Eine Mehrheit im Schulausschuss unterstützt den Erhalt der Hauptschule am Rhein vorerst. Die Stadt soll nach Alternativen für das Gymnasium Neustadt-Nord suchen.
„Plan nicht alternativlos“Stadtrat stellt sich gegen Verwaltung – Hauptschule am Rhein soll weiterlaufen

Das Gebäude der Katholischen Hauptschule am Rhein in der Niederichstraße: Die Stadtverwaltung wollte die Schule auflösen, um hier in einigen Jahren das neu gegründete Gymnasium Neustadt-Nord unterzubringen.
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Der Schulausschuss will dem Plan der Stadtverwaltung eine Absage erteilen, die Katholische Hauptschule am Rhein zugunsten des Gymnasiums Neustadt-Nord zu schließen. Die Hauptschule wehrt sich vehement gegen ihr plötzlich drohendes Ende, wir berichteten. Auch das Gymnasium ist nicht glücklich mit der Lösung der Stadt, die es langfristig auf zwei Standorte aufteilen wollte.
Helge Schlieben (CDU), Vorsitzender des Schulausschusses, sagte: „Wir sind interfraktionell davon überzeugt, dass die Verwaltung ihr kreatives Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft hat und dieser Plan nicht alternativlos ist.“ Er verspricht: Zum Anmeldeverfahren für die neuen Fünftklässler kommende Woche würden alle derzeitigen Kölner Schulen, also auch die Hauptschule am Rhein, wählbar sein. Damit vertagen die Politiker die langfristige Lösung für das Gymnasium Neustadt-Nord. Die Verwaltung soll bis zum Sommer einen neuen Plan vorlegen. Erst dann will man entscheiden.
Rat vertagt langfristige Entscheidung für Gymnasium Neustadt-Nord auf den Sommer
Der Grund, wieso die Stadt zu viele Schulen in zu wenig Gebäuden hin- und herschieben muss, ist ein Verhandlungsabbruch mit dem Investor, der den eigentlich angedachten langfristigen Standort des Gymnasiums Neustadt-Nord herrichten sollte. Baudezernent Markus Greitemann und Schuldezernent Robert Voigtsberger sahen sich gezwungen, ihm im Januar eine Absage zu erteilen, nachdem er laut Stadtverwaltung die Miete erhöht hatte. Der Investor sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wir sind offen für weitere Verhandlungen auf der Grundlage einer bereits vereinbarten Miete.“
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Noch in der Erwartung, sich einigen zu können, hatte die Stadtverwaltung im Januar 2025 das Gymnasium aber bereits zum Start dieses Schuljahres gegründet. Es kam übergangsweise im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring unter.
Stadtverwaltung bricht Verhandlungen mit Investor ab
Nach der geplatzten Verhandlung sah die Lösung beider an dem Schulbau beteiligter Dezernate vor, das Gymnasium länger am Ubierring und zum Schuljahr 2028/2029 in die Gereonsmühlengasse ziehen zu lassen. Dieses Gebäude wird aktuell saniert, hier kam zuvor das Abendgymnasium der Stadt unter, das während der Sanierung im Judenkirchhofsweg in Deutz sitzt. Im Plan der Verwaltung soll es dort dauerhaft bleiben.
Sobald die ersten Schülerinnen und Schüler des neuen Gymnasiums Neustadt-Nord in die Oberstufe eintreten und damit die Gereonsmühlengasse zu klein würde, soll die Sekundarstufe II ausgelagert werden in das Gebäude der Hauptschule am Rhein in der Dagobertstraße/Niederichstraße. Das wäre 2030 der Fall. Demnach soll die Hauptschule ab Sommer keine neue Eingangsklasse mehr aufnehmen und damit auslaufen.
Das gefällt nicht nur der Hauptschule nicht, auch die Schulgemeinschaft des Gymnasiums ist unzufrieden: Sie will nicht zwischen zwei 1,5 Kilometer voneinander entfernten Standorten pendeln müssen.
Die Hauptschule hat zwar derzeit tatsächlich sehr wenige Anmeldungen für die 5. Klasse, das heißt aber nicht, das sie nicht gebraucht wird: Erfahrungsgemäß nehme sie in den höheren Schuljahren viele Jugendliche auf, die auf anderen Schulformen nicht gut klarkommen. Der Vorsitzende der Schulpflegschaft, Manfred Siemon, sagte: „Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist herausragend.“ Nicht ohne Grund sei die Hauptschule in das Startchancenprogramm des Bundes aufgenommen worden, mit dem Schulen gefördert werden, die sich insbesondere um sozioökonomisch benachteiligte Schülerinnen und Schüler kümmern.
Schulpolitiker wollen Schulschließung nicht überstürzen
Für Oliver Seeck, schulpolitischer Sprecher der SPD, fehlt eine Alternative in dem Viertel für Kinder ohne Gymnasialempfehlung, würde die Hauptschule für neue Eingangsklassen so schnell schließen. Bärbel Hölzing-Claßen, schulpolitische Sprecherin der Grünen, sagte: „Eine gut funktionierende Hauptschule aus Raumnot eines Gymnasiums zu schließen, und auch noch die perfekt funktionierende Kooperation in der Bildungslandschaft Altstadt-Nord kaputtzumachen, ist für uns zu sehr übers Knie gebrochen.“
Eine Mehrheit aus allen Fraktionen außer der AfD will deshalb in der Sondersitzung des Schulausschusses am Mittwoch und am Folgetag auch im Stadtrat, beschließen, die Hauptschule erst einmal weiterlaufen zu lassen, das Gymnasium möglichst lange im Interim am Ubierring zu belassen und die Stadtverwaltung mit der Prüfung zu beauftragen, ob nicht das dann kleinere Gymnasium komplett in der Gereonsmühlengasse verbleiben kann, möglicherweise ergänzt durch tatsächlich nahegelegene angemietete Räume. Auch soll die Stadt prüfen, ob nicht doch das Abendgymnasium weiter als Teil der Bildungslandschaft Altstadt-Nord im selben Gebäude bleiben kann.


