Nach dem Aus für ein Yad-Vashem-Bildungszentrum in Köln stellt sich die Frage, was jetzt aus dem RGM-Studienhaus am Dom wird.
Nach Absage von Yad VashemWas wird aus dem RGM-Studienhaus am Kölner Dom?

Könnte auf dem Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums (RGM) ein Dachgarten entstehen? Die Pläne der Stadt für ein Yad-Vashem-Bildungszentrum sahen dies vor.
Copyright: Manuel Herz Architekten
Es ist eine verlockende Vorstellung: Man sitzt in einem schönen Dachgarten zwischen üppigem Grün und genießt eine fantastische Aussicht auf das bedeutendste Gebäude Kölns: den Dom. Diese Vision hatte der Architekt Manuel Herz im Kopf, als er das Konzept für eine Yad-Vashem-Bildungsstätte im früheren Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums (RGM) ausgearbeitet hat. Die Stadt hat seine Entwürfe vor kurzem erstmals veröffentlicht. Nach der Absage der Israelis ist offen, wie es mit dem Gebäude weitergeht.
Der Bau am Roncalliplatz diente dem Museum früher als Verwaltungssitz, Restaurierungswerkstatt und Bibliothek. Er steht seit Jahren leer – genau wie das Museum, das zurzeit im Interim im Belgischen Haus an der Cäcilienstraße untergebracht ist. Ursprünglich sollte das denkmalgeschützte Studienhaus für den Neubau der „Historischen Mitte“ abgerissen werden. Doch der Plan, am Dom einen neuen Komplex für das Stadtmuseum, die RGM-Verwaltung und die Hohe Domkirche zu errichten, war im Januar 2024 geplatzt. Aus Kostengründen zog sich die Kirche aus dem Projekt zurück.
Danach wurde es längere Zeit still um das Filetgrundstück – bis die Idee aufkam, das RGM-Studienhaus der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als möglichen Standort für das in Deutschland geplante Bildungszentrum anzubieten. Die Stadt beauftragte Manuel Herz, ein Konzept für den Umbau des 1974 errichteten Gebäudes vorzulegen.
Zweimal waren Delegationen aus Israel zu Gast in Köln, um sich vor Ort ein Bild zu machen, doch am Ende entschied sich Yad Vashem für den Standort München (wir berichteten). Kürzlich hat die Stadt Köln die Visualisierungen veröffentlicht, die man den Israelis präsentiert hatte. Sie zeigen ein modernisiertes Studienhaus mit viel Grün vor dem Gebäude und einem großen Dachgarten.

Nach dem Umbau zu einem Yad-Vashem-Bildungszentrum sollte das Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums einen Dachgarten erhalten.
Copyright: Manuel Herz Architekten
Nachdem sich die Pläne für ein „Yad Vashem Education Center“ in Köln zerschlagen haben, ist offen, was aus dem RGM-Studienhaus wird. Ein Abriss steht seit dem Aus für die Neubaupläne der „Historischen Mitte“ nicht mehr zur Debatte. „Das Gebäude soll nicht abgerissen werden, da es Teil des denkmalgeschützten Ensembles ist, bestehend aus RGM-Gebäude und Studiengebäude“, betont eine Sprecherin der Stadt Köln auf Anfrage.
Sanierung des RGM-Studienhauses kostet mehr als 24 Millionen Euro
Das marode Studienhaus muss also saniert werden. Das wird sehr viel Geld kosten – kein leichtes Unterfangen für die Stadt, die in großen Finanznöten steckt. 2018 hatte sie die Sanierungskosten auf 24,2 Millionen Euro geschätzt, seitdem sind die Baupreise massiv gestiegen. Hätte sich Yad Vashem für Köln entschieden, hätte die Stadt die Sanierung des Studienhauses mit Hilfe privater Investoren über eine Public Private Partnership (PPP) finanzieren wollen, heißt es im Rathaus. Ob eine solche Finanzierung auch für andere Nutzungen gelingen könnte, ist unklar.

Die Pläne der Architekten für ein Yad-Vashem-Bildungszentrum im RGM-Studienhaus sehen moderne Arbeitsbereiche vor.
Copyright: Manuel Herz Architekten
Für eine Nutzung des Studienhauses als Bildungszentrum hatte der Architekt Manuel Herz bereits verschiedene Ideen vorgestellt. „Dazu gehörten ein Büro- und Arbeitsbereich, interaktive Lernstationen, ein Seminar- und Workshopbereich sowie ein Dachgarten“, so die Stadtsprecherin. Zur Frage, ob die Stadt die Idee eines Bildungszentrums weitverfolgen will, erklärt sie: „Verschiedene Nutzungsoptionen für das Studiengebäude werden zunächst verwaltungsintern diskutiert. Gleiches gilt für Finanzierungsmodelle angesichts der prekären städtischen Haushaltssituation.“
Kehrt das RGM in sein altes Studienhaus zurück?
In einer aktuellen Übersicht für den Kulturausschuss des Stadtrats erklärt die Stadtverwaltung, zunächst solle der Rat den Bedarf für die denkmalgerechte Sanierung des Studiengebäudes feststellen und die Verwaltung mit der Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung beauftragen. Geplant ist auch ein Ratsbeschluss für eine Machbarkeitsstudie, die prüfen soll, wie die römische Hafenstraße und das unter dem Kurt-Hackenberg-Platz gelegene römische Hafentor an den Museumskomplex angebunden werden können.

Entwurf von Manuel Herz für die Innengestaltung des Studienhauses. Möglich wäre auch, hier eine Ausstellungsfläche einzurichten.
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Denkbar ist, dass das Römisch-Germanische Museum nach der Generalsanierung und Wiedereröffnung des Museumsgebäudes am Roncalliplatz, die nicht vor 2030 erwartet wird, mit seiner Verwaltung und der Restaurierungswerkstatt zurück ins Studienhaus zieht. Die Verwaltung ist derzeit im Belgischen Haus untergebracht, die Werkstatt in Porz.
Doch die besondere Lage des Studienhauses unmittelbar am Dom legt auch andere Überlegungen nahe. So könnte in das Gebäude ein Informationsangebot zur „Via Culturalis“ integriert werden – dem Kulturpfad zur 2000-jährigen Geschichte Kölns, der vom Dom zur romanischen Kirche St. Maria im Kapitol führt. Auch eine Ausstellungsfläche ließe sich hier möglicherweise einrichten.
Ob das Gebäude am Ende einen Dachgarten bekommen wird, wie von Manuel Herz angeregt, wird sich zeigen. Da es bislang keine Ratsbeschlüsse zur Sanierung des Studienhauses gibt, ist es derzeit unwahrscheinlich, dass diese parallel zum Museumsgebäude erfolgen kann. Es droht das Szenario, dass man im Haupthaus die Wiedereröffnung feiert, aber nebenan noch gebaut wird und die RGM-Verwaltung weiter im Belgischen Haus bleiben muss. Allerdings hat die Stadt Köln bisher noch keinen Generalunternehmer für die Sanierung des Museums gefunden.
Zu der Frage, wann eine Entscheidung zur Zukunft des Studienhauses getroffen werden soll, will sich die Stadt nicht äußern. Die verwaltungsinterne Diskussion laufe noch, so die Sprecherin. Es kann also noch Jahre dauern, bis die Sanierung beginnt. Immerhin ist laut Stadt im Mietvertrag für das Belgische Haus sichergestellt, dass die RGM-Verwaltung so lange dort bleiben kann, bis für sie ein langfristiges Domizil bereit steht.
