Wie das Museum Selma in kleinerer Variante in Kalk entstehen kann, ist trotz prominenter Unterstützer noch unklar: Finanzielle Unterstützung fehlt weiterhin.
MigrationsmuseumSelma erhält Zuspruch aus Berlin – Aber keinen finanziellen

Şöhret Gök, Ayşin İpekçi, Wilfried Schmickler, Boris Sieverts, Fritz Bilz und Elizaweta Khan (v.l.) bei der Pressekonferenz
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Das Engagement der Initiative „Selma bleibt“ wird auch bundesweit wahrgenommen. Einen offenen Brief der Aktivisten zur Einrichtung des Migrationsmuseums in den Hallen Kalk hat unter anderem der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi unterschrieben. Zu den Erstunterzeichnern gehören auch der Schriftsteller Navid Kermani und der Kabarettist Wilfried Schmickler.
Die Initiative hatte sich gegründet, als im März bekannt wurde, dass die Realisierung der ursprünglichen Pläne für das Museum Selma in den Hallen Kalk mehr als die schon von Bund und Land zugesagten 44 Millionen Euro kosten würde. Alternativ sollte das Selma im Kulturzentrum am Neumarkt (KAN) entstehen, doch auch dazu kommt es nun nicht. Mit der bestehenden Förderung ist ein Standortwechsel ohne eine umfangreiche Neuplanung des gesamten Projekts nicht möglich.
Kölner Intellektuelle unterzeichnen offenen Brief
Bei einem Pressegespräch erinnerte Fritz Bilz, Mitbegründer der Kalker Geschichtswerkstatt, daran, dass 58 Prozent der Menschen in Kalk eine internationale Familiengeschichte haben. „Das Museum ist ein Dankeschön an die Menschen, die hier Jahrzehnte gearbeitet und unseren Wohlstand mitgeschaffen haben.“ Schmickler nannte Migranten „eine unglaubliche Bereicherung für unser Land. Wir müssen zeigen, dass diese Frauen und Männer dazugehören. Diesen historischen Vorgang dokumentieren wir im Museum Selma.“
Stadtforscher Boris Sieverts, Mitbegründer von „Selma bleibt“ verwies auf den städtebaulichen Rahmenplan, der für die Hallen gelte und der eine gemeinwohlorientierte Nutzung vorschreibe. Das Museum Selma sei ein Leuchtturm-Projekt für die Entwicklung des strukturschwachen Stadtteils Kalk. Und es habe bundesweite Strahlkraft. In dem offenen Brief wird die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zitiert, die 2018 die Schirmherrschaft über das Projekt Migrationsmuseum innehatte: „Es geht um einen Ort, an dem Deutschland sich als Einwanderungsland entdecken und verstehen lernen kann.“
Zuvor hatte schon der Kölner Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestags Sven Lehmann (Grüne) einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er sich für das Museum in Kalk aussprach.
Kulturdezernent Charles wiederholt Absicht, Selma nicht finanziell zu fördern
Im Kulturausschuss des Stadtrates begrüßten Donnerstagnachmittag die Politikerinnen und Politiker fraktionsübergreifend das Ziel, Selma wieder in Kalk zu bauen. Jasna Ibrić (Volt) sagte: „Vor unserer letzten Ratssitzung entstand ein erheblicher Druck, den Neumarkt als einzigen möglichen alternativen Standort zu prüfen, obwohl der nun voraussichtlich gar nicht möglich ist. Wie konnte das passieren?“ Maria Helmis-Arend (SPD) wies darauf hin, dass den Standort Neumarkt nicht zu prüfen, angesichts des drohenden Verfalls der Fördergelder zum Jahresende, „fahrlässig“ gewesen wäre. Dennoch habe der Rat Kalk nie aufgegeben.
Kulturdezernent Stefan Charles betonte, dass Projektträger das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, kurz Domid, ist und nicht die Stadt: „Wir haben dem Domid Alternativen angeboten, das KAN war für das Domid das attraktivste. Das Einzige, was wir von Anfang an gesagt haben, ist: Wir können nicht finanziell unterstützen.“
