Neben Fitness-First, McFit und Holmes-Place eröffnet in der Kölner Innenstadt ein weiteres großes Studio. Geschäftsführer Fabian Menzel erklärt, warum sich Xtrafit trotz Konkurrenz ins Haifischbecken wagt.
XtrafitKölner Fitnesskette hat vier Millionen Euro in Schildergasse-Studio investiert

Fabian Menzel, Geschäftsführer der Kölner Fitnesskette Xtrafit
Copyright: Alexander Schwaiger
Herr Menzel, am Montag eröffnen Sie den 20. Klub Ihrer Kette in der Schildergasse. Warum dieser Standort?
Wir kommen ursprünglich aus Köln, sind die mitgliederstärkste Kette in Köln und so war es bislang ein fehlendes Element, nicht in der Innenstadt präsent zu sein – und die Schildergasse als prominenteste Straße hat sich dann natürlich besonders angeboten. Vor allem, weil das Mietangebot Ende 2022 in einer Zeit aufkam, als viele nicht mehr an die Innenstadtlage geglaubt haben. Die Themen Ladensterben und Veränderung der Innenstadtlagen polarisieren ja nach wie vor. Aber wir waren mutig genug und haben gesagt: Wir machen das jetzt.
Trotz großer Konkurrenten wie Fitness-First, McFit und Holmes-Place in unmittelbarer Nähe. Haben Sie nicht Angst, dass die anderen Studios Ihnen die Mitglieder wegschnappen?
Nein. Fitness ist immer noch ein Angebotsmarkt. Je mehr Angebot man schafft, desto näher ist man an der Zielgruppe. Und: Das nächste Studio ist immer das Beste. Das zeigen etliche Studien, in denen untersucht wurde, nach welchen Kriterien sich Mitglieder für einen Klub entscheiden. Ganz vorn steht da immer die Lage, erst dahinter kommen Preis-Leistung, Equipment, Kurse und so weiter. Sprich, je mehr Angebot es gibt, desto mehr Nachfrage wird auch kreiert. Klar ist es hier in der Innenstadt sehr extrem mit der Konkurrenz. Trotzdem bin ich mir sicher, dass das Studio vom ersten Tag an voll sein wird, neue Mitglieder gewinnt und zugleich einen Mehrwert für bestehende Mitglieder schafft, zum Beispiel für all diejenigen, die hier arbeiten und auf dem Hin- oder Heimweg das Studio nutzen.

Am 12. Januar öffnet das neue Xtrafit-Studio im ehemaligen Karstadt-Sport-Gebäude in der Schildergasse.
Copyright: Alexander Schwaiger
Haben Sie weitere Lagen in Köln im Blick?
Es gibt ein paar Optionen, gerade im Süden, wo wir noch nicht vertreten sind und wo wir noch Potenzial sehen. Es ist allerdings nicht so einfach, die entsprechenden Flächen zu finden, sich mit Vermietern zu einigen und eine geeignete Partnerschaft zu entwickeln. Es müssen viele Variablen passen, um einen geeigneten Standort zu finden, denn wir planen, Studios in der Regel mindestens 20 bis 25 Jahre zu betreiben. Da stecken schließlich wahnsinnige Investitionssummen drin. Allein in der Schildergasse haben wir rund vier Millionen Euro verbaut.
Alles zum Thema Corona
- Unwetter Glatte Straßen in NRW - Schulen landesweit geschlossen
- Unwetter Schulen geschlossen - aber Schüler haben kein schulfrei
- Xtrafit Kölner Fitnesskette hat vier Millionen Euro in Schildergasse-Studio investiert
- Höhere Gebühren für Bürger Es gibt einen Sanierungsstau im Wasserwerk Nettersheim
- Corona-Pandemie Warken kontert Vorwürfe von US-Gesundheitsminister Kennedy
- Gesundheit Warken weist Vorwürfe von US-Minister scharf zurück
- Heim-Weltcup Deutsche Biathletinnen Staffel-Dritte in Oberhof
Fabian Menzel ist gemeinsam mit Gabriel Vogel Geschäftsführer des Kölner Fitnessunternehmens Xtrafit, das mit rund 350 Mitarbeitenden bundesweit 20 Studios für 100.000 Mitglieder betreibt, darunter sechs in Köln. Die neueste Filiale eröffnet am Montag, 12. Januar, in der Schildergasse auf mehr als 3200 Quadratmetern über vier Etagen. Langfristig plant Xtrafit, weiter zu expandieren. Jährlich sollen Menzel zufolge drei neue Klubs dazukommen, vornehmlich im Rheinland, Rhein-Main-Gebiet und im Stuttgarter Raum.
Auch, wenn Sie in weitere Städte expandieren, haben Sie Ihren Firmensitz weiterhin in Ossendorf. Welche Vorteile bietet der Standort Köln für ein Fitnessunternehmen?
Köln ist eine Millionenstadt, da gibt es deutschlandweit nicht so viele von. Die Bevölkerungsdichte ist für die Mitgliedergewinnung und das Mitarbeiter-Recruiting schon ein enormer Vorteil. Hinzu kommt der Status Kölns als Fitnesshauptstadt Deutschlands mit der Deutschen Sporthochschule und der Fibo als weltgrößte Fitnessmesse. In der öffentlichen Wahrnehmung wird oft verkannt, dass wir in Deutschland im Bereich Fitness Weltmarktführer sind.
Ist das nicht eher die USA?
Meines Erachtens nicht. Hyrox, digital vernetzte Fitnessgeräte wie Egym und Milon, Discountketten wie McFit – das sind alles deutsche Produkte, die internationalisiert wurden. Genauso wie das Geschäft mit den Fitnessplattformen – Urban Sports Club, Wellhub, Hansefit. Hier hat mit Frank Böhme, Gründer von Just Fit, sogar ein Kölner Pionierarbeit geleistet. Erst wurde er belächelt. Mittlerweile ist das Konzept weltweit angesagt, stärkt den Markt und macht den Zugang zu Fitness und Sport einfacher. Ausländische Geschäftspartner, die jährlich zur Fibo kommen, sind immer wieder beeindruckt, was man hier für vergleichsweise niedrige Mitgliedsbeträge von rund 30 Euro im Monat bekommt. In London zahlt man teilweise 30 Pfund und mehr für einen einzigen Kurs. Wenn man das alles herunterbricht, können wir in Deutschland im Bereich Fitness schon eine breite Brust zeigen.

Mit Trainingsflächen wie dieser reagieren Kölner Studios auf die hohe Nachfrage nach Hyrox, einer 2017 gegründeten Fitnesssportart, die Ausdauer- und Kraftelemente vereint.
Copyright: Alexander Schwaiger
Der Fitnessmarkt hat sich nach der Corona-Pandemie schnell erholt, mehr als elf Millionen Menschen in Deutschland sind in einem Fitnessstudio angemeldet – wie viele von ihnen treiben denn tatsächlich Sport und was hat es mit den so gern zitierten Karteileichen auf sich?
Beim Märchen von Discount-Fitnessstudios, die nur dank Karteileichen überleben, kriege ich inzwischen einen Rappel. Natürlich gibt es einige Kunden, die für eine Mitgliedschaft bezahlen, die sie nicht nutzen – das ist aber maximal sinnlos. In unseren Mitgliederdaten sehen wir nämlich, dass die Kündigungswahrscheinlichkeit um 65 Prozent sinkt, wenn die Leute regelmäßig ins Studio kommen. Also versuchen wir, sie wieder zum Sport zu animieren, per Erinnerungs-Emails, Bring-a-Friend-Aktion oder neuen Kursformaten. Künstliche Intelligenz wird das Ganze nochmal auf ein neues Level bringen, weil wir Daten von unseren Mitgliedern haben, um die uns jeder andere Einzelhändler beneidet.
Früher hat man die Mitglieder weniger mit KI-gesteuertem Mitgliedsmanagement, sondern mit mehrjährigen Knebelverträgen an sich gebunden. Wie ist das heute?
Heute muss man flexiblere Angebote haben – zum Jahresstart gibt es bei uns zum Beispiel nur flexible Monatsverträge. Wir glauben daran, mit unserem Service und unserer Qualität zu punkten. Ich selbst finde Langzeitverträge von bis zu 24 Monaten einfach nicht mehr zeitgemäß. Durch die Reform von Verbraucherverträgen ist es mittlerweile etwas besser geworden. Nach einer Erstlaufzeit von maximal zwei Jahren gilt eine Kündigungsfrist von 30 Tagen. Ich erwarte, dass auch solche Extras wie halbjährige Service- oder Trainerpauschalen verschwinden. Diese Modelle halten rechtlich nicht stand und sind für Verbraucher am Ende schlicht eine Verarsche. Der finale Preis sollte transparent kommuniziert werden.
Auf welche weiteren Veränderungen stellen Sie sich mit Ihren Studios ein – was ist gerade Trend?
Ein Trend ist ja immer etwas Temporäres. Eine nachhaltige Veränderung stellt aus meiner Sicht hingegen die Hyrox-Bewegung dar. In einer Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining wurde ein neues Fitness-Wettkampfformat mit exponentiell wachsenden Teilnehmerzahlen geschaffen, der gerade international durch die Decke geht. Und die Nachfrage nach dem Training sehen wir eben auch bei uns. Deshalb haben wir – aber auch viele andere Studios – die Funktionsflächen ausgebaut oder angepasst, zum Beispiel mit Sprintrasen, Schlitten, Tauen oder Sandsäcken. In unserem Studio in Köln Ossendorf haben wir das pilotiert, hier in der Schildergasse ist es bereits Teil der Erstausstattung. Und wir werden das in allen weiteren Studios, in denen es baulich möglich ist, ebenfalls ausrollen. Trainingsmöglichkeiten für Hyrox gehören bald zum Standard. Die Gründer haben da wirklich eine Nische getroffen. Das Format ist wahnsinnig populär und zieht die Leute natürlich auch wieder in die Studios.

