Produktion in KölnDer elektrische Ford Explorer hat Wurzeln bei VW

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Ford präsentierte sein erstes rein elektrisches Fahrzeug für Europa, gebaut wird es ausschließlich in Köln. Ein Überblick zum neuen E-Modell.

Lange Zeit galt Ford als Nachzügler in Sachen Elektromobilität. Während Volkswagen oder Renault mit e-Up, der ID-Reihe und dem Zoe längst auf dem schnell wachsenden Markt Fuß gefasst hat, gab es von Ford lange gar nichts Elektrisches, und dann den monströsen und teuren Mustang Mach-E aus US-Produktion. Jetzt will Ford wieder Anschluss finden an die Rivalen im Bereich E-Fahrzeuge.

Mit Lichtshow, Livemusik und Burgerständen hat Ford am Dienstag nach langem Warten sein erstes rein elektrisches Fahrzeug aus europäischer Produktion präsentiert. „Ein superwichtiger Tag für Ford in Köln und der Welt“, sei dieser Dienstag, sagte nicht ohne Pathos Martin Sander, Deutschlandchef und General Manager für die E-Mobilität bei Ford in Europa. Details des Fahrzeugs waren bis Dienstagmittag ein streng gehütetes Firmengeheimnis.

Der neue Explorer soll nun für Ford der Wegbereiter für eine rein elektrischen Modellpalette ein, mit der sich der Autobauer in Europa neu aufstellen wird. Ford hat bislang noch keinen eigenen rein elektrischen Pkw im europäischen Portfolio. Nach der Sommerpause soll der Werksumbau zum „Ford Cologne Electrification Center“ abgeschlossen sein. Ab Herbst soll die Produktion dann auf vollen Touren laufen.

Was macht die Optik des Neuen aus?

Der Explorer erinnert an den vor allem in den USA weit verbreiteten SUV, der den gleichen Namen trägt. Seit 1990 ist das Fahrzeug auf dem Markt und ein typisches amerikanisches Dickschiff. Aus der Ähnlichkeit macht man bei Ford alles andere als einen Hehl.

Der Explorer „verkörpert unverkennbar unsere amerikanischen Wurzeln und unsere Adventurous-Spirit-Neupositionierung“, sagte Fordchef Sander. Allerdings ist dieser Explorer aus Köln auf den europäischen Markt abgestimmt und mit 4,47 Metern Länge und 2,06 Breite (mit Spiegeln) auch in seinen Ausmaßen deutlich europäischer.

Was bringt der Explorer technisch mit?

Für die Plattform des neuen Explorer bedient sich Ford in Wolfsburg. Er steht auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen. Die Reichweite dürfte mit der großen Batterie (ca. 77 Kilowattstunden) und Heckantrieb (210 Kilowatt) bei etwas mehr als 500 Kilometern liegen. Ford macht dazu auch auf Nachfrage keine Angaben, aber der ID.4 von VW, der auf dem gleichen Baukasten basiert, hat eine ähnliche Reichweite.

Ford stellt das neue Elektro-Modell Explorer vor.

Der neue Explorer von Ford

Allerdings dürfte diese auch beim Explorer im Alltag niedriger liegen, im ADAC-Test schaffte der ID.4 nur 385 Kilometer. Eine weitere Modell-Variante, ebenfalls mit Synchronmotor an der Hinterachse, hat mit 125 Kilowatt deutlich weniger Leistung und eine kleinere Batterie mit etwa 52 Kilowattstunden. Die Allradversion mit großer Batterie soll über 250 Kilowatt Motorleistung verfügen.

Was soll das Modell kosten und ab wann ist es im deutschen Handel?

Der Start der Produktion soll im September beginnen, erste Fahrzeuge dürften also nicht vor November auf den Straßen zu sehen sein. Vor-Bestellungen sollen bald möglich werden. Der Explorer wird für alle europäischen Märkte dann ausschließlich im Werk Köln hergestellt.

Ähnlich wie bei der Reichweite gibt man sich bei Ford in Sachen Preis noch verschwiegen. „Unter 45 000 Euro“ ist die einzige Ansage. Damit läge er in der gleichen Bandbreite wie sein VW-Cousin ID.4, der zwischen 40 000 und 58 000 Euro liegt. Auch der ähnlich große chinesischer MG Marvel kostet 47 000 Euro, womit der Explorer sogar gut im Kurs läge.

Wie soll das neue Image von Ford aussehen?

Ford hat es trotz vieler Bemühungen bislang noch nicht geschafft, die Marke für die Kunden als unverwechselbar zu positionieren. Ein nachhaltiger Markenbonus konnte nie wirklich dauerhaft erzielt werden. Das soll sich jetzt ändern. Ford will sich vom europäischen Mainstream absetzen und setzt auf seine amerikanischen Wurzeln. „Adventurous Spirit – Lust am Abenteuer, Freiheit und Entdeckung“ lautet das neue Markencredo.

Was bedeutet die Entwicklung für den Standort Köln?

Die Begeisterung und Freude, aber auch die Erleichterung waren groß, als Köln den Zuschlag für das erste und dann schließlich auch für das zweite europäische E-Auto bekam. Damit gilt die Auslastung des Kölner Werkes erstmal länger als gesichert. Insgesamt zwei Milliarden Dollar investiert die US-Konzernmutter dafür am Rhein – die größte Investition in der mehr als 90-jährigen Geschichte des Werkes.

Wie geht es weiter?

Ein zweites, möglicherweise größeres Modell soll 2024 ebenfalls von Köln aus an den Start gehen. Ob es ebenfalls optisch an ein US-Vorbild angelehnt sein wird, dazu wollte sich Ford-Chef Martin Sander noch nicht äußern.

In den nächsten sechs Jahren bis 2029 will der US-Autobauer insgesamt 1,2 Millionen E-Autos in Köln bauen. „Der heutige Tag ist ein absoluter Meilenstein für Ford in Europa“, sagt Gesamtbetriebsratschef Benjamin Gruschka. „Jetzt wünschen wir uns natürlich alle, dass sich die angepeilten 1,2 Millionen Fahrzeuge auch gut verkaufen“.

Die Ära des Verbrenners hingegen soll bei Ford bis 2030 enden. Dann will der Konzern in Europa nur noch elektrische Pkw auf den Markt bringen, beteuerte Sander am Dienstag.

Wie sieht die Modellplatte von Ford künftig aus?

Der Autobauer hatte sich im Zuge seiner Neuausrichtung vor einigen Jahren entschieden, sich aus dem Kleinwagensegment, das nur geringe Margen bringt, zurückzuziehen und auf profitbringende SUVs und leichte Nutzfahrzeuge zu setzen.

In diesem Juni läuft deshalb in Köln die Produktion des Verbrenner-Kleinwagens Fiesta aus. Der kleine Ka ist schon länger Geschichte. 2025 wird auch der Bau des Focus im Werk in Saarlouis eingestellt. Die Zukunft des Werkes an der Saar ist ungewiss, derzeit wird ein Käufer gesucht.

Wie kaum ein anderer Autobauer streicht Ford in Europa seine Verbrenner-Palette zusammen. Die Vans B-Max und C-Max wurden ebenso eingestellt wie der Mittelklassewagen Mondeo. Im Frühjahr endet der Bau der beiden Vans S-Max und Galaxy. Nach wie vor gut im Rennen liegen der Puma und der Kuga. Die Hoffnung ruht nur vor allem auf einem durchschlagenden Markterfolg des ersten und ab dem nächsten Jahr auch des zweiten vollelektrische Modells aus Köln.

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