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ZukunftstechnologieDrohnen sollen NRW-Wirtschaft und den Verkehr sicherer machen

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Das Kölner Start-Up Unternehmen Urban Ray präsentiert bei einer Vorführung in Pulheim bei Köln eine Drohne für die Medizinlogistik - Die Drohne landet in der Paketstation.

Das Kölner Start-up Urban Ray sorgt mit Drohnen für den Transport von Medikamenten und Blutproben. Hier landet die Drohne in der Paketstation.

Drohnen sind innerhalb weniger Jahre vom Nischenprodukt zur Zukunftsbranche gewachsen. Die Landesregierung will mehr von ihnen auf den Markt bringen.

Was die einen als nerviges Summen, die anderen als spaßiges Spielzeug und wieder andere als Mordwaffe aus der Luft abstempeln, sieht die nordrhein-westfälische Landesregierung als innovative Zukunftsbranche an: Drohnen. „Sie sind eine Schlüsseltechnologie für Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und technologische Souveränität in Europa“, sagte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur im Rahmen einer Fachkonferenz zum Thema. Das Land wolle Innovationsstandort werden, Pilotprojekte unterstützen und Drohnen in den Markt bringen. In Düsseldorf diskutierten am Dienstag etwa 150 Expertinnen und Experten auf Einladung des Wirtschafts- und des Verkehrsministeriums über das Potenzial der Technik.

„Drohnen stärken unsere strategischen Handlungsfähigkeit und eröffnen zugleich neue Geschäftsfelder, machen Prozesse effizienter und schaffen zusätzliche Wertschöpfung in Unternehmen, im Handwerk und in vielen anderen Betrieben“, so die Grünen-Politikerin über die unbemannten Flugkörper. 

Marktumfang könnte sich bis 2030 auf 1,7 Milliarden Euro erhöhen

Der wirtschaftliche Faktor sei enorm. Seit 2019 hat sich die Zahl der kommerziell genutzten Drohnen in Deutschland dem Verkehrsministerium zufolge von rund 19.000 auf mehr als 56.000 Geräte (Stand 2023) fast verdreifacht. Laut Prgnosen des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie wird die Zahl der gewerblich genutzten Drohnen bis 2030 auf etwa 80.000 steigen. Eingesetzt werden sie unter anderem, um Gebäude, Brücken und Stromleitungen zu inspizieren, in der Vermessungstechnik und in der Landwirtschaft.

Etwa 150 Expertinnen und Experten folgten der Einladungen der Ministerien für Wirtschaft und Verkehr – hier sprach Minister Oliver Krischer (Grüne).

Etwa 150 Expertinnen und Experten folgten der Einladung der Ministerien für Wirtschaft und Verkehr zur Drohnen-Konferenz mit dem Titel „Zugang erleichtern - Herausforderungen lösen - Technologien anwenden“ – hier sprach Minister Oliver Krischer (Grüne).

Der Marktumfang werde bis 2030 auf etwa 14,5 Milliarden Euro anwachsen, schätzt die EU-Kommission für Europa. Für den deutschen Drohnenmarkt, der 2022 ein Volumen von 955 Millionen Euro hatte, rechnen die Experten in vier Jahren nahezu mit einer Verdopplung auf mehr als 1,7 Milliarden Euro. Hinter Bayern kommen die meisten Unternehmen der Branche aus NRW, hieß es bei der Konferenz in Düsseldorf. 

Drohnen verändern den Verkehrssektor

Besonders im Verkehrs- und Logistiksektor treiben sie demnach Innovationen an. Drohnen veränderten die Art, wie wir Mobilität, Logistik und Infrastruktur denken, sagte Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). „Sie stehen für einen Verkehrssektor, der digitaler, effizienter und nachhaltiger wird.“

Fabian Binz steht im Innenhof des Landeswirtschaftsministeriums

Fabian Binz ist Mitgründer von Urban Ray. In Düsseldorf kritisiert er die einseitige Sicht über Drohnen als Gefahrenquelle.

Ein Beispiel liefert das Kölner Start-up Urban Ray. Das Unternehmen transportiert Fracht aus dem Gesundheitssektor – darunter Blut- und Gewebeproben sowie Medikamente – zwischen Krankenhäusern, Laboren und Apotheken, erklärt Mitgründer Fabian Binz. Die Drohnen fliegen zwischen den Paketstationen der Firma hin- und her. In Köln arbeitet Urban Ray mit dem Labor Dr. Wisplinghoff zusammen. „Üblicherweise fahren deren Boten täglich 70.000 Kilometer über die Straßen. Die können wir mit unserem System entlasten“, sagt Binz. Und: „Dinge, die eilig sind, gehen über den Luftweg schneller.“

Was der gebürtige Essener neben Bürokratie und langen Genehmigungsverfahren kritisiert, ist die einseitige Sicht auf Drohnen als Gefahrenquelle. „Das können sie sein, wenn sie illegalerweise über Flughäfen kreisen oder als Kampfmittel in internationalen Krisenherden agieren“, sagt er. „Das, was wir machen – Patienten versorgen –, ist aber etwas anderes.“ Die Konferenz zeige, dass NRW bereit sei, dem Thema einen anderen Rahmen zu geben.

Wie konkret dieser aussehen könnte, erklärte Verkehrsminister Krischer: „Im unteren Luftraum soll eine digitale Infrastruktur geschaffen werden, U-Space genannt, um die bisherigen und die neuen Luftraumnutzer sicher und geordnet aneinander vorbeifliegen zu lassen.“ Das könne man mit der Straßenverkehrsordnung vergleichen. Ziel sei es, Rechtssicherheit zu schaffen, ohne Innovationen auszubremsen, die kritische Infrastruktur zu schützen und eine klare Abgrenzung zwischen erlaubter Nutzung und Missbrauch zu regeln. 

Gefahren durch illegale Nutzung

Die Grenzen seien insbesondere privaten Nutzern nicht ganz klar, berichtet Petra Eilhard von der Luftaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf. Sie prüft die Genehmigungen von Drohnenbesitzern. Viele sehen die Flugkörper als Fotoapparat für spektakuläre Instagram-Bilder. Beliebt seien Motive etwa über dem Kölner Dom oder dem Stadion. An die Kennzeichnung, eine Art Nummernschild, und den Führerschein, den man ab einem Gewicht von 250 Gramm oder eingebauter Kamera haben muss, denken nicht alle – und beachten auch nicht die Regeln, etwa was die Flughöhe betrifft.

„Wenn Rettungshubschrauber vor einem Unfallort umdrehen müssen, weil eine private Drohne im Weg ist, haben wir ein Problem, genauso, wie wenn so ein Vier-Kilo-Objekt in ein kleines Flugzeug reinkracht.“ Auch Eilhard plädiert daher, genauso wie Fabian Binz, für mehr Aufklärung.  

Petra Eilhard und Lukas Heininger halten eine kleine Drohner in Polizei-gelb und -blau in der Hand, auf der „Luftaufsicht“ steht.

Petra Eilhard und Lukas Heininger sind für die Sicherheit des Luftraums verantwortlich. Mit ihrer Drohne suchen sie nach Hindernissen und Gefahren für Flugzeuge, etwa zu hohe Bäume.

Denn Drohnen können Leben retten. Sie werden von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten eingesetzt, etwa, um Brände oder Hochwassergebiete zu erkunden oder vermisste Personen zu suchen.

„Unbemannte Systeme sind Teil der modernen Kriegsführung“

Auch in Sicherheitsfragen nimmt die Technologie einen immer höheren Stellenwert ein. Das 2024 in Mülheim an der Ruhr gegründete Unternehmen Infinteq beispielsweise produziert auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern Drohnenverbundsysteme, die bereits in der Ukraine im Einsatz sind. Es gehe unter anderem darum, Lagebilder zu generieren und taktische Vorteile zu schaffen. Dabei hilft auch KI. „Unbemannte, autonome Systeme sind Teil der modernen Kriegsführung“, sagte Geschäftsführer André Komp.

In der Entstehung sei bei Infinteq zudem gerade der Sea Eagle (Seeadler), der Luft- und Wassernutzung sowie Kommunikation miteinander vereinen soll. Das mit einer Spannweite von acht bis neun Metern versehene Fluggerät könne Wasserdrohnen zu ihrem Ziel bringen. Ursprünglich seien diese für die Meeresforschung entwickelt worden. „Dann hat man den militärischen Nutzen entdeckt“, sagte Komp. Die Kontrolle von Pipelines sei denkbar. 

André Komp von Infinteq präsentiert ein Modell des „Sea Eagles“, der einmal zu Verteidigungszwecken zum Einsatz kommen könnte.

André Komp von Infinteq präsentiert ein Modell des „Sea Eagle“, der einmal zu Verteidigungszwecken zum Einsatz kommen könnte. Die Luftdrohne soll dann die etwas kleinere Wasserdrohne im Meer absetzen.

Die Herausforderungen am Standort Deutschland sieht er darin, „die Lieferketten hochzufahren, um nicht von den Produkten aus China oder Amerika abhängig zu sein“. Aus der Zusammenarbeit mit der Ukraine wisse er: „‚Made in Germany‘ ist gut, aber ‚Made in Germany‘ muss schneller werden.“ Vor allem im militärischen Umfeld sehe er das politische Bestreben, in Sachen Drohnen die Weichen zu stellen. 

Minister Krischer sagte: „Wir haben schon den Anschluss beim Thema KI verpasst. Es ist wichtig, beim Thema Drohnen einen Punkt zu setzen und vorne mit dabei zu sein.“