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Messe KölnNeue Zentrale soll 2033 bezogen werden

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Planned and approved: new multifunctional building at the ICE railway station

So soll sie aussehen, die künftige Kölner Messezentrale (Animation)

Das starke Jahr 2025 bringt der Messe Köln ein Rekordergebnis. Für 2026 sehen die Erwartungen deutlich trüber aus. Was war und was kommt für das Unternehmen?

Die Messe Köln hat das Jahr 2025 mit einem Rekord-Umsatz beendete. Zudem hat der Aufsichtsrat die Planungen für eine neue Messezentrale auf den Weg gebracht. Für 2026 stellt sich die Messegesellschaft aber auf weitaus schwierigere Zeiten ein. Ein Überblick über Lage, Ausblick und Planungen der drittgrößten deutschen Messegesellschaft.

Was ist für die neue Zentrale geplant?

Seit Jahren sucht die Messe Köln nach Wegen zu einer neuen Zentrale. Erst Ende August hatte der Aufsichtsrat mit Blick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen eine Entscheidung dazu vertagt. Inzwischen ist eine solche gefallen. „Der Aufsichtsrat der Messe Köln hat den Weg freigemacht für die Planung des lange erwarteten Baus eines neuen Multifunktionsgebäudes“, sagte Messechef Gerald Böse dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Zuvor hatte es drei mögliche Szenarien gegeben, neben dem jetzt gewählten hätte dies die Anmietung eines vorhandenen Bürohauses oder die Verlängerung des bestehenden Mietvertrages sein können. Letzteres galt als unwahrscheinlich. Das Gebäude ist in keinem guten Zustand, das Verhältnis zum Vermieter Aroundtown gilt als angespannt. Kauf und Renovierung der alten, teilweise denkmalgeschützten Zentrale wäre laut Messe-Operativchef Oliver Frese deutlich teurer geworden als der nun avisierte Neubau.

Die Investitionen belaufen sich nach jetzigem Stand auf 193 Millionen Euro. Die Messe muss diese Summe aus eigener Kraft stemmen, darin sind sich die Messemanager einig. Der Neubau soll zentrale Funktionen wie eine Großküche und Kongresseinheiten bekommen, aber auch die Verwaltung der Gesellschaft beherbergen. Auf den oberen Etagen sind 450 Arbeitsplätze für die Beschäftigten vorgesehen. Der Aufsichtsrat der Messe hat die Planungen bereits abgesegnet, ein Baubeschluss soll kommendes Jahr ergehen.

Was wird aus Halle 3?

Der Neubau des Verwaltungsgebäudes soll an die Stelle der heutigen Halle 3 treten. Im Herbst 2027 soll der Abriss des Gebäudes beginnen. Es ist fast 60 Jahre alt und entsprechend auch deutlich veraltet. Insbesondere die vielen Säulen machen die Halle 3 für viele Veranstaltungen nur eingeschränkt nutzbar. Die durch den Abriss wegfallende Ausstellungsfläche wird durch das Konferenzzentrum Confex aufgefangen, so verbleiben 290.000 Quadratmeter insgesamt.

Was hat das Jahr 2025 der Messe gebracht?

Durch den meist zweijährigen Turnus der Kölner Messe-Familie sind ungerade Jahre stets deutlich umsatzstärker als gerade Jahre. „Die Messe Köln blickt auf ein sehr gutes Geschäftsjahr 2025 zurück“, sagte Gerald Böse. Der vorläufige Umsatz stieg von 366 Millionen auf 450 Millionen Euro. Der Konzerngewinn verdreifachte sich auf 60 Millionen Euro. 

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölnmesse , ist auf einer Terrasse zu sehen.

Die Messe Köln verantwortete im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums den Betrieb des deutschen Pavillons auf der Weltausstellung Expo Osaka 2025. „Der Pavillon wurde zu einem echten Aushängeschild für Deutschland“, sagt Messe-CEO Gerald Böse.

Insgesamt gab es 2025 weltweit 79 Veranstaltungen, davon 57 Eigenveranstaltungen. Besonderes Aushängeschild war die Weltleitmesse Anuga, die als größte Veranstaltung in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte ganz neue Maßstäbe gesetzt habe, so Böse. Mehr als 8000 Aussteller aus 110 Ländern und mehr als 145.000 Fachbesucher aus rund 190 Nationen hatten die gesamten Messehallen in Köln gefüllt.

Der Auslandsanteil lag demnach bei 94 Prozent auf Aussteller- sowie 80 Prozent auf Besucherseite. „In einem von globalen Spannungen und Protektionismus geprägten Jahr setzte die Anuga ein sichtbares Zeichen für internationalen Austausch“, sagte Operativchef Frese. 38 Messen organisierten die Kölner im Ausland, darunter acht neue im Raum Asien und Arabien. Die Gesellschaften in Singapur, Thailand, Indonesien, Japan, China und Hongkong werden durch die Berufung des Regionalpräsidenten Mathias Küpper enger vernetzt.

Und die Weltausstellung in Osaka?

Die Messe Köln verantwortete im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums den Betrieb des deutschen Pavillons auf der Weltausstellung Expo Osaka 2025. „Der Pavillon ‚Wa! Germany‘ zog in 184 Tagen über drei Millionen Besuchende an und wurde zu einem echten Aushängeschild für Deutschland“, sagte Böse und ergänzte, dass die Weltausstellung kein wirtschaftliches Zugpferd, aber eine wichtige Leistungsshow gewesen sei.

Wie läuft das Kongressgeschäft?

Das neue Konferenzzentrum Confex gilt als Wachstumsmotor im Kongressgeschäft. Auch das Kongress-Segment entwickelte sich 2025 positiv. „Mit einer sehr guten Buchungslage bis 2030 und ersten Reservierungen bis 2032 erreichte das Conference- und Exhibition-Center Confex bereits im ersten Veranstaltungsjahr eine starke Marktposition“, sagte Ralf Nüsser, Geschäftsführer Koelncongress.

Besonders sichtbar werde die Dynamik im medizinischen Bereich: Die 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin e.V. erreichte 3000 Teilnehmer statt der geplanten 1500, die DGHO-Jahrestagung (Deutsche, Österreichische und Schweizerische Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie) verzeichnete statt der erwarteten 5000 sogar 6800 Teilnehmer.

PSI zieht von Düsseldorf nach Köln

Parallel zum erfolgreichen Start des Confex verzeichnet die Messe einen deutlichen Nachfrageschub im Bereich der Gastmessen. Besonders deutlich werde dies anhand der Zusammenarbeit mit RX (Reed Exhibitions Limited), die bereits  die FIBO und die Chemspec in Köln ausrichten.

Nun kommt eine Messe, die 60 Jahre lang in Düsseldorf stattfand, nach Köln: die PSI, Europas führende Leitmesse für Werbeartikel, die RX künftig dauerhaft in Köln veranstalten wird. Dann treffen an drei Tagen mehr als 11.000 Werbeartikelhändler, Veredler und Agenturen auf rund 600 Hersteller und Importeure. In der zweiten Januar-Woche fand die PSI noch ein letztes Mal in Düsseldorf statt.

Was bringt das Jahr 2026?

Dass die Messe sich für ihren Rekord-Umsatz nicht selbst feiert, lässt erahnen, wie kritisch man auf die nahe Zukunft blickt. „Es wird turnusgemäß ein herausforderndes Jahr“, sagte Böse. Die wirtschaftliche Erholung lasse auf sich warten. Die Zahl der Insolvenzen steige. „All das schlägt auf die Stimmung in der für uns so wichtigen Konsumgüterbranche“, sagte Böse und fügte hinzu: „Wir spüren das schwierigste Marktumfeld seit Jahrzehnten.“