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Nach Eskalation am Eigelstein„Kein schöner Anblick“ – Werden die Ehrenfelder Bahnbögen bald genutzt?

5 min
Bahnbögen Ehrenfeld Hüttenstraße im September 2026

Bahnbögen an der Ehrenfelder Hüttenstraße im September 2026

Die Bahn überwacht regelmäßig die Bahnbögen und bringt neue Zäune an. Aber genutzt werden sie bis jetzt nicht. Die Mieter sind verunsichert.

Nach der Berichterstattung zu der Verwahrlosung am Eigelstein, rücken jetzt auch die Bahnbögen in Ehrenfeld wieder in den Blick. In der Hüttenstraße gab es in der Vergangenheit ebenfalls massive Probleme mit Müll, der Ratten anzieht, und mit wohnungslosen Menschen, die in den Bögen übernachten. Auch hier brach im Januar 2025 ein Feuer aus. Nachdem diese Redaktion im März 2025 über die eskalierte Situation berichtet hatte, ließ die Eigentümerin Deutsche Bahn die Bögen säubern und brachte Bauzäune an. Wie ist die Situation seitdem und wie geht es weiter?

Bahnbögen in Ehrenfeld: Überwachung durch Bahn hat sich verbessert

Ein Nachmittag im September. An der Hüttenstraße sind einige Bögen weiterhin eingezäunt und nahezu leer. Vereinzelt liegt Müll darin, manch ein Zaun ist aufgebrochen. Anwohner Hans-Dieter Over sagt: „Ab und zu übernachtet ein Obdachloser hier, wenn ein Zaun gelöst wurde. Aber dann kommt die Bahn relativ schnell und die Zäune werden wieder zusammengeschweißt.“ Die Überwachung der Bögen hat sich laut Over also verbessert. „Es ist nicht die schlechteste Situation gerade. Aber es ist kein Zielzustand. Die Orientierungslosigkeit bei der Nutzung der Bögen wird weiter getrieben. Es ist kein schöner Anblick, die Bögen stehen leer“, so Over.

Gemeinsam mit anderen Anwohnern war Hans-Dieter Over im Verein Ehrenfelder Bahnbögen aktiv. Mit Aktionen wie einem Markt oder Nachbarschaftsfest wollten sie die Bögen und die Hüttenstraße beleben. Die Vereinsaktivitäten ruhen derzeit. Vor anderthalb Jahren halfen die Vorsitzenden Dennis und Andrej Weissenberger der Deutschen Bahn noch dabei, die aktuellen Mieter in den Bögen zu ermitteln. Die Bahn hatte den langjährigen Pächter Lutz Figge erfolgreich aus dem Vertrag geklagt (wir berichteten), danach aber lange keinen Überblick über die teils komplizierten Miet- und Untermietsverhältnisse. 

Bahnbogen in der Hüttenstraße

An manchen Bögen sind die Bauzäune zwar wieder aufgebrochen, doch der Müll hält sich im Vergleich zu März 2025 in Grenzen.

In der Hüttenstraße gibt es zum Beispiel einen Schrott- und Metallhändler, der mehrere Bögen belegt, einen Afroshop und ein Taxi-Begleitunternehmen. In der Bartholomäus-Schink-Straße sind seit Jahren der Club Bahnhof Ehrenfeld und der Club Yuca zu Hause. Die Betreiber wollen zwei weitere Bögen erschließen, erhielten dafür auch eine Zusage für Fördergelder des Bundes.

Stadt Köln und Deutsche Bahn entwickeln gemeinsame Perspektive für Bahnbögen

Wie zu hören ist, scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen. Die Deutsche Bahn ist jetzt weiter als noch vor einem Jahr. „Uns sind alle offiziellen Mieter bekannt. In einem ersten Schritt arbeiten wir aktuell daran, geregelte Verhältnisse mit all unseren Bestandsmietern und -mieterinnen herzustellen und einen Überblick über die Ausstattung der Räumlichkeiten in den Bahnbögen zu gewinnen“, teilt ein Bahnsprecher auf Nachfrage mit.

07.03.2025
Köln
Gespräch mit dem Verein Bahnbögen e. V. Wir machen einen Spaziergang entlang der jahrzehntelangen Misere an der Hüttenstraße in Ehrenfeld
Foto: Martina Goyert

So sahen einige Bögen an der Hüttenstraße noch im März 2025 aus. Mit Sperrmüll hatten sich wohnungslose Menschen regelrechte Übernachtungslager gebaut.

Zwischen Bahnvertretern und der Stadt finden zudem quartalsmäßige Treffen statt. „Das ist eine Jahrhundertchance, dass hier endlich Dynamik in die Sache kommt. Rundum den Bahnhof soll endlich mehr Sicherheit, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität herrschen“, sagt Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne), dem die Bögen ein Herzensanliegen geworden sind. 

Er appelliert in Richtung Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sowie Rat und Verwaltung, sich für die Bögen einzusetzen. „Die Akteure sehen eine betriebswirtschaftliche Chance. Den Ehrenfeldern ist es aber auch wichtig, die Verwahrlosung aufzulösen, sodass das kein Unort ist.“

Vision für kulturelle Nutzung der Bögen

Die Bahn bekennt sich zu einer Weiterentwicklung der Bögen. Ein Bahnsprecher sagt: „Die Bahnbögen in Köln sind seit vielen Jahren Orte für Kunst und Kultur, die die umliegenden Stadtviertel aufwerten. Das soll aus Sicht der Deutschen Bahn auch zukünftig so bleiben: Mit neuen Konzepten könnten die Bahnbögen perspektivisch noch enger in die lebendigen Viertel eingebunden werden, sofern es aus baulicher oder bahnbetrieblicher Sicht keine Einwände gibt.“

Auch die Stadt äußert sich ähnlich. „Die Stadt hat ein großes Interesse an einer Nutzung dieser Räumlichkeiten.“ Andree Haack, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsdezernent, sieht die Lösung in der Bespielung durch die freie Kulturszene. „Einige der Bahnbögen in Ehrenfeld sind zu einem Aushängeschild der Kölner Clubszene geworden. Die Betreiber haben über viele Jahre hinweg gezeigt, dass sie mit den komplexen baulichen und vertraglichen Rahmenbedingungen umgehen können und trotzdem kostendeckende Einrichtungen betreiben.“ Die Betreiber hätten bewiesen, „dass sie es können“, so Haack.

Eine Vision formuliert etwa Norbert Oberhaus, Gründer des c/o-pop-Festival: Die Ehrenfelder Bahnbögen könnten mit in die Kulturschutzzone, die für die Ehrenfelder Clubs gilt, integriert werden. „Einen Bogen könnte man als Entree zum Kulturquartier nutzen, dort könnten Workshops, Lesungen, Podcast-Aufführungen stattfinden.“ Es ist außerdem die Rede von Proberäumen, Gastro-Betrieben in der Bartholomäus-Schink-Straße, einer gemeinnützigen Fahrradwerkstatt. Ideen und Interessenten gibt es etliche.

Nur die Umsetzung scheitert bisher. Deutsche Bahn und Stadt müssen sich auf eine gemeinsame Entwicklungsperspektive verständigen, bevor einzelne Bögen – viele von ihnen haben Feuchtigkeitsprobleme und sind sanierungsbedürftig – konkret bespielt werden. Die Stadt musste auch erst einmal erkennen, dass sie ebenfalls ein berechtigtes Interesse an der Entwicklung der Gegend hat, auch wenn die Bögen der Bahn gehören.

Volker Spelthann, Bezirksbürgermeister Ehrenfeld

Bezirksbürgermeister Ehrenfeld Volker Spelthann

Bahnbogen-Mieter wollen endlich Sicherheit

Unterdessen haben einige Mieter aus Ehrenfeld und vom Eigelstein eine Interessengemeinschaft gebildet. Ado Ferati, Gastronom und Bahnbogen-Mieter, ist ihr Sprecher. Die IG beklagt die schwierige Kommunikation mit der Bahn. „Wir haben uns an den Vorstand der Deutschen Bahn gewandt und um Stellungnahme gebeten. Wir wollen Klarheit und keine Ausflüchte mehr.“ Manch ein Mieter sei mit hohen Zahlungsaufforderungen von der DB konfrontiert. Zu Vertragseinzelheiten möchte sich diese jedoch nicht äußern.

Manche Mieter zahlen nichts und beziehen sich dabei auf eine frühere Klausel, die besagt, dass erst bei Nutzung eine Miete zu entrichten ist. Ein Mieter, der anonym bleiben will, hat nach eigenen Angaben seit 2018 mit einem jüdischen Kulturverein zwölf Ehrenfelder Bögen angemietet. Man warte auf einen neuen Mietvertrag. „Wir wollen loslegen, die Pläne sind schon fertig, aber die Bahn hindert uns daran.“ Ihm schweben Proberäume vor. Und ein Denkmal für die Edelweißpiraten, eine oppositionelle Jugendgruppe während der NS-Herrschaft. Offen ist, ob alle Bestandsmieter einen neuen Mietvertrag von der DB erhalten und ob die bestehenden Betriebe perspektivisch bleiben dürfen und überhaupt von der Bahn gewollt sind.