Der Nettersheimer Eigenbetrieb steht vor großen Umwälzungen. Ein möglicher Anschluss an den Wasserverband Oleftal soll geprüft werden
Höhere Gebühren für BürgerEs gibt einen Sanierungsstau im Wasserwerk Nettersheim

Neu gebaut werden muss der Hochbehälter in Tondorf.
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Das Wasser von Nettersheim ist gut – eigentlich. Doch nicht nur die Belastung mit Fäkalkeimen, die nach einer Baumaßnahme in Tondorf dazu führte, dass dort über Wochen das Trinkwasser vor Gebrauch abgekocht werden musste, beschäftige Nettersheimer Verwaltung und Politik gleichermaßen. Denn dem Nettersheimer Eigenbetrieb Wasserwerk stehen große Umwälzungen bevor. Mit dem Jahreswechsel ist die technische Betriebsleitung bereits an den Wasserverband Oleftal gegangen.
Bislang wurde in Nettersheim viel Wert auf die Autonomie in der Infrastruktur gelegt. So ist nicht nur die Wasserversorgung in einem Eigenbetrieb organisiert, sondern auch die Müllabfuhr. Auf diese Weise gelang es der Nettersheimer Politik und Verwaltung, den Bürgern günstige Gebühren liefern zu können. Doch beim Wasser ändert sich die Lage. Um 20 Cent pro Kubikmeter wurden die Gebühren für Frischwasser fürs laufende Kalenderjahr angehoben.
Und es sei noch mehr zu erwarten, warnte Bürgermeister Norbert Crump. Denn es gebe im Wasserwerk einen erheblichen Sanierungsstau, der sich über Jahrzehnte entwickelt habe. So müssen der Hochbehälter Tondorf neu gebaut und die Zuleitung von Birkenheck erneuert werden. „Der Hochbehälter ist technisch veraltet und bietet keine Kapazität“, so Crump. Der Hochbehälter in Buir solle dagegen komplett außer Betrieb genommen und dort eine Druckminderungsanlage eingebaut werden. Darauf sei bei der Wasserschau mit der Gesundheitsbehörde des Kreises Euskirchen im Oktober 2025 eindringlich hingewiesen worden. Allein diese Investitionen liegen bei vier Millionen Euro.
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Kosten um Hauptleitung sind noch ungeklärt
Noch nicht abzuschätzen seien die Kosten, die durch die Hauptleitung von der Quelle in Hauserbenden entstehen könnten. „Die Leitung ist abgeschrieben, aber da gibt es Lochfraß und Wasserverlust“, informierte der Bürgermeister. Diese Leitung sei ein Nadelöhr. „Wenn die kaputt geht, dann sitzen wir buchstäblich auf dem Trockenen“, so Crump.
Auch stehe noch nicht fest, wie sich die Lage beim Hochbehälter in Zingsheim weiterentwickeln werde. Hier stünden ebenfalls Sanierungsmaßnahmen an. Da habe sich im Laufe von Jahrzehnten ein Sanierungsstau ergeben. „In den letzten Jahren hatten wir außerdem durch Corona und die Flut andere Prioritäten und wollten vor allem den Menschen helfen, die unter der Situation gelitten haben“, führte er aus.
Akute Personalprobleme führten zu Engpass
Dazu krankt der Eigenbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes vor allem an einem Personalproblem. Temporär habe es einen massiven Engpass gegeben, so Crump. „Da erleben wir wieder einmal den Fachkräftemangel“, sagte er. Denn von den drei Mitarbeitern, die im Wasserwerk tätig sind, sei im Dezember aus Krankheitsgründen niemand einsatzfähig gewesen. Der Betrieb sei nur noch durch externe Fachfirmen aufrechterhalten worden, informierte er. Darüber hinaus bewegten sich zwei der Mitarbeiter auf die Verrentung zu und stünden damit auf lange Sicht nicht mehr zur Verfügung.
Die Zusammenarbeit der Gemeinde Nettersheim mit dem Wasserverband Oleftal ist keine neue Errungenschaft. Marmagen wird schon länger durch die Hellenthaler mit Wasser beliefert. Auch standen die Mitarbeiter des Wasserverbands Oleftal ihren Nettersheimer Kollegen während der wochenlangen Probleme mit dem Trinkwasser in Tondorf mit Rat und Tat zur Seite.
Das Wasserwerk könnte sich dem Wasserverband Oleftal anschließen
Aber die Pläne in der Verwaltung gehen noch weiter: Denn wie Bürgermeister Crump bestätigte, gibt es derzeit Überlegungen, ob sich das Nettersheimer Wasserwerk dem Wasserverband Oleftal anschließen sollte. „Es besteht ein diesbezüglicher Prüfungsauftrag vom Rat, der gemeinsam mit dem Wasserverband durchgeführt wird“, beschrieb er die Situation. Was allerdings bereits bei den Nettersheimer Ratsvertretern dazu führte, im Haupt- und Finanzausschuss über die Gebührensituation zu sprechen, die bei einer Fusion mit dem Hellenthaler Wasserverband zu erwarten wäre.
Die notwendigen Investitionen würden sich zwangsläufig auch auf den Gebührenhaushalt auswirken, betonte Crump. Da sei mit Steigerungen zu rechnen. Auch sei der Preis für Wasser in Marmagen bereits höher als in den anderen Orten der Gemeinde. „Da weiß man, wo die Reise hingeht“, sagte er. Bislang sei der Preis, den das Gemeindewasserwerk erhebe, auch nach der Erhöhung immer noch der zweitgünstigste im Kreis.
Obwohl der Wasserverband Oleftal seine Kunden mit Wasser aus der Oleftalsperre beliefere, bestehe im Nettersheimer Rathaus aktuell keine Absicht, den Wasserbezug von der Quelle in Hauserbenden aufzugeben, betonte der Bürgermeister. „Das ist eine Top-Quelle. Auch wenn es trocken war, gab es von dort keinerlei Lieferschwierigkeiten, da kam immer genug Wasser“, sagte er deutlich. Das werde mit den Kollegen vom Wasserverband Oleftal zu prüfen sein.
„Nach aktuellem Stand kann ich mir nicht vorstellen, dass wir eine solche Quelle aufgeben“, betonte er.

