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DGB-Chef zum Maifeiertag„Dürfen den Querdenkern nicht die Straße überlassen“

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Rossmann goyert

Witich Rossmann ist Chef des DGB in Köln.

KölnHerr Rossmann, Großveranstaltungen sind abgesagt, Geschäfte zu, es gibt Kontaktbeschränkungen. Wird es in Köln eine Maikundgebung geben?Witich Rossmann Ja, es wird eine Kundgebung auf dem Heumarkt geben. Im vergangenen Jahr haben wir darauf verzichtet. Dieses Jahr fällt nur der Demonstrationszug dorthin aus. Wir haben ein Corona-Konzept gemeinsam mit dem Kölner Gesundheitsamt entwickelt. Auf dem Boden werden Markierungen angebracht, die einen Abstand von zwei Metern signalisieren. Natürlich tragen wir alle Masken. Die Zahl der Teilnehmer ist auf maximal 700 beschränkt.

Wäre es angesichts der Lage nicht vorbildlich gewesen, auf so eine Großveranstaltung zu verzichten?

Rossmann Nein. Wir dürfen Menschen wie den Querdenkern auf der Straße und bei Demonstrationen nicht das Feld überlassen. Außerdem sind wir im Freien. Es wird keine Beeinträchtigungen geben. Ich habe da keine Bedenken.

Wo drückt der Schuh bei der Arbeiterbewegung nach mehr als einem Jahr Pandemie?

Rossmann Es ist mir ein Anliegen, jetzt Solidarität gegenüber denen zu zeigen, die in der Gesundheitswirtschaft arbeiten, denen, die die technische Infrastruktur aufrecht erhalten, in der Energiewirtschaft und am Flughafen, wo eben Masken und Impfstoffe oder Vorprodukte aus aller Welt ankommen. Gerade in der Pandemie brauchen wir Waren aus anderen Ländern, und die brauchen unsere Produkte. Und auch denen gilt die Solidarität, die dafür sorgen, dass wir im Homeoffice funktionierende Datennetze, Strom, sauberes Wasser haben und die unsere wachsenden Müllberge entsorgen.

Was ist Ihr Anliegen abgesehen von der aktuellen Pandemie?

Rossmann Wir brauchen energisches Handeln in Sachen Klimaschutz, vor Ort hier in Köln. Wir brauchen Photovoltaik auf 15 000 Kölner Dächern pro Jahr. Wir brauchen deutlich mehr Ladesäulen für E-Autos, eine Ausweitung des Fernwärmenetzes in Köln.

Vielen Firmen geht es schlecht. Ist es als Gewerkschaft nun an der Zeit, bei den Forderungen an die Arbeitgeber auf die Bremse zu treten, Stichwort Solidarität?

Rossmann Wer die Börsenkurse verfolgt, der sieht, dass viele Unternehmen hochprofitabel sind auch in diesen Zeiten. Angesichts dessen werden wir Gewerkschaften nicht auf unsere Forderungen verzichten. Die IG Metall hat ja gerade erst gezeigt, dass man mit einem intelligenten Tarifvertrag zu einer guten Lösung für mehr Entgelt oder Arbeitszeitverkürzung plus Qualifizierung zur Beschäftigungssicherung kommen kann.

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Eine Studie hat ergeben, dass die Arbeitszeit in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr reduziert wurde. Haben Sie zwei Jahrzehnte geschlafen?

Rossmann Nein, wir sind auf dem richtigen Weg. Die Arbeitszeit wird sich deutlich verkürzen in der Zukunft. Aber nicht wie mit dem Rasenmäher, so dass alle weniger arbeiten ob sie wollen oder nicht. Es darf auch nicht sein, dass die Reduzierung der Arbeitszeit in Wahrheit ein Abrutschen in prekäre Teilzeit ist. Wir wollen geregelte Formen der Arbeitszeitreduzierung. Die Deutsche Bahn hat gezeigt, dass es geht. Am Ende ist die Vier-Tage-Woche das neue Normal. Es muss möglich sein, auch von einer so verkürzten Woche auskömmlich leben zu können. Dazu braucht es flexible Modelle. Das heißt: Wahlmöglichkeiten zwischen Arbeit und Geld.