Bei Galeria steht es einmal mehr Spitz auf Knopf – und wieder sind die Kölner Häuser betroffen. Wie es nun weitergeht.
Ringen um bessere Miet-KonditionenSo steht es um die Zukunft der Kölner Galeria-Häuser

Die Galeria-Filiale auf der Hohe Straße kämpft ums Überleben.
Copyright: Michael Bause
Der Warenhauskonzern Galeria prüft sein Filialnetz und erwägt, acht Standorte zu schließen. Auf der schwarzen Liste stehen auch zwei Kölner Filialen: der ehemalige Karstadt auf der Breite Straße und der Ex-Kaufhof auf der Hohe Straße/Ecke Schildergasse. Zudem wackeln Standorte in München, Berlin, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg.
Warum sind genau diese Standorte betroffen?
Dass es genau diese acht von bundesweit immerhin noch 83 Filialen getroffen hat, liegt daran, dass deren Mietverträge bald auslaufen. Galeria spricht von einer „mittelfristigen“ Laufzeit. Was das konkret heißt, kommentiert das Unternehmen auf Nachfrage nicht. Auch von den Eigentümern der Kölner Galeria-Immobilien war keine Laufzeit zu erfahren. Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen die Verträge für beide Innenstadt-Filialen im kommenden Jahr auslaufen.
Was passiert mit den angezählten Filialen?
Unmittelbar erst einmal nichts. Allerdings will Galeria eigenen Angaben zufolge in den kommenden Wochen „intensiv“ mit den Eigentümern verhandeln, um die „Mietkonditionen zu flexibilisieren“. Übersetzt heißt das: Wenn die Vermieter Galeria mit dem Mietpreis nicht entgegenkommen, könnte der Warenhauskonzern die angezählten Standorte aufgeben.
Die Verhandlungen seien bereits angelaufen, heißt es von Galeria, und würden mit der „notwendigen Konsequenz“ geführt. Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, „die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet“, bestehe auch die Möglichkeit von Schließungen. Zum aktuellen Stand und zum Zeitplan der Verhandlungen hat sich das Unternehmen nicht geäußert.
„Wir kämpfen für den Erhalt unserer Filialen und möchten an den Standorten bleiben. Wir sind uns unserer Rolle und Relevanz in den besten Einzelhandelslagen Deutschlands sehr bewusst“, schreibt Vertriebschef Philipp Kretzer in der Mitteilung. Voraussetzung für den Erhalt der Filialen sei jedoch ein wirtschaftlich tragfähiges Modell, das „langfristig ein positives operatives Ergebnis“ ermögliche. Galeria verhandelt eigenen Angaben zufolge zeitnah vorsorglich über einen Interessenausgleich und Sozialplan für die betroffenen Filialen.
Wem gehört der Ex-Kaufhof auf der Hohe Straße?
Da Galeria die Konditionen direkt mit den Eigentümern verhandelt, stellt sich die Frage, wer am Verhandlungstisch gegenübersitzt. Das ist bei der Immobilie auf der Hohe Straße nicht leicht zu beantworten. Sie gehörte zur Signa Prime Selection AG, die im Zuge der Pleite der Signa-Gruppe ebenfalls Insolvenz anmeldete. Die Prime-Selection-Immobilien wurden Teil der Insolvenzmasse, aus der die Gläubiger bedient werden wollen.
In der Regel versuchen Insolvenzverwalter, Vermögenswerte wie Immobilien so gewinnbringend wie möglich zu veräußern. Vergleichsweise schnell weg gingen die Luxuskaufhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg. Sie gehören nun der thailändischen Central Group, die zuvor schon Anteile an der KaDeWe-Gruppe hielt und sie komplett übernahm. Die Central Group zählt zu den weltweit größten Betreibern von Luxuswarenhäusern. Die Stadt Düsseldorf erwarb 2024 das Gebäude „Am Wehrhahn 1“, um daraus ein neues Opernhaus zu machen. Hier war zuvor eine Galeria-Filiale beheimatet, die im Zuge der vergangenen Insolvenz geschlossen wurde. Die Galeria-Immobilie an der Frankfurter Hauptwache ging an die örtliche Sparkasse, der Berliner Femina-Palast wurde für 64,5 Millionen Euro an einen israelischen Investor verkauft.
Doch die Signa-Immobilie auf der Kölner Hohe Straße ist noch Teil der Insolvenzmasse – sie ist entweder noch nicht zum Kauf freigegeben oder niemand will sie kaufen. Laut Auszug aus dem Grundbuch gehört das Gebäude der „Köln, Hohe Straße 41-53 Immobilien GmbH & Co KG, München“ – eine Gesellschaft, die im Zuge der Signa-Pleite aufgelöst wurde. Dass hier noch kein neuer Eigentümer im Grundbuch eingetragen wurde, sei „völlig normal“, sagt ein mit der Insolvenz betrauter Rechtsanwalt.
Eine Immobilie, die sich in der Insolvenzmasse befindet, gehört rechtlich weiterhin dem Schuldner – in diesem Fall also der Signa-Gruppe. Der Insolvenzverwalter verwaltet das Objekt und darf es versteigern oder verkaufen, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Ob der Kölner Kaufhof zum Verkauf freigegeben und wer konkret der Eigentümer ist, kommentierte der Insolvenzverwalter auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht. Auch Galeria wollte sich hierzu nicht äußern.
Gibt es Pläne für das Warenhaus an der Hohe Straße?
Fakt ist: Das Haus ist marode, es müssen Millionen fließen, um es fit für die Zukunft zu machen. Der Kölner Wirtschaftsdezernent Andree Haack hatte im Zuge der vergangenen Insolvenz öffentlich angemahnt, dass Geld in das Haus fließen müsse, „denn der Immobilieneigentümer hat eine umfangreiche Sanierung immer wieder verschoben“. Er würde auf Gespräche mit dem Galeria-Management dringen. Diese hätten stattgefunden, heißt es von der Stadt Köln auf Anfrage. Zu den Ergebnissen wollte sich die Stadt nicht äußern.
Insidern zufolge ist die Filiale zwar profitabel, aber nur, weil die Miete relativ niedrig ist. Wenn der Mietvertrag im kommenden Jahr ausläuft, dürfte sich das ändern – außer, die aktuellen Verhandlungen führen zu einem für beide Seiten tragbaren Ergebnis. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird geprüft, wie der Gebäudekomplex an der Hohe Straße weiterentwickelt werden kann und welche Rolle Galeria dabei spielt, vor allem in welchem Umfang. Denkbar wäre beispielsweise, dass Galeria nur die unteren Geschosse nutzt und die Verkaufsfläche verkleinert.
Im Dezember hatten die beiden Galeria-Manager Tilo Hellenbock und der mittlerweile von Bord gegangene Christian Sailer im Interview mit der „Süddeutsche Zeitung“ die Kölner Schildergasse als Negativbeispiel ausgemacht. In Städten, die auf Erreichbarkeit, Sauberkeit und Sicherheit achteten, würden die Galeria-Filialen „deutlich besser“ laufen. Köln liefere so gesehen ein schlechtes Bild, die Stadtpolitik habe sich nicht mehr um die Innenstadt gekümmert, auf der Schildergasse laufe der sukzessive Verfall. Das Resultat, so Hellenbock: wachsender Leerstand, immer schneller wechselnde Geschäfte, sinkende Qualität und damit sinkende Kaufkraft.
Warum trifft es erneut die Breite Straße?
Im Zuge der vergangenen Insolvenz vor rund eineinhalb Jahren hatten Insolvenzverwalter und Management niedrigere Mietpreise verhandelt und so unter anderem die Kölner Filiale auf der Breite Straße in letzter Minute retten können. Ihr Überleben hat sie dem Einlenken des Eigentümers Aroundtown zu verdanken, der die Immobilie 2020 gekauft hatte. Nun steht der Standort erneut zur Disposition. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ prüft der Eigentümer ähnlich wie an der Hohe Straße, wie er das Haus weiterentwickeln kann und welche Rolle Galeria dabei spielt. Dem Vernehmen nach ist unklar, wie langfristig Galeria bleibt.
Im Sommer 2024 hatte Galeria von einer Art Gnadenfrist gesprochen. Die Laufzeit des Mietvertrags „sei ausreichend, um das Projekt gemeinsam mit dem Eigentümer zu entwickeln“. Passiert ist seitdem wenig: Das Unternehmen wollte Flächen an andere Firmen untervermieten, beispielsweise im Bereich Schreib- oder Spielwaren. Während in anderen Galeria-Häusern etwa der Sportartikel-Spezialist Decathlon oder der Lebensmittel-Discounter Lidl eingezogen sind, tut sich in Köln in dieser Richtung nichts. Vom Unternehmen heißt es hierzu: Man prüfe mögliche Partnerschaften kontinuierlich.
Wie geht es Galeria finanziell?
Die Umsätze lagen laut Galeria-Management zum Jahresende leicht unter Plan. Dennoch stehe die Warenhauskette auf einem soliden finanziellen Fundament, hieß es im Dezember, und sei für das Jahr 2026 „stabil durchfinanziert“. Medienberichten zufolge sind die Zahlen auch am Jahresanfang so mau gewesen, dass sich erste Manager Sorgen um die Liquidität und die finanzielle Zukunftsfähigkeit des Konzerns machen.
Wie uneins sich die Management-Riege sein muss, zeigt sich an diversen Personalabgängen und Wortmeldungen. Mehr als 20 Manager, darunter Ex-CEO Olivier van den Bossche, haben Galeria 2025 verlassen. Es ist unter anderem die Rede von Unstimmigkeiten in Bezug auf die Rabattpolitik: Die hohen Abschläge, mit denen die Ware teilweise verkauft wird, lassen den Ertrag sinken – und das in einer Phase, in der die traditionell schwachen Monate zu Jahresbeginn noch bevorstanden. Dem Vernehmen nach fehlt Galeria ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag – die aktuellen Mietverhandlungen sind also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. (mit mhe)

