Meistgelesen 2022Immer mehr Menschen verlassen Köln ins Umland

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Sonnenuntergang über Köln

  1. Dieser Text ist zuerst am 26. Oktober 2022 erschienen

Deutschlands Metropolen verlieren ihre Einwohnerinnen und Einwohner. Allen voran liegt Berlin, dem vergangenes Jahr 17.249 Menschen ihren Rücken gekehrt haben. Auch Hamburg verlor 11.145 Einwohnerinnen und Einwohner, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes darlegen. Köln liegt auf Platz 3 der meisten Abschiede: Laut Stadt ist die Einwohnerzahl 2021 um 8739 Menschen gesunken. Doch wohin hat es die ehemaligen Kölnerinnen und Kölner verschlagen? Und aus welchen Städten kamen die Menschen nach Köln?

Die Datenanalysefirma Empirica Regio hat sich die Zahlen des Statistischen Bundesamts genauer angeschaut. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich der Trend zur Abwanderung ins Umland seit 2018 verstärkt hat, weil es in den Metropolen zu wenig bezahlbaren Wohnraum gebe. Das habe Folgen für Großstädte wie Köln: „Insbesondere die Abwanderung von Familien muss den Städten Sorgen bereiten, da diese finanziell meist gut aufgestellt sind und eine Stadt beleben“, sagt Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio.

Auch das besonders bei den Kölnerinnen und Kölner beliebte Umland erhält durch die Zuwanderung neue Chancen, aber auch „Wachstumsschmerzen“. Zunehmender Autoverkehr, erhöhter Bedarf an ÖPNV-Infrastruktur, erhöhter Baulandbedarf, höhere Nachfrage nach Kitas und Schulen, bessere Energieversorgung, sind nur einige Themen auf der Liste.

Bergisch Gladbach Favorit als Umzugsziel

Insgesamt 0,8 Prozent weniger sind die Kölnerinnen und Kölner 2021 geworden. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln analysiert Zuzüge, Fortzüge und rechnet sie in einem Saldo zusammen, also um wie viele Einwohnerinnen und Einwohner die Stadt dementsprechend gewachsen oder geschrumpft ist. Der mit Abstand beliebteste Ort für den Wegzug aus Köln ist Bergisch Gladbach. Dorthin sind im vergangenen Jahr 2068 Menschen gezogen. Allerdings kamen auch 1137 Menschen aus Bergisch Gladbach nach Köln. Unterm Strich hat Köln also 931 Menschen an die Stadt im Rheinisch-Bergischen Kreis verloren.

Betrachtet man die weitere Liste der Gemeinden, in die die Kölnerinnen und Kölner gezogen sind, wird eines klar: Sie entfernen sich offenbar nur ungern von Köln. Nach Bergisch Gladbach sind die nächsten Städte auf der Liste Pulheim (Saldo von minus 619), Hürth (minus 612), Leverkusen (minus 753) und Wesseling (minus 455).

Bei den Städten, aus denen Köln neue Mitbürgerinnen und Mitbürger gewonnen hat, zeigt sich ein weniger eindeutiges Feld. Den höchsten Saldo von 306 hat Aachen, bei einem Zuzug von 898 und einem Wegzug von 592 Menschen. Besonders viele Menschen sind sowohl von Bonn nach Köln (1519) als auch von Köln nach Bonn (1371) gezogen – unter Strich steht ein Saldo von 148. Auf den folgenden Plätzen stehen Dortmund (Saldo 128), Münster (118), Siegen (112) und Essen (98).

Größte Verluste für Rodenkirchen

Man kann aber auch noch etwas genauer hinschauen: Den meisten Verlust musste der Kölner Stadtbezirk Rodenkirchen hinnehmen: Dort beträgt der Saldo minus 2093. Lindenthal weist einen Saldo von 1510 auf, gefolgt von Nippes mit 1258. Besonders viel Fluktuation herrscht in der Innenstadt: 9469 Zuzüge nach Köln und 9472 Wegzüge aus Köln ergeben einen Saldo von gerade mal minus 3.

Auch für die Kölnerinnen und Kölner, die beschließen, weiterhin in der Stadt zu wohnen, herrscht Bewegung: Insbesondere entscheiden sich viele von ihnen gegen die Innenstadt, die einen Saldo von 1808 vorweist. Weit abgeschlagen das zweitplatzierte Kalk, hier beträgt der Saldo minus 182. Besonders viel Zuzug aus Köln erleben Porz (plus 547), Rodenkirchen (plus 486), Nippes (plus 425) und Chorweiler (plus 404).

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