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Teure SchokoladeKunden kaufen seltener Süßes – Branche angespannt

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Süßwarenregal mit Schokotafeln verschiedener Marken

Kunden greifen seltener nach Schokolade – Grund sind die hohen Preise.

Die Lust auf Süßes ist groß in Deutschland – aber nicht um jeden Preis. Bei Schokolade sind Verbraucher deshalb zurückhaltender, vor allem an Weihnachten und Ostern.

Kaum sind die letzten Schokoweihnachtsmänner mit Rabattaktionen in den Verkauf gebracht, rücken in wenigen Wochen Ostereier und -hasen im Süßwarenregal nach. Doch möglicherweise bleibt ein vergleichsweise großer Teil von ihnen auch dort stehen. Das war zumindest im Vorjahr der Fall. 2025 hat das Saisongeschäft auf Käuferseite an Beliebtheit verloren, wie eine Studie des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ (NIQ) vor Beginn der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln zeigt. Konsumenten reagierten demnach mit spürbarer Zurückhaltung auf das immense Angebot von Süßigkeiten, das Supermärkte, Discounter und auch Drogeriemärkte klassischerweise vor den Feiertagen flutet. Der Absatz ging den Daten zufolge um fast 12 Prozent zurück.

Grund für das schwächelnde Oster- und Weihnachtsgeschäft seien die hohen Schokoladenpreise, gepaart mit einer insgesamt vorsichtigeren Konsumhaltung, stellte Ulrich Zuenelli fest. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender des Internationalen Süßwarenhandelsverbands Sweets Global Network, der die Analyse in Auftrag gegeben hatte.

Viele Schokoladenosterhasen stehen im Schokoladenland der Confiserie Felicitas.

Insbesondere das Ostergeschäft entwickelte sich 2025 rückläufig.

Auf den enormen Preisanstieg reagierten die Verbraucher demnach auch in anderen, ganzjährigen Segmenten alles andere als achselzuckend. Der Absatz von Tafelschokolade und Riegeln brach in den vergangenen zwei Jahren um 5,4 Prozent ein, der von Pralinen und Schoko-Knabberartikeln um acht Prozent. 

Ernteausfälle in Westafrika und verstärkte spekulative Aktivitäten an den Rohstoffbörsen hätten die Kakaopreise seit 2023 auf ein beispielloses Niveau getrieben, erklärte Zuenelli. „Diese Kostenexplosion ließ sich von der Industrie nicht mehr auffangen und machte spürbare Preisanpassungen bei Schokoladenprodukten unausweichlich.“ In Deutschland etwa stieg der Kilopreis um 27 Prozent von 12,39 (November 2023) auf 15,75 Euro (November 2025). Der europäische Durchschnitt liegt laut Branchenverband bei einem Anstieg von 31 Prozent. 

Kakaopreise sinken aktuell – Schokoladenpreis dennoch auf hohem Niveau

Zwar seien die Kakaopreise zuletzt wieder gesunken, dennoch liege der Preis weiterhin auf einem hohen Niveau, teilte auch der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) vor der ISM mit. Für Handelsmarken wie Aldis Moser-Roth und Edekas neue Eigenmarke „Herzstücke“ zahlen Verbraucher dabei deutlich weniger als für Markenartikel wie die von Rittersport oder Lindt und Sprüngli. Da scheint es zu passen, dass Milkas Alpenmilch-Schokolade jüngst von Verbraucherinnen und Verbrauchern zur „Mogelpackung des Jahres“ gewählt wurde. Die Tafel ist laut Verbraucherzentrale Anfang 2025 um zehn Gramm dünner und gleichzeitig 50 Cent teurer geworden. 

Kaum verwunderlich legen No-Name-Alternativen zu. Der Kölner Handelskonzern Rewe etwa berichtet dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf Anfrage: „Die gestiegene Preissensibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher hat die Attraktivität der Eigenmarken nochmal deutlich erhöht.“

Die Verbraucher verzichten nicht auf Schokolade. Der Konsum sinkt, aber deutlich weniger stark als die Preise steigen
Ulrich Zuenelli, Aufsichtsratsvorsitzender Sweets Global Network

Doch ob Marke oder nicht – insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die Nachfrage zumindest robust hält. „Die Verbraucher verzichten nicht auf Schokolade. Der Konsum sinkt, aber deutlich weniger stark als die Preise steigen“, das stimmte Zuenelli, der auch für die Loacker AG, einen italienischen Süßwarenhersteller arbeitet, einigermaßen versöhnlich. Die Erlöse durch Schokoladenartikel stiegen dementsprechend, insbesondere aber preisbedingt, im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent.

Auch darüber hinaus steigerte die Branche ihren Umsatz in Deutschland laut NIQ um 4,9 Prozent, die Zahl der abgesetzten Packungen sank um 2,2 Prozent. Für einige Produkte lief es jedoch besser.

Verhaltene Aussichten für 2026

Zu den größten Gewinnern zählten Sport- und Energieriegel, salzige Snacks wie Laugengebäck und Stapelchips, Waffeln sowie Frucht- und Weingummis (inklusive Lakritze). Angesagt sind – neben den kurzfristig gehypten Produkten rund um Dubai-Schokolade und Matcha – außerdem gefriergetrocknete Süßigkeiten, deren Konsum in den sozialen Medien gefeiert wird, wie das Beispiel des Kölner Süßwarenherstellers Hitschler zeigt. Ausgenommen von alkoholhaltigen Pralinen bleibt Schokolade allerdings weiterhin die größte Süßwaren-Kategorie, gefolgt von salzigen Snacks, Zuckerwaren und Gebäck. 

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schaut derweil auf „ein schwieriges Jahr“ zurück. Die Unternehmen erlebten drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Personal, Energie und Logistik, die Bürokratie sorge noch dazu für Wettbewerbsnachteile, sagte Bastian Fassin, der Vorsitzende des Verbands und Katjes-Chef. Die Menge der in Deutschland hergestellten Süßwaren und Knabberartikel sank 2025 nach Angaben des Verbandes auf 3,9 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Rückgang von gut fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch 2026 wird kein einfaches Jahr erwartet: „Denn insbesondere bei den Kakao- und Haselnusspreisen ist keine Entspannung zu erkennen“, sagte Fassin.

Branchentreff für Fachpublikum

Ab Sonntag bis zum 4. Februar trifft sich die Branche in den Deutzer Messehallen zu gleich drei Events. Neben der ISM, laut Veranstalter die „weltweit größte Messe der Süßwaren- und Snackindustrie“, findet auch die ISM Ingredients, eine Fachmesse für Inhaltsstoffe, sowie die Zuliefermesse „ProSweets Cologne“ statt. Rund 1800 Aussteller aus 70 Ländern zeigen auf mehr als 100.000 Quadratmetern ihr Angebot und neue Trends, darunter vegane und proteinreiche Snacks.

„Gemeinsam bilden die drei Veranstaltungen die gesamte Wertschöpfungskette der Süßwaren- und Snackindustrie ab – von den Rohstoffen und Zutaten über Produktion und Verpackung bis hin zu den fertigen Produkten im Handel“, sagte der Kölner Messe-Chef Gerald Böse. Im Vergleich zum Vorjahr habe man mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent zulegen können, so Böse. (mit dpa)