Köln – Erst kam der Lockdown – und die Technik-Händler mussten einen Monat lang ihre Geschäfte schließen. Dann sickerte bei den Deutschen die Erkenntnis durch, dass sie 2020 viel Zeit zu Hause verbringen werden – und sie begannen, entsprechend einzukaufen. Das laufende Jahr war ein zwiespältiges für Anbieter von Konsumelektronik und IT.
„Wir haben ein Wechselbad der Gefühle hinter uns“, sagte Frank Schipper, Vorsitzender des Handelsverband Technik (BVT) am Dienstag bei der Vorstellung der Jahreszahlen. Lockdown und kostspielige Hygienekonzepte drückten auf den Ertrag, auf der anderen Seite blieben die Kunden treu: Die Deutschen werden in diesem Jahr voraussichtlich 63,3 Milliarden Euro für technische Gebrauchsgüter ausgeben, etwa vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
„Zwei Lockdowns und Homeoffice sorgen dafür, dass die Deutschen ihr Urlaubsgeld innerhalb der eigenen vier Wände investieren“, sagte BVT-Geschäftsführer Steffen Kahnt am Dienstag. „Die Menschen möchten für ihr Zuhause maximalen Komfort und Entertainment in bester Qualität.“ Vor allem nach dem Lockdown im Frühjahr seien die Geschäfte besser angelaufen als erwartet. Das habe fast „einen kleinen Kaufrausch“ gegeben, so Kahnt. Und der reichte von Putzhilfen wie Staubsaugern über Gaming-Laptops bis hin zu Tiefkühltruhen für die Hamsterkäufe. Einige Beispiele.
Hochwertige Fernseher
Die Deutschen kaufen eigentlich am liebsten dann Fernseher, wenn sie auf ihnen Fußball-Weltmeisterschaften oder -Europameisterschaften schauen können. Nun fiel in diesem Jahr zwar die EM aus, die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten führten aber dennoch dazu, dass gerade hochwertige Fernseher stark nachgefragt wurden. Vor allem große Displays waren beliebt: Geräte mit 70 Zoll und mehr legten in der Menge um 130 Prozent zu. Außerdem verfüge mittlerweile jeder zehnte Fernseher über eine Sprachsteuerung, berichtet der BVT. Auch Fernseher mit besonders hohen Auflösungen und funktionsstarken Displays wurden stärker verkauft.
IT fürs Home Office und Gaming
Wer Zuhause arbeitet, benötigt die entsprechende technische Ausstattung. Da überrascht es kaum, dass der Umsatz mit Produkten der Informationstechnologie in den ersten acht Monaten des Jahres um 15 Prozent auf sechs Milliarden Euro stieg. Vor allem Monitore, Tastaturen und Mäuse verkauften sich gut, genauso wie Tablets. Und auch die Unterhaltung profitierte: Je länger der Lockdown andauerte, desto stärker wuchs der Umsatz mit Gaming-Geräten. Entsprechende Laptops legten um ganze 41 Prozent zu.
Technik für die Küche
Die Deutschen dürften in diesem Jahr auch deutlich mehr Zeit in der heimischen Küche verbracht haben als sonst. Den BVT-Zahlen zufolge setzten sie dabei auch auf elektronische Küchenhilfen, deren Umsatz um 32,4 Prozent stieg; gerade Küchenmaschinen waren beliebt. Espressovollautomaten (plus 17 Prozent) und Siebträgermaschinen (plus 30 Prozent) glichen wohl geschlossene Cafés aus.
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Ebenfalls sehr stark nachgefragt: Gefriertruhen (Umsatzplus von 49 Prozent) und Standgefriergeräte (plus 44 Prozent) – denn wer hamstert, muss auch kühlen können.
Ausblick
Schipper schaut zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft – trotz Teil-Lockdown. „Wir haben einen super Oktober hinter uns und auch der November ist gut angelaufen. Wir gehen optimistisch in die nächsten Wochen.“ Er rechnet damit, dass der Technik-Handel eine „Jahres-End-Rallye“ erleben werde, bei der Kunden noch einmal die letzten Tage der Mehrwertsteuersenkung mitnehmen. 20 Meter lange Schlangen in den Geschäften würde es in diesem Jahr aber eher nicht geben. Bislang zeige sich ein Trend hin zu weniger Kunden, die aber mehr Geld dalassen.



