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Kommentar zum Stau-Chaos in KölnVerkehrspolitik mit Tunnelblick

3 min

Stau an der Philharmonie

Die Trankgasse ist zum Symbol einer verfehlten Verkehrspolitik geworden. Wer an Konzepten festhält, obwohl sie erkennbar scheitern, verspielt Akzeptanz.

Will Politik erfolgreich sein, braucht es zweierlei: klare Entscheidungen – und eine zielgerichtete Kommunikation. Beides fehlt der Kölner Verkehrspolitik zurzeit völlig. Dabei ist vor allem die Sperrung der Trankgasse direkt neben dem Dom zum Symbol geworden für eine Politik, die nicht nur die Stadt lähmt, sondern auch den Willen ihrer Bürger wie auch der Besucher aus der Region missachtet. Und die, ganz nebenbei, auch noch den eigenen Institutionen massiv schadet.

Dabei geht es im Kern um kaum mehr als 200 Meter Straße, die seit gut drei Jahren im Rahmen eines der inzwischen berüchtigten „Verkehrsversuche“ vom zuständigen Dezernenten Ascan Egerer für den Autoverkehr weitgehend gesperrt wurde.

Gegen die Grundidee, den Autoverkehr in der stark verdichteten Zone zwischen Hauptbahnhof und Kathedrale zumindest einzuschränken, spricht ja gar nichts. Allerdings schafft die Sperrung an dieser Stelle keineswegs einen neuen, großzügigen Freiraum, in dem sich Passanten aus aller Welt nach Herzenslust ergehen und den Domblick genießen: Die freigesperrte Straße verläuft größtenteils durch einen maximal unattraktiven Straßentunnel, ein Denkmal der autogerechten Stadt.

Fußgänger jedenfalls trauen sich kaum hinein. Dafür jede Menge vornehmlich auswärtige Falschfahrer, die von der komplexen Beschilderung überfordert sind. Die Radfahrer, die vor allem von der Sperrung profitieren sollten, ignorieren den Tunnel dagegen weitgehend.

Kaum Gewinn, erheblicher Schaden

Der Gewinn dieser Aktion ist also höchst überschaubar, die Schäden dafür erheblich. Durch den Verkehrsversuch und weitere Langzeitbaustellen ist die Erreichbarkeit zentraler Parkhäuser stark eingeschränkt. Das hat besonders für Veranstaltungen am Abend schwerwiegende Folgen. Nach Konzerten in der Philharmonie brauchen Besucher bis zu zwei Stunden, um das Parkhaus zu verlassen. So mancher Stammgast nimmt deswegen inzwischen Abstand vom Besuch einzelner Konzerte oder gibt gar sein Abonnement zurück. Für den städtischen Konzertsaal und das ebenfalls städtische Gürzenich-Orchester – beides Aushängeschilder der Kölner Kultur, die sich die Stadt viel Geld kosten lässt – ist das eine Katastrophe.

Für „Mobilitätsdezernent“ Ascan Egerer sind es vermutlich Kollateralschäden auf dem Weg zu einer weitgehend autofreien Innenstadt. Ein Spitzenbeamter setzt seine Themen ohne Rücksicht auf andere städtische Interessen durch. Das ist schwer zu rechtfertigen. Gerade Besucher aus der Region haben oft gar keine Möglichkeit, mit Bus oder Bahn anzureisen – egal ob sie die Philharmonie besuchen wollen oder das Museum Ludwig, ob sie in den Dom wollen oder in die Altstadt, oder ob sie nur die beiden Parkhäuser ansteuern, die direkt am Hauptbahnhof liegen. Für sie alle gilt: Wer hier an belebten Abenden mit dem Auto an- und vor allem wieder abreisen will, braucht viel Zeit und ziemlich starke Nerven.

Das Krisenmanagement funktioniert nicht

Natürlich braucht Köln eine moderne Verkehrspolitik. Eine, die weniger aufs Auto setzt, dafür den ÖPNV, das Fahrrad und auch den Fußverkehr stärkt. Das Problem dabei: Für alle drei Verkehrsträger sind die Voraussetzungen in Köln bislang bescheiden. KVB und S-Bahnen drohen täglich in die Knie zu gehen, das Radwegenetz ist trotz aller Anstrengungen der vergangenen Jahre immer noch lückenhaft, in Teilen sogar gefährlich – und als Fußgänger unterwegs zu sein, ist angesichts von Baustellen und Dreck, von defekten Ampeln und zahlreichen Umleitungen ebenfalls ein zweifelhaftes Vergnügen.

Doch darüber redet der von den Grünen ins Amt gebrachte Dezernent nicht, Kommunikation nach außen scheint ihm verzichtbar. Gerade das aber wäre seine zentrale Aufgabe, siehe oben. Und auch das Krisenmanagement funktioniert nicht: Wenn ein Konzept wie in der Trankgasse scheitert, muss man in der Lage sein, sich davon zu verabschieden und den Versuch – zumindest temporär – abzubrechen. Oberbürgermeister Burmester hat den Verkehrsdezernenten schon einmal zurechtgewiesen – bei seinen Ideen zur Umgestaltung der Mülheimer Brücke. Ein erneutes Machtwort ist überfällig.