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Kommentar

Kölner Manager über Erbschaftsteuer
„Deutschland scheidet im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen aus“

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2 min
Ein Mann mit Brille schaut in die Kamera.

Werner Görg ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kölner Versicherung Barmenia-Gothaer.

Werner Görg wendet sich entschieden gegen den Reformvorschlag der SPD, der eine Erhöhung der Erbschaftsteuer für Vermögende und Unternehmen vorsieht.

Deutschland ist ein Hochsteuerland. Arbeitseinkommen werden mit einer Abgabenquote von 47 bis 49 Prozent belastet. Indirekte Steuern sind im internationalen Vergleich ebenfalls hoch, dasselbe gilt für die Besteuerung von Unternehmensgewinnen. In dieser schlechten Ausgangslage bemüht sich Deutschland, ansässige Unternehmen am Standort zu halten und Neugründungen oder Ansiedlungen für Deutschland zu gewinnen. Inländische Arbeitsplätze zu halten und idealerweise neue zu schaffen, ist das gemeinsame Ziel.

Horrorszenarien über den kollektiven Exodus deutscher Unternehmen zu prophezeien hilft wenig.
Werner Görg

Da wundert es schon sehr, wenn jetzt ein Vorschlag zur Erhöhung der Erbschaftsteuer unterbreitet wird, mit dem Deutschlands Ausgangslage im internationalen Standortwettbewerb weiter – und diesmal massiv – verschlechtert werden soll.

Horrorszenarien über den kollektiven Exodus deutscher Unternehmen zu prophezeien hilft wenig, weil diesen kaum Glauben geschenkt wird. Da überzeugt es schon eher, über die Grenzen in Länder zu schauen, die mit einer unternehmensfeindlichen oder -freundlichen Erbschaftsteuer Erfahrung gesammelt haben. So sind in Frankreich die Freibeträge geringer, die Steuersätze gleichzeitig deutlich höher.

Ein wirtschaftstragender Mittelstand entsteht nicht; Abwanderungstendenzen nach Österreich, insbesondere aber nach Belgien, sind unübersehbar. Ganz anders in Italien, Österreich und der Schweiz. Familienunternehmer fühlen sich willkommen, was bereits aktuell die unübersehbare Abwanderungsbewegung aus Deutschland erklärt.

Die zusätzlichen Steuern verschlechtern selbst bei deren Stundung das Unternehmens-Rating – und damit die Kreditbedingungen – und machen Investitionen schwerer bis unmöglich.

Wer in einer Phase des fundamentalen Umbaus der deutschen Wirtschaft die Erhöhung von Erbschaftsteuer für Unternehmensvermögen fordert, gefährdet massiv die zwingend erforderliche unternehmerische Neuausrichtung. Der ohnehin schon nur eingeschränkt attraktive Standort „Hochsteuerland Deutschland“ scheidet im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen aus.

Wer sich den völlig berechtigten Arbeitnehmerinteressen besonders verpflichtet fühlt, sollte einen solchen arbeitsplatzvernichtenden Vorschlag nicht unterbreiten. Weltweit hat es in den letzten 50 Jahren immer wieder Bewegungen wie „Tax the Rich“ gegeben. Alle diese Initiativen haben zu Standortnachteilen geführt und sind wieder verschwunden.


Der Autor ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kölner Versicherung Barmenia-Gothaer.