Düsseldorf präsentiert die Trends der Wassersportwirtschaft zur Messe Boot. Mehr als jedes zwanzigste neue Schiff hat einen Elektro-Antrieb. Die Zahl der privaten Jachten sinkt wegen des demografischen Wandels.
Messe BootIm Trend sind Super-Jachten und kleine Elektroschiffe

Die bis zu 9,8 Millionen Euro teure Jacht vom Typ San Lorenzo SD ist das größte Boot der nach Angaben der Veranstalter größten Wassersportmesse der Welt. Das Boot ist rund 27,4 Meter lang und sieben Meter breit und wiegt 112 Tonnen.
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Jedes Jahr Anfang Januar blickt die europäische Wassersport-Gemeinde nach Düsseldorf. Dort startet am 17. Januar mit der Boot die nach Angaben der Messegesellschaft weltgrößte Wassersportmesse. Erwartet werden 200.000 Besucher - wie bereits im Vorjahr.
In den vergangenen Jahren zeichnet sich für die Wassersportwirtschaft insgesamt allerdings ein Problem ab. Die Eigner eines privaten Schiffs werden im Durchschnitt immer älter. Deutschlands Wassersportbranche leidet unter dem demografischen Wandel. Deswegen sei die Anzahl der hierzulande von Privatleuten genutzten Boote binnen zehn Jahren um rund 40.000 auf schätzungsweise etwa 440.000 gesunken, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Maritime Wirtschaft Deutschland (VMWD), Karsten Stahlhut, am Mittwoch in Düsseldorf.
Der Abwärtstrend werde sich fortsetzen, wenn nicht gegengesteuert werde. Um das Ruder herumzureißen will man das Marketing verstärken. „Wir müssen die Leute ganz früh daran gewöhnen, mit ihren Eltern Boot zu fahren, bestenfalls schon im Schulalter.“
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E-Boot Markt wächst, aber langsam
Das Durchschnittsalter eines Bootsbesitzers liegt Verbandsangaben zufolge in Deutschland inzwischen bei mehr als 62 Jahren und damit gut zwei Jahre höher als 2015, Tendenz steigend. Bislang sei das Thema Demografie-Folgen für den Wassersport nicht so dringlich gewesen und eher als Nebenthema „mitgeschwommen“, sagte Stahlhut. Das ändere sich nun. „Es ist absehbar, dass die Bootseigner, die 75, 78 oder 80 Jahre alt sind, aus dem aktiven Bootssport aussteigen.“
Wachsend, aber insgesamt noch schwach, ist das Segment der elektrisch betriebenen Boote. Der ADAC, bei dem 125.000 deutsche Freizeitboote registriert sind, misst einen Anstieg der neu gemeldeten Boote von sechs Prozent. Noch vor drei Jahren lag der Wert zwischen zwei und drei Prozent. Gemessen am Gesamtbestand sind rund vier Prozent der deutsche Hobby-Schiffe elektrifiziert.
Anlegen gilt im Allgemeinen besonders für noch wenig erfahrene Schiffsführer als Zitterpartie. Heute ist das Dank KI vollautomatisch machbar
Laut Boot-Direktor Petros Michelidakis ist im Bootsbau auch der Megatrend Künstliche Intelligenz (KI) bereits deutlich spürbar. „Anlegen gilt im Allgemeinen besonders für noch wenig erfahrene Schiffsführer als Zitterpartie. Heute ist das Dank KI vollautomatisch machbar“, sagte Michelidakis dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Der Leitmesse für den Wassersport tut der demografische Wandel noch keinen Abbruch, die Besucherzahlen sind stabil. 16 Hallen des Messegeländes sind belegt, so viele wie im Vorjahr auch. Statt der Hallen 8a und b wird dieses Jahr wieder die neue Halle 1 genutzt.
Jacht kostet im Schnitt Viertelmillion
Für Bootsinteressierte ist der Markt aktuell interessant. Die Preise sind nach einem Corona-Hoch im Jahr 2021 im Schnitt um zwölf Prozent gesunken. Schnäppchen sind Boote und Jachten aber dadurch keineswegs. Laut Boot-Chef Michelidakis wurde bei der vorigen Messe der kaufwillige Teil des Publikums nach der jeweiligen Zahlungsbereitschaft gefragt. Diese habe bei Motorbooten bei 237.000 und bei Segelbooten bei 250.000 Euro gelegen.
Allerdings ist der Bootsmarkt sehr fragil. Kleinere Schlauchboote mit Außenborder gibt es schon für wenige 1000 Euro. Nach oben sind dem Wassersport im Gegenzug keine Grenzen gesetzt. So werden in Halle sechs wieder die Luxusjachten zu Millionenpreisen zu sehen sein - für die meisten Besucher freilich lediglich zum träumen.
Spitzenreiter in dieser Halle, und damit natürlich für die ganze Boot 2026 ist die „San Lorenzo SD“. Das bis zu 9,8 Millionen Euro teure Boot ist das größte Boot der Messe, das vom 17. bis 25. Januar ausgestellt werden soll. Die Jacht ist rund 27,4 Meter lang und sieben Meter breit und wiegt 112 Tonnen. Kleiner Hinweis noch für Kaufinteressenten: In Eignerkreisen gilt die Faustregel, dass etwa ein Zehntel des Preises pro Jahr für den Unterhalt fällig wird, in diesem Fall also eine knappe Million oder 82.000 Euro im Monat.
Neu bei der Boot 2026: Nicht nur Besucher, die im vergangenen Jahr einen Bootsführerschein gemacht haben, auch jene mit einem neuen Tauchschein erhalten kostenlosen Eintritt zur Messe, wenn sie sich auf der Homepage unter boot.de registrieren.
Die Boot ist vom 17. bis 25. Januar von 10 bis 18 Uhr täglich geöffnet. Die Tageskarte kostet 21, die Zwei-Tageskarte 36 Euro. Kinder zahlen 14, Euro. Wer nur am Nachmittag (14Uhr) nach Schiffen schauen möchte, kommt für 12 Euro rein.

