelli? Das zeichnet ihn aus
Antonelli gilt als außergewöhnlich talentierter und vielseitiger Rennfahrer. Schon in den Nachwuchsserien fiel er durch seine Geschwindigkeit und seine Fähigkeit auf, sich schnell auf unterschiedliche Fahrzeuge und Rennbedingungen einzustellen. Besonders seine Leistungen bei schwierigen Wetterbedingungen machten ihn früh zu einem vielbeachteten Nachwuchsfahrer.

Kimi Antonelli küsst die Trophäe nach dem Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft bei der Siegerehrung des Großen Preises von Mexiko.
Copyright: AFP
Auch seine mentale Stärke wird immer wieder hervorgehoben. Trotz seines jungen Alters musste er sich früh mit dem Erwartungsdruck eines Mercedes-Werksfahrers auseinandersetzen. Dass er sich davon nicht dauerhaft aus der Ruhe bringen ließ und bereits in seiner zweiten Formel-1-Saison den WM-Titel gewann, unterstreicht seine außergewöhnliche Entwicklung.
Der neue Weltmeister fährt für Mercedes mit der Startnummer 12. Diese Zahl wählte er unter anderem in Erinnerung an sein großes Idol Ayrton Senna. Sein Vertrag beim deutschen Rennstall läuft mindestens bis Ende 2027.
Die Saisonbilanz 2026 unterstreicht seinen historischen Erfolg: Neun Grand-Prix-Siege, sieben Polepositions und insgesamt 16 Podestplätze stehen nach dem Rennen in Mexiko zu Buche. In der Fahrerwertung führt er mit 380 Punkten.

