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„Wollen das Unmögliche wagen“
Bahngewerkschaft plant große Tarifverhandlungen für Anfang 2023

Ein ICE der Deutschen Bahn verlässt den Bahnhof Deutz.

Ein ICE der Deutschen Bahn verlässt den Bahnhof Deutz.

Im kommenden Jahr geht es für die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft wieder in Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn. Die Arbeitnehmervertretung will dabei erstmalig alle Beteiligten an einen Tisch holen.

Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wollen im kommenden Jahr erstmalig Tarifverhandlungen für alle Unternehmen des Schienenverkehrs in Deutschland gleichzeitig führen. Hermann-Josef Müller, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, bestätigte das Vorhaben: „Wir wollen das Unmögliche wagen und alle, die in Deutschland Verkehr betreiben, an einen Tisch holen.“ So will die Gewerkschaft bundesweit Klarheit schaffen und einen Flickenteppich in den Ländern vermeiden. Deshalb sollen Tarifforderungen für mehr als 50 Bahnunternehmen zeitgleich formuliert werden. „Der DB-Konzern besteht nicht nur aus Fernverkehr und Regio, sondern etlichen weiteren, wie zum Beispiel DB-Energie oder DB-Services“, sagt Müller. Es gelte, alle zu berücksichtigen. Die Arbeitgeberseite habe signalisiert, man sei dazu bereit.

Ein „hitziges Frühjahr“ kündigte auch der neue EVG-Chef Martin Burkert am Dienstag, 6. Dezember, an. Denn die Erwartungen der Beschäftigten im Schienenverkehr seien riesig, mindestens ein Inflationsausgleich müsse her, so Burkert. Erreichen möchte das die Arbeitnehmergewerkschaft im kommenden Februar, wenn in Frankfurt Tarifverhandlungen anstehen. Für das ehemalige Bundestagsmitglied werden es die ersten Tarifverhandlungen als Vorsitzender der EVG. Burkart wurde erst im Oktober dieses Jahres mit mehr als 90 Prozent ins Amt gewählt.

EVG-Mitgliederbefragung bis Mitte Januar

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Bei der EVG läuft aktuell eine Befragung der rund 220.000 Gewerkschaftsmitglieder. Noch bis Mitte Januar können die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner online oder per Post ihre Forderungen formulieren. Diese werden dann analysiert und gewichtet. Anfang Februar werden die wichtigsten Forderungen dann im Rahmen einer Tagung des Bundesvorstandes, zu dem auch neun Mitglieder aus NRW zählen, priorisiert. „Schon jetzt deutet viel auf einen Inflationsausgleich hin. Ob linear oder prozentual, steht aber noch aus“, sagt der NRW-Vorsitzende. Der Inflationsbonus des Bundes in Höhe von 3000 Euro werde obendrauf gerechnet.

Die Betriebliche Altersvorsorge sei ein weiteres wichtiges Thema der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In der Vergangenheit sei vonseiten der Bahn aus versucht worden, diese zu kündigen. Kämpfen müsse man zurzeit vor allem gegen die erhöhte Altersstruktur bei der Bahn. Hinzu kommen viele Abgänge. Deshalb werde mit speziellen Schulungen versucht, auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger zu gewinnen. Zurzeit stelle der DB-Konzern zwischen 19 und 24.000 Menschen im Jahr ein. Das gelinge jedoch nicht in allen Bereichen. „Wir haben viel zu wenig Lokführer, viel zu wenig. Der Markt ist abgegrast“, berichtet Müller.

Für eine Besonderheit wird im kommenden Februar der Umstand sorgen, dass auch Verdi parallel den Arbeitskampf aufnehmen wird. Die Gewerkschaft geht zur gleichen Zeit mit kommunalen Verkehrsunternehmen und dem Öffentlichen Dienst in Tarifverhandlungen. „Das haben wir noch nicht allzu oft gehabt. Das könnte uns gemeinsam in die Karten spielen und den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen“, so Müller. Auch ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigt den Gesprächstermin im Februar. Die Aussagen von EVG-Chef Martin Burkert kommentierte der Konzernsprecher nicht. (mit dpa)

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