Köln – In Zeiten der Pandemie läuft auch auf dem Ausbildungsmarkt alles ein wenig anders als sonst. Da zum Ende des regulären Ausbildungsjahres Ende Oktober bislang deutlich weniger Ausbildungsverträge geschlossen wurden als sonst üblich, haben Arbeitsagentur, Handwerkskammer und IHK kurzerhand ein „fünftes Quartal“ am Markt ausgerufen, um noch möglichst viele Bewerber und Betriebe zueinanderzubringen.
„Das Jahr ist noch nicht vorbei“, sagte Johannes Klapper, Vorsitzender der Kölner Arbeitsagentur am Donnerstag. Im Frühjahrs-Lockdown seien zunächst viele Beratungsmöglichkeiten weggefallen, so dass sich auch Berufswahlentscheidungen und Einstellungen nach hinten verschoben hätten. „Die diesjährige Ausbildungsbilanz ist daher eine Momentaufnahme. Die Berufsberatung ist aktuell in der Verlängerung und berät Jugendliche auch jetzt noch, um in das bereits gestartete Ausbildungsjahr einzusteigen.“
Zahl der Ausbildungsstellen gesunken
In Köln wurden der Agentur für Arbeit bis Ende September etwa 5760 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch wenn die Ausbildungsbereitschaft weiter hoch sei, gebe es Branchen, die im monatelangen Lockdown nicht in der Lage gewesen seien, ihr Ausbildungsniveau weiter aufrecht zu erhalten, sagte Klapper. Auch die Zahl der Bewerber sank, insgesamt um 13,2 Prozent auf 4758.
Sowohl Arbeitsagentur als auch Handwerkskammer und IHK gaben aber an, dass die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge nach Ende des Lockdown im Sommer deutlich angezogen sei – und äußerten die Hoffnung, dass auch trotz des neuen Teil-Lockdown bis Jahresende weiter aufgeholt werden könne. Im Bezirk der Kölner IHK wurden bis Ende September 7232 neue Ausbildungsverträge geschlossen und damit 15,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Rückgänge seien vor allem im kaufmännischen Bereich zu verzeichnen, sagte Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung: In der Gastronomie, dem Tourismus und der Veranstaltungswirtschaft, die von der Corona-Krise besonders hart getroffen wurden.
Anstieg bei Malern und Lackierern
Bei der Handwerkskammer lag der Rückgang geschlossener Ausbildungsverträge mit minus 10,84 Prozent etwas niedriger als bei der IHK. Besonders stark betroffen waren laut Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin Friseure und Kfz-Mechatroniker. Bei den Malern und Lackierern habe es dagegen sogar einen Zuwachs um 35 Prozent gegeben. Auch Tischlereien stellten mehr Azubis ein.
Arbeitsagentur und die beiden Kammern verwiesen darauf, dass Azubis auch trotz des kurzfristig gesunkenen Angebots dringend gesucht würden. „Es gab die Stellen, es gibt die Stellen“, sagte Meier. „Wir haben die vergangenen Jahre viel über den Fachkräftemangel gesprochen – der ist nicht verschwunden, genauso wenig wie der demografische Wandel.“
Herbstaufschwung am Arbeitsmarkt
Am Arbeitsmarkt zeigt sich derweil trotz Pandemie der für diese Zeit typische Herbstaufschwung – auch wenn er etwas verhaltener ausfiel als sonst. In Köln sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum September um 1,4 Prozent auf 58 620. Gegenüber dem Vorjahr stieg sie allerdings um 25,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank um einen Prozentpunkt auf 9,7 Prozent.
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Im Bund war ein ähnlicher Trend zu beobachten: Hier sank die Arbeitslosenquote um zwei Prozentpunkte auf sechs Prozent, die Zahl der Arbeitslosen um 87.000 Personen auf 2,76 Millionen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sprach am Donnerstag dennoch eine düstere Prognose aus: Die Experten schätzen, dass durch den neuen Teil-Lockdown „über 100 000 Jobs“ kurzfristig verloren gehen könnten, auch wenn der Arbeitsmarkt „relativ robust“ bliebe. Einen massiven Wirtschaftseinbruch wie im Frühjahr erwarten sie allerdings nicht.



