Eltern mit psychischen Erkrankungen brauchen oft besondere Unterstützung bei der Erziehung. Mirai hilft dabei.
Unbeschwert in die ZukunftKölner Fachstelle bietet Beratung für belastete Eltern

Daniela Kube berät Eltern bei Mirai, einer Anlaufstelle des SKM und SkF.
Copyright: Alexander Schwaiger
Das kleine Mädchen mit den blonden Locken tobt mit leuchtenden Augen in der Spielecke des großen freundlichen Raumes im ersten Stock eines Gebäudes an der Gereonstraße. Gegenüber parken Touristenbusse, der Dom ist in Sichtweite. Dass Lea nicht zum ersten Mal zu Besuch ist in der Beratungsstelle Mirai, einem Angebot des SKF und des SKM, ist spürbar. „Wir kommen jetzt seit fast zwei Jahren immer wieder her“, berichtet ihre Mutter Heike Mertens (alle Namen geändert, Anm. d. Redaktion). Die 44-Jährige leidet unter Panikattacken, Angststörungen und Depressionen. Von Kindheit an.
Meine Mutter hat mich nie in den Arm genommen, mich dafür aber immer genau beobachtet. „Warum guckst Du so?“, war eine übliche Frage, mit der sie mich verunsichert hat. In ihrer Gegenwart befand ich mich in einer permanenten Habachtstellung. Sie war vollkommen unberechenbar, launisch, meine Bindung zu ihr war sehr belastet.“ Ihren Vater hingegen erlebte Heike Mertens als sehr liebevoll und zugewandt, der aber selbst eine Mutter gehabt hatte, die keine Liebe geben konnte. „Er hat sich seine Ehefrau nach dem gleichen Muster gewählt“, sagt Mertens rückblickend.
Erster Krankenhausaufenthalt mit 14 Jahren
Die heranwachsende Tochter reagierte zunehmend mit Angst- und Panikattacken. „Als ich 14 war, hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, und landete im Krankenhaus. Ich werde nie vergessen, wie sehr mich die Ansprache einer Schwester damals berührt hat. Sie sagte: Wie geht es Dir, Mäuschen?“, in einem ganz liebevollen Ton. Das kannte ich von meiner eigenen Mutter gar nicht. Weder die Frage, noch den Ton“, erinnert sich Heike Mertens. „Ich bin von Anfang an alleinerziehend und habe recht schnell nach der Geburt gemerkt, dass alte Ängste in mir wieder hochkommen.“ Ängste, die sie glaubte, in Jahren der Therapie aufgearbeitet und unter Kontrolle gebracht zu haben.

Eine großzügige Spieleecke befindet sich auch in der Beratungsstelle für suchterkrankte Eltern und ihre Kinder.
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Hinzu kamen praktische Fragen der Säuglingsentwicklung. Als ihre Tochter mit wenigen Wochen nicht richtig trinken wollte, kam Heike Mertens über die Uniklinik auf das Angebot einer Familienhebamme, die sie dann regelmäßig zu Hause besuchte. Die wiederum gab ihr den Tipp, sich Hilfe bei Mirai als Fachstelle für Kinder mit psychisch erkrankten Eltern zu holen. „Wir bieten einen Treff für Mütter mit Babys, bei denen es nicht nur um die Kinder geht, sondern auch um die Eltern“, erklärt Daniela Kube.
Die Sozialpädagogin ist eine von vier Mitarbeitenden von Mirai. Mirai ist Japanisch und heißt Zukunft, und genau um die geht es. „Uns unterscheidet von normalen Krabbelgruppen, dass sich bei uns im zweiten Teil die Eltern zum Frühstück an den Tisch setzen und miteinander ins Gespräch kommen können, während ihre Kinder weiter betreut werden.“

Daniela Kube berät Eltern mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen.
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Neben der Mutter-Kind-Gruppe gibt es bei Mirai weitere Beratungsangebote nur für Mütter oder Väter, die eine psychische oder eine Suchterkrankung haben. Dazu gehören Einzelberatungen von Betroffenen und Angehörigen, Angebote für Jugendliche sowie Beratung und Qualifizierung von Fachkräften, mit denen die Mitarbeitenden von Mirai stadtweit vernetzt sind.
Vormittage in der Mirai-Gruppe sind echte Bereicherung
Für Heike Mertens waren die Vormittage eine Bereicherung und Erleichterung zugleich. „Das Schöne ist, dass man in den Gesprächen mit anderen merkt, dass man nicht alleine ist mit seinen Sorgen“, sagt Heike Mertens. Gängige Eltern-Kind-Angebote, wie Pekip oder Yoga mit Kind erzeugten bei ihr nur mehr Stress, weil es dann häufig um die üblichen Vergleiche geht. „Kann mein Kind schon gehen? Kann es schon dieses kann es schon jenes?“
In der Mirai-Gruppe werde man einfach nicht bewertet und schon gar nicht abgewertet. Auch auf ihre Tochter Lea haben sich die Besuche in der Gereonstraße positiv ausgewirkt. „Ich habe oft gedacht, dass sie sehr angespannt ist, vermutlich, weil ich selbst sehr ängstlich mit ihr umgegangen bin. Als wir dann hier waren, merkte ich, wie sie sich entspannte. Sie war auf einmal ein ganz anderes Kind.“ Heike Mertens zog vor 20 Jahren nach Köln. Aber Distanz zum wenig liebevollen Elternhaus bedeutet auch, ohne Unterstützung durch Omo und Opa zu sein. Umso wertvoller war ihr der Mittwoch. „Da wusste ich immer, dass ich zur Gruppe gehe, und dort einen geschützten Raum vorfinde, in dem sich auch meine Tochter wohlfühlt.“
Für Heike und Lea Mertens hat sich Mirai positiv auf ihre Zukunft ausgewirkt. Lea wird in diesem Jahr in die Kita wechseln. Den regelmäßigen Besuch der Mutter-Kind-Gruppe am Mittwoch brauchen sie nicht mehr, dafür kommen sie bei Bedarf immer wieder gerne zurück zu Daniela Kube. Auch in den Sommerferien gibt es Ausflüge zu Indoor-Spielplätzen, in den Zoo oder zum Gertrudenhof in Hürth, die auch dank der Spenden von wir helfen kostenfrei von Betroffenen wahrgenommen werden können. Heike Mertens macht weiter eine Verhaltenstherapie, mit deren Hilfe sie Ängste im Umgang mit ihrem Kind abbauen kann. „Ich möchte ihre Entwicklung nicht hemmen, versuche, sie jetzt auch mal Dinge alleine machen zu lassen“. Auch in ihren Beruf als Referentin möchte sie demnächst zurückkehren. Aber in Teilzeit, damit sie trotz Arbeit noch Zeit mit ihrer Tochter verbringen kann. Unbeschwerte Mutter-Kind-Zeit.
Fachstelle Mirai, Gereonstraße 13, 50670 Köln, 0221/12695501, mirai@fachstelle-koeln.de
