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Chef von Kölner Solar-Firma„Kunden hoffen, dieses Jahr noch eine Anlage zu bekommen“

Lesezeit 4 Minuten
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Solaranlage

Köln – Mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs sollen bis 2030 aus erneuerbaren Energien kommen – das sieht zumindest das Osterpaket der Bundesregierung vor. Vergangenes Jahr waren es mit 42 Prozent allerdings nur etwas mehr als die Hälfte. Karl Dienst, Gründer und CEO von Wegatech, einem Kölner Anbieter von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern und Wärmepumpen, glaubt, man habe eine Chance, dieses Ziel zu erreichen. Voraussetzung dafür sei aber, dass alle Barrieren auf dem Weg zur eigenen Photovoltaikanlage entfernt würden.

„Gerade bei Mehrfamilienhäusern und Gewerbekunden gibt es noch extrem viele behördliche Regularien“, sagt er im Podcast „ekonomy mit K“. Als Beispiel nennt er den sogenannten Mieterstrom, den Hausbesitzer vom Dach der Immobilie ihren Mietern komplex verkaufen müssten. Zwar gebe es allmählich Fortschritte, „nur die Geschwindigkeit ist einfach nicht die, die wir brauchen.“ Doch es gibt auch gute Nachrichten: „Im Bereich der Privathaushalte sind wir eigentlich schon sehr gut unterwegs.“

Das Kölner Unternehmen hat sich auf Kombinationslösungen spezialisiert: Statt nur einer Technologie, baut Wegatech auch Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher und Ladesäulen gemeinsam ein. Ziel ist es, das Haus möglichst unabhängig von externen Lieferanten zu machen, dazu will das Unternehmen auch stärker auf eine Miet-Lösung der Technologie setzen. Auch mehr Großkunden wolle man ausstatten.

Der Markt hat sich laut Dienst seit Unternehmensgründung 2010 extrem gewandelt: „Wir hatten zehn Jahre, in denen wir eigentlich um jeden Kunden kämpfen und jeden Kunden zehnmal anrufen mussten, um eine Anlage zu verkaufen“, sagt er. Mittlerweile riefen die Kunden ständig an, in der Hoffnung, dieses Jahr noch eine Anlage zu bekommen. Das birgt auch Schwierigkeiten: „Wir können nicht von heute auf morgen doppelt oder dreimal so viele Handwerker organisieren, die diese Projekte umsetzen können.“ 

Zu viele Unterschiede nach Stadt, Land und Netzbetreiber

Dienst fordert mit Blick auf den Fachkräftemangel stärkere Anreize für handwerkliche Berufe. Wegatech selbst müsse beim Gehalt draufzahlen, um Handwerker locken zu können. Auf der einen Seite würden Projekte dadurch teurer, auf der anderen versuche man die Mehrausgaben durch Großeinkäufe bei Großhändlern einzusparen. Wegen der Geschäftsbeziehungen und der Herstellerunabhängigkeit sei man aber nicht allzu stark von Lieferengpässen getroffen. Aktuell müssten Kunden etwa vier bis sechs Monate auf eine Anlage warten.

Besonders kritisch wird Dienst bei der Einspeisevergütung. Wer generierten Solarstrom nicht nutzt, kann diesen gegen ein Entgelt ins lokale Netz einspeisen. Der Gesetzgeber hat im April verfügt, dass Volleinspeiser, also zum Beispiel Vermieter, in Zukunft eine höhere Vergütung erhalten als Selbstnutzer. Dadurch gehe ein notwendiger finanzieller Anreiz für Selbstnutzer verloren, denn „wir können Interessenten von Photovoltaikanlagen überzeugen, wenn wir sagen, die Anlage ist nach sechs Jahren abbezahlt und nicht erst nach neun.“


Podcast „ekonomy mit K“

Das komplette Gespräch mit Karl Dienst können Sie auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify oder Deezer hören. Suchen Sie dort dazu nach „ekonomy mit K“ oder „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Unter anderem finden Sie dort auch Interviews mit Just-Fit-Gründer Frank Böhme, Art-Invest-Chef Markus Wiedenmann oder Mühlenkölsch-Chefin Melanie Schwartz.

Wenn Sie dem Podcast folgen, verpassen Sie keine der künftigen Ausgaben. Alternativ können Sie das Gespräch auch hier hören.

Eine Übersicht aller Podcasts des Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier: https://www.ksta.de/podcast


Es ist viel Bürokratie, die auf Interessenten zukommt: „Das sind die Förderanträge, die Netzanmeldung, die Finanzierung und die Frage, wie man mit den Steuern umgeht“, sagt er. „Wir haben Berater, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als diese behördlichen Geschichten zu umschiffen.“ Selbst trotz der Beratung gebe es von Zeit zu Zeit Kunden, die bei der Planung ihrer Anlage aufgeben, weil sie überfordert seien oder das Projekt zu langwierig würde.

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Als Beispiel nennt Dienst die mehr als 800 Stromnetzbetreiber in Deutschland, mit denen man wegen der Anmeldung einer Anlage auf unterschiedliche Art und Weise kommunizieren müsse. Er schlägt vor, dass es für Kunden eine zentrale Anmeldestelle, unabhängig von den Netzbetreibern, geben müsse. Auch bei den Förderungen gebe es zu viele Unterschiede, denn neben der Bundesförderung gebe es noch jene der Städte und Länder. „Im Prinzip sind das drei Förderstellen, bei jeder Stelle muss ein eigener Antrag gestellt werden und das ist zu viel.“

In Köln erhalte man aktuell 250 Euro pro Kilowattpeak der PV-Anlage und 150 Euro pro Kilowattpeak des Batteriespeichers, das hält Dienst für realistische und motivierende Größen. Besonders zufrieden ist er aber mit einer Unterstützung: „Bei Wärmepumpen gibt es zum Glück eine bundesweite Förderung – das macht es einfach.“

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