In der neuen Serie stellt „wir helfen e.V.“ Kölnerinnen und Kölner vor, die den Verein mit originellen Spendenaktionen unterstützen.
„wir helfen“-HeldenKölner spenden 500 Euro für mehr Bildungschancen

Jürgen Hoffmann hat zusammen mit Martin Scharpenberg und Wolfgang Schriefer ins Café Osterspey zu einer Lesung zugunsten von „wir helfen“ eingeladen.
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„Wider Erwarten lief es sehr gut“, sagt Jürgen Hoffmann, der vor wenigen Tagen zu einer Lose-Blätter-Lesung ins Sülzer Café Osterspey eingeladen hatte. „Es war ja in gewisser Weise ein Experiment, denn in der Form haben wir das noch nie gemacht.“ Der Wahl-Sülzer und seine Mitstreiter Martin Scharpenberg und Wolfgang Schriefer lasen zwei Stunden abwechselnd aus ihren Texten. „Nach der Pause waren auch noch alle Zuhörer da“, freut sich Hoffmann. Den gesamten Erlös durch Eintritt und Verkauf eines Booklets spendet er an „wir helfen“.
Uneinsichtiger Vater verhinderte höheren Schulabschluss des Sohnes
Insgesamt ist eine Summe von 500 Euro für den Hilfsverein des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zusammengekommen. Auch seine Mitstreiter trugen dazu bei. „Die Inhaberin des Osterspey, Lea Schlosser, hat zudem auf ihren Anteil am Eintrittsgeld verzichtet und diesen ebenfalls gespendet.“ Für Hoffmann, der 1949 in Duisburg geboren wurde, ist es ein Herzensanliegen, mit dem Geld die Bildungschancen von Kindern zu fördern. „Ich selbst bin mit einem tyrannischen Vater aufgewachsen, der mich und meine Mutter schlug und nicht einsah, dass ich einen höheren Bildungsweg einschlagen sollte“, erinnert sich Hoffmann an seine nicht sehr frohe Kindheit im Arbeitermilieu der Nachkriegszeit.
Tatsächlich bereitete es seinem Vater Vergnügen, seinen ältesten Sohn mit 14 Jahren von der Realschule zu nehmen. „Ich werde nie seinen hämischen Blick vergessen, mit dem er mir das Ende meiner Schulkarriere verkündete.“
Kölner mit Hang zu schönen Künsten und sozialem Engagement
Der Vater zwang den belesenen Sohn in eine Lehre zum Technischen Zeichner. „Ich verdanke es der sozialliberalen Koalition, dass ich nach der Lehre, über den Weg des Fachabiturs, die Gesamthochschule besuchen konnte.“ Dort gab es sogenannte integrierte Studiengänge. Obwohl Hoffmann den Geisteswissenschaften zuneigte, traute er sich nicht an die brotlose Kunst heran und entschied sich für ein Maschinenbau-Studium. Den Hang zu den schönen Künsten lebte er aus, indem er Studenten-Theater machte.
„In Duisburg erlangte unsere Kabarettgruppe sogar bescheidene Berühmtheit“, erinnert sich Hoffmann, der dann zusätzlich auch noch Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Geschichte und Politik studierte. Später gründete er als Ingenieur seine eigene Firma. Nach dem Umzug nach Köln im Jahr 1987, der Liebe wegen, fand er durch seine Kinder wieder den Weg auf die Bühne. In der Kita- und Schulzeit wurde ich dann immer mal wieder gefragt, ob ich etwas machen kann. Irgendwann landete er dann bei der Wundertüten-Wandersitzung. Die Sitzung wurde vor 25 Jahren von Kölner Studenten zunächst in der Kneipe Wundertüte gegründet. Inzwischen schreibt Hoffmann Textlyrik und Geschichten. „Meine gute Freundin Nora Ruland ist meine Testleserin.“ Die frühere Inhaberin der Buchhandlung Olitzky hat ein feines Gespür für Texte. „Wenn sie sagt: Jürgen, lass das so, dann weiß ich, dass es gut ist.“ Und so könnte es sein, dass auch die Lesung im Osterspey keine einmalige Angelegenheit bleibt.
